Roaming in Limbo – Permutations

von am 29. Januar 2022 in Album

Roaming in Limbo – Permutations

Ambiente Plunderphonics-Elektro-Collagen: Permutations ist das früh formvollendet erscheinende Debütalbum eines (laut den aufschlussreichen Liner Notes erst 17 jährigen) Niederländers unter dem Banner Roaming in Limbo.

Ein eingeweihter Kreis scheint nach einigen vielversprechenden Geheimtipp-Veröffentlichungen via Bandcamp samt dem Trabant-Herold aus dem Vorjahr bereits auf diesen Langspieler gewartet zu haben. Zu Recht, wie die nun gezeigten Künste von Roaming in Limbo beweisen, indem die mit detailliert gebastelter Vielschichtigkeit und imaginativer Tiefenwirkung konzipierten Stücke als kohärentes Gesamtwerk weit über die reine Talentprobe hinausgehen – auch wenn das ausgelassene Saxofon-Aushängeschild Something Good ebenso nur bedingt repräsentativ für die Wirkung der Platte steht, wie wenn Permutations seine zahlreichen Samples ausnahmsweise derart in den phasenverschobenen Fokus schiebt, wie in Night of the Long Knives: Ein Rhythmus, zuerst strengt und kraftvoll, dann immer hypnotischer in Trance versetzt, begleitet als Rückgrat der Nummer Nuancen von Kate Bush, niemals ganz greifbar, aber immer am fassbar scheinenden Ereignishorizont passierend Synapsen der Erinnerungen reizend.

Auch sonst gelingt der Zugang zu den Konstruktionen jedoch stets instinktiv, variabel und homogen. Petrichor baut auf eine markante Percussion und addiert dazu  schimmernden Retro-Futurismus, wohingegen Death Rays / Floodlines eine darkjazzige Atmosphäre pflegt. Fury Held Back by Patience deutet über keineswegs zu lange 11 Minuten Spielzeit orchestralen Space-Ambient mit psychedelischer Wirkung im minimalischen Kaleidoskop samt sanftem Scherben-Licht-Stroboskop an, während Burning als betörendes Klangmeer in seinen eigenen Kosmos taucht.
This Crimson Sky ist dazwischen ein klackerndes Downtempo-Puzzle aus Glitches, sedativem Zeitlupen-Gesangs-Samples, Piano-Elegien und einer gepflegten Tanzbarkeit: schön zu sehen auch, wie organisch sich das Material entwickelt, zu wirklich Songs wächst, keinen Clusterfuck aus Ideen und ästhetischen Motiven darstellend.

Dass Roaming in Limbo als Versuch die eigene Jugend und bisherige Lebensgeschichte zu dekonstruieren als kreativ inspirierter Schmelztiegel in dieser Hinsicht trotz einer eklektischen Selbstfindung bereits am Zenit der Möglichkeiten angekommen ist, ist freilich dennoch unwahrscheinlich – ganz im Gegensatz zu der Frage, ob man es hier womöglich mit einem „neuen“ James Blake’esken Wunderkind (…) zu tun haben könnte.

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