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Pathetische Erlösergesten, erhebende Gänsehautmomente, ausbrechende Punk-Katharsis, emotionaler Schönklang und schlussendlich ein magisches Bad in der Menge: Nick Cave und seine Bad Seeds zelebrieren Allerheiligen in der Wiener Stadthalle.
Während Nick Cave mit Warren Ellis am Nachfolger zum 2013er Meisterwerk Push the Sky Away arbeitet, stürzt sein 15 jähriger Sohn Arthur im Juli 2015 von Klippen nahe Brighton in den Tod. Skeleton Tree entwickelt sich daraufhin zu einem nur schwer zu ertragenden Manifest des erlittenen Traumas.
Bevor Nick Cave und sein kongenialer Kompagnon Warren Ellis sich mit Skeleton Tree anschicken das Niveau von Push the Sky Away zu halten, führt das Duo anhand von Hell or Highwater noch schnell vor, warum man auch in der Soundtrack-Branche längst zu einem Household-Name geworden ist.
Der Nachschlag zu dem an dieser Stelle unter Wert verkauften 'Push the Sky Away': Nick Cave und seine Bad Seeds protzen auch live nicht mehr mit überschüssigen Testosteron, sondern pflegen zurückgenommen die feine Klinge.
Dass das 15. Studiowerk seiner altehrwürdigen Institution klingen würde wie kein je zuvor von ihm aufgenommenes Album versprach Nick Cave im Vorfeld von 'Push the Sky Away'. Nun weiß man: keine leere Floskel, sondern ein Versprechen. Die Bad Seeds denken 30 Jahre nach ihrer Gründung an Ruhe aber nicht den Ruhestand.
Auf Songs of Townes Van Zandt Vol. III verbeugen sich (nach Beiträgen von u.a. Steve von Till, Scott Kelly, Mike Scheidt, John Baizley oder Wino auf den vorherigen beiden Kapiteln der Tribute-Reihe) diesmal Marissa Nadler, Cave In und Amenra vor der amerikanischen Liedermacher-Legende.
In Folge der Pandemie schienen Protomartyr vor der Auflösung zu stehen. Sechs kurze Jahre (und das gerne unter Wert verkaufte Formal Growth in the Desert als Zwischenspiel) später erfindet sich die Band für Hotel Usona mit Dave Fridmann nun jedoch kurzerhand ein gutes Stück weit neu.
This Mirror Weighs a Ton. Doch Interpol stemmen die schwere Last mit viel Grandezza und erblicken darin seit langer Zeit endlich wieder die schemenhafte Größe ihrer einstigen Fulminanz.
Don't Look at Me the Way a Dog Might Look at Your Leg ist nicht das versprochene Schwester-Album zu Motherfucker, I Am Both: "Amen" and "Hallelujah"... sondern vielleicht sogar etwas noch besseres?
Sehr angenehm: Ausgerechnet Red Hot Chili Peppers-Bassist Flea hat in seiner Rolle als Trompeten-Liebhaber mit Honora das smoothe Konsens-Jazz-Album des Jahres aufgenommen.

![Nick Cave and the Bad Seeds [01.11.2017: Stadthalle, Wien] Nick Cave and the Bad Seeds [01.11.2017: Stadthalle, Wien]](https://i0.wp.com/www.heavypop.at/wp-content/uploads/2017/11/Nick-Cave-Live-2-e1509641652586.jpg?resize=205%2C205&ssl=1)








