Royal Headache – High

von am 16. August 2015 in Album, Heavy Rotation

Royal Headache – High

Vier Jahre nach ihrem selbstbetitelten Garagerock-Meets-Soul-Klassiker haben sich die Australier Royal Headache zwar auseinandergelebt, jedoch auf ein wohl abschließendes zweites Album verständigt. ‚High‚ kann deswegen auf den ersten Blick fälschlicherweise schon wie eine Kompromisslösung wirken.

Royal Headache betouren ihren vermeintlichen Schwanenengesang noch, doch eigentlich ist die Band längst am Ende. Sicherlich: ‚Royal Headache‚ hat dem Quartett aus Sidney nicht nur euphorische Reviews und Hochachtung von Kollegen wie den Black Keys eingebrachtcht – spätestens mit dem weltweiten Release des Debüts 2012 schien es für kurze Zeit tatsächlich so, als würden Royal Headache die Welt kurzerhand im Sturm erobern. Gekommen ist es letztendlich anders: Um einen adäquaten Plattenvertrag zu unterschreiben fehlte zumindest die Motivation, Sänger Shogun arbeitete anstatt den Durchbruch zu erzwingen verhassterweise lieber weiterhin für ein Callcenter und verlor irgendwann 2014 schließlich die Lust auf Royal Headache.It was fun … it’s just, all things come to an end. That was not a band that was supposed to be around for very long.“ erklärt jener Mann lapidar, der für die Aufnahme der Vocals des Debüts acht Monate benötigte, während der komplette instrumentale Teil in eineinhalb Tagen im Kasten war.
Bevor Shogun mit seiner souligen Röhre in Zukunft also die unvermeindliche Solokarriere forcieren möchte, hat er sich mit seinen (ehemaligen) Kumpels Law, Joe und Shortty allerdings doch noch einmal soweit arrangiert, mit Royal Headache eine zweite, letzte Studioplatte vorzulegen. Wie wichtig und gravierend die vorausgeschickte, verzwickte Entstehungsgeschichte hinter dieser ist, hört man ‚High‚ dann gefühltermaßen auch unmittelbar an.

Alleine durch die Art und Weise, wie Shoguns Stimme nun produziert ist, meint man im direkten Vergleich zum Vorgänger beinahe eine dezente Isolation des Sängers vom Rest der Band zu hören. Wo sein (nach wie vor) vor Herzblut berstendes Organ auf ‚Royal Headache‚ noch mitten im Wirbelwind des Geschehens stand, von der Energie der Musik aufgeheizt wurde und das Geschehen gleichzeitig zusätzlich befeuerte, tritt er nun im Sound eher über der perfekt interagierenden Performance der restlichen Band auf. Shoguns Stimme ist nun wie die gesamte Platte an sich sauberer weg vom übersteuerten LoFi-Gewand produziert, verlangt nach weicheren Entfaltungsmöglichkeiten für dessen Vorliebe für Northern Soul und den Madchester-Trubel, was auf die ersten Durchgänge hin durchaus irritierend – sogar: weniger leidenschaftlich als bisher – wirken kann; ganz so, als hätte sich Shogun eigentlich bereits auf seine weitere Karriere vorbereitet.
Tatsächlich gehen Royal Headache mit diesen Feinjustierungen aber nur konsequent den Weg weiter, den sie bereits auf der ‚Stand and Stare/ Give it All to Me‚-Single in Richtung von mehr Sauberkeit und Pop ausgekundschaftet haben, und eröffnen sich so zahlreiche Optionen, die alleine schon verhindern, die Erfolgsformel des Debüts bloß auf Nummer Sicher gehend abermals aufzukochen.

Dies lässt einerseits immer noch spielend ausgeschüttelte Songs wie das furios eröffnende,vielleicht ein wenig zu ausführlich geratene ‚My Own Fantasy‚ oder die geradlinige Gaspedalattacke ‚Another World‚ zu; selbst auf Scherben gebaute und sich unerbittlich an sich selbst abarbeitende Verehrung der Schnittmenge aus Buzzcocks und Undertones wie ‚Garbage‚, in der Shogun so direkt und simpel ausnahmsweise Hass anstelle von melancholischen Liebesverzehrungen als getriebener Crooner und Screamer hinausbrüllt („You’re not punk/ You’re just scum/ You belong in the garbage/ You belong in the trash„), ist einer der hier ausnahmslos aufgefahrenen Killerohrwürmer, die die Band derartig noch nicht im Angebot hatte, die aber dennoch problemlos auf ‚Royal Headache‚ strahlen hätten können. Aber spätestens wenn etwa der Titelsong die Gangart des Vorgängers in gemäßigtere Bahnen lenkt, man nicht mehr unter einer immanenten Dringlichkeit zu explodieren droht, sondern den Melodien mehr Raum zum Atmen gibt, das Tempo zurückschraubt und dafür die Länge der Nummern großzügig erhöht, zeigt sich die Weiterentwicklung der Band als Songwriter. Ein ‚Little Star‚ klingt deswegen trotz aller Rasanz weniger gehetzt als fürsorglich und die Vintage Orgel im hochinfektiösen ‚Need You‚ zeigt, wie die Reise für Royal Headache noch weiter in die Reiche von Motown führen hätte können.

Richtig stark wird ‚High‚ ausgerechnet dann, wenn sich Royal Headache sich mit aller Konsequenz in die neu beackerten Stilgebiete fallen und ihren Garagepunk regelrecht versöhnlich werden lassen. Der zutiefst melancholischen Schmachter ‚Wouldn’t You Know‚ schmiegt sich dort steinerweichend und bittersüß über eine nostalgische Romantik hinweg, während die mit rauer Stimme gen Real Estate schielende Ballade ‚Carolina‚ ist in all ihrer Inbrunst der wohl deutlichste Moment ist, der so auf ‚Royal Headache‚ aus dem Rahmen gefallen und schlichtweg nicht möglich gewesen wäre – hier aber mit zeitloser Klasse gewachsener Bestandteil eines abwechslungsreicheren Ganzen ist. Dass Royal Headache dabei weniger ekstatisch, unmittelbar aufregend und spannungsgeladen am Zerbersten agieren als bisher, darf man durchaus als Wachstumsschmerzen verbuchen, an deren Ende eine reifere, rundere Band steht, die ihre Passion nun eben anders kanalisiert und in breiter aufgestellte Bahnen lenkt. Einigen wir uns also notfalls darauf: Wo das Debüt die Herzen im Sturm eroberte, ist ‚High‚ stattdessen ein heimlicherer Grower geworden, der früher oder später freilich ähnlich süchtig macht wie sein knackigerer Vorgänger.
Dass ausgerechnet das nur 90 Sekunden auf den Putz hauende ‚Electric Shock‚ den Rausschmeißer macht, ist insofern nur bedingt repräsentativ und in gewisser Weise auch befriedingend, gleichermaßen jedoch eine klare Ansage: „Electric shock you know it’s gonna turn you on/ Electric Shock until the effect is gone/ And it makes you feel alive instead of ugly and strange„. Zweckgemeinschaften klingen wahrlich anders, denn derart intuitiv muss man einen solchen Hit-Aspiranten erst einmal auf den letzten Drücker bringen, anstatt auf große, sentimentale Gesten zum vermeintlichen Abschied zu setzen. Weswegen Royal Headache im zweiten Anlauf nicht nur das Beste aus den Gegebenheiten machen, sondern schlichtweg kaum etwas falsch. Weswegen es nur umso bedrückender ist, dass ausgerechnet jene Momente der Platte die nachdrücklichsten sind, die in Aussicht stellen, in welche Dimensionen und Sphären diese so unheimlich grandiose Band mit ihrem Ausnahmesänger noch hätte weiterwachsen können.

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