Rival Sons – Head Down

von am 23. September 2012 in Album

Rival Sons – Head Down

Das kennt man schon von ‚Before the Fire‚ und vor allem ‚Pressure & Time‚ aus dem letzten Jahr: die in die 1970er verschossenen Revival-Anhänger Rival Sons wollen ihr eigenes Led Zeppelin-Album schreiben. Im dritten Anlauf gelingt das sogar besser denn je.

Das größte Manko seiner Vorgängerplatte ‚Pressure & Time‚ bleibt auch ‚Head Down‚ anhaften: oft klingen die vier Kalifornier in ihrem verschwitzten Anachronismusrock einfach zu sauber, zu brav, der anrüchige Sex und Schmutz bleibt mit dem allzu zurechtgestutzten Sound bloß angeklebt und zu souverän, glatt, zurechtgestutzt und einstudiert um tatsächlich wie gelebt zu klingen. Dass es da mit Graveyard zeitgleich eine Band da draußen gibt, die das selbe Revival genau deswegen stilsicherer meistert, weil sie all die hier erwähnten Punkte authentischer aus dem Bluesrock-Sumpf klopft und dazu die bessere Produktion hat, spielt natürlich eine Rolle, weswegen man sich in ‚Head Down‚ wie in seine Vorgänger vergucken kann, aber immer im Hinterkopf behält: das ginge noch besser. Dabei machen Rival Sons auch im dritten Anlauf genau das, alles noch einmal  eine Schippe besser als bisher, variabler, abwechslungsreicher, eingängiger und auf Albumsicht flüssiger.

Sie runden den Bluesrock ab, der sie in die Nähe von aktuellen Zeitgenossen von Jack White über die Black Keys bis Wolfmother bringt, den sie von Vorbildern wie AC/DC oder den Black Crowes im modernen Gewandt an ihren ultimativen Paten anlehnen: aus jeder Pore trieft hier Led Zeppelin, aus jedem schweren Riff, jedem drückendem Rhythmus, all den dumpf drückenden Bässen, dem exaltierten Suhlen von Jay Buchanan in seiner exzellent-variierenden Stimme, die in ‚True‚ gar den Spagat zwischen Robert Plant und Jeff Buckley wagt und gewinnt und ohnedies nahezu ausnahmslos das Epizentrum der gen Classic- und Hard-Rock schielenden Stomper bildet, ausufernde Instrumentalausflüge an der kurzen Leine hält. Selbst wenn der ausladende Jam am naheliegendsten wäre, doch bloß für das zügellose Gelage ‚Manifest Destiny (Pt. 1)‚ werden über knapp acht Minuten die Roadhouse Zügel auch wirklich gelockert, wenn sich heiß dampfende Gitarrenseiten über schwerfällig hyperventilierenden Beat legen. Als Gegengewicht und Türöffner zum hypnotischen Jam fungieren dagegen Songs wie das wild stampfende ‚Wild Animal‚, das ausgelassene Südstaaten-Remmidemmi ‚You Want To‚ oder das stoische ‚Keep on Swinging‚ gleich zu Beginn fulminant eiladend.

Ein Einstieg auf Nummer Sicher – der zudem aufgrund folgender Hits wie ‚Three Fingers‚ am Fließband durchläuft – , wagen Rival Sons ihrem Gebräu mehr Facetten denn je abzutrotzen: tiefer rollend haben die ihren Sündenpfuhl-Blues jedenfalls noch nicht derartig wohlwollend walzen lassen, als sie es in ‚Run From Revelation‚ tun, ‚Nava‚ ist hingegen das federleicht stimulierende Instrumentalinterlude am Lagerfeuer. ‚Jordan‚ hegt dazu als sentimental berührende Abschiedsballade eine ungeheure Sehnsucht nach Creedence Clearwater Revival und weiten Weizenfelder im Spätabend, so wollten Alberta Cross jüngst wohl klingen – samt gefühlvollen Gospelfinale. Wodurch das erste fundamentale Standbein des hauseigenen Bluesrock bereits ausgemacht ist – eine stets zu findende, nicht zu geringe Menge an gottesfürchtigem Soul, der in Buchanan sein ergiebiges Sprachrohr gefunden hat: man höre nur bildgewaltige Klischeeübungen wie die (Rock’n’Roll-)Erlöserlobpreisung ‚All The War‚.

Der andere Stützpfeiler ist hingegen tatsächlich hemdsärmeliger Pop, durch und durch. Ohne ihn wären all die Ohrwürmer und Killerhooks hier nicht möglich, Songs wie ‚Until The Sun Comes‚ nicht derart gutgelaunte Tanzflächenfüller (sofern das Bluesrock will, tut er es hier!) und ‚The Heist‚ hätte nicht diesen freiheitsliebenden 60er Spirit samt Allman-Brothers-Gitarren, dem dann doch auch wieder der Soul aus dem Maul geifert. Rival Sons perfektionieren in diesem Triumvirat aus Blues, Soul und Pop unter dem allgegenwärtigen, mächtigen Banner des Rock in allen Schattierungen aus dem uramerikanischen Inspirationspool ihre eigene ansprechende Nische im Revival-Meer, keine kleine. Besser als die vier Kalifornier sind unter all den auf die 1970er versessenen Rocker da draußen eben nur wenige, jetzt klarer denn je, denn besser als hier waren Rival Sons nie. Jetzt müssen sie sich nur noch ein paar Ecken und Kanten mehr zuziehen, ein paar Falten und Risse in ihre sauberen Lederjacken bringen.

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