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Thou aus Baton Rouge sind seit Jahren die mutmaßlich größte Doom-Macht des Planeten. Davon zeugt eine überquellende, makellose Discographie auf eindrucksvollste Art. 2014 wird dennoch als ein einziger, noch einmal alles überragender Höhenflug in die Geschichte der Band eingehen - weil Meisterwerke und Geniestreiche in noch höherer Taktrate wie am Fließband kamen: 'Heathen' und 'The Sacrifice' oder 'Released from Love', der erste Teil der im nächsten jahr imposant fortgesetzten Kollaboration mit The Body. Während eine Europa Tour der Band dabei bis auf weiteres Wunschtraum zu bleiben scheint, beehren Thou jedoch das 24. Kästchen des Heavy Pop Adventskalender: Gitarrist Andy Gibbs präsentiert seine Alben des Jahres 2014.
Melt-Banana haben einem den Mund nicht zu Unrecht wässrig gemacht: Gridlink ist mit 'Longhenna' die beste Grind-Platte des Jahres gelungen, die darüber hinaus für die Band wohl auch den Schlussstrich am Zenit zieht. Für den Heavy Pop Adventskalender hat Jon Chang die Zeit gefunden Platten des zu Ende gehenden Jahres zu empfehlen und verteilt auch sonst Geschenke: zahlreiche Demo-Aufmahmen aller Bandphasen serviert er gratis via Dropbox - und die von ihm betreute Gridlink-Facebookpage ist sowieso immer einen Blick wert!
Theoretisch gibt es einige Kleinigkeiten, die am Lack von 'Selected Songs 1994-2014' kratzen sollten. Praktisch aber fallen sie alle diese kaum ins Gewicht, trumpft die zweite Werkschau der Belgier um Tom Barman doch mit einem äußerst stilsicherem Händchen hinsichtlich der ihrer Songauswahl auf.
Ausgerechnet ein Duo aus dem sonnigen Kalifornien sticht am Ende des Doom-Triumphjahres 2014 aus der Masse der exzellenten Genre-Veröffentlichungen hervor - und das auch noch mit seiner ersten (Demo?!)Veröffentlichung. Die aufgefahrenen 46 Minuten von 'MMXIV' funktionieren dabei keineswegs nur als eine erste Talentprobe, sondern viel eher artikulieren Keeper bereits in diesem frühen Stadium formvollendeten Sludge-Hass, gegossen in zähflüssigen Gift und Galle spuckenden Weltekel, der sich an der Kreuzung von angepissten Crust und verendenden Noiseausflüssen in purer Misanthropie suhlt. Jacob Lee und Penny Keats speien dieses nihilistisches Gebräu praktisch aus dem Nichts kommend, haben sich mit unerbittlicher Konsequenz aber regelrecht aus dem Stand heraus als eine der aktuell kompromisslosen Genreband etabliert. Was in einem Jahrgang wie diesem natürlich zusätzlich adelt.
Man ist eingangs durchaus verleitet zu behaupten: über Black Map zu schreiben, bedeutet irgendwo bis zu einem gewissen Grad auch Dredg, Far und The Trophy Fire erwähnen zu müssen - tatsächlich finden sich auf '..And We Explode' dann auch durchaus zahlreiche Charakteristika der drei anderen Bands von Mark Engles, Chris Robyn und Ben Flanagan. Wie mühelos das dreiköpfige Powerhouse den straighten Gang in Richtung atmosphärischer Alternative Rock, den permanente Flirt mit der bodenständigen Stadiontauglichkeit und den unentwegten Zug zum gehaltvollen Hit zelebriert, das überrascht dann allerdings nicht nur in seiner Konsequenz - sondern funktioniert im Grunde letztendlich auch komplett ohne Erwähnung der prominenten Stammbands.
"Im Vergleich zum bisherigen Werk von Amen Dunes findet man hier durchaus strukturierte Stücke, ihre Magie des Flüchtigen haben sie trotzdem nicht verloren." sagt Messer Sänger Hendrik Otremba und trifft den Nagel damit durchaus auf den Punkt. Tatsächlich ist Damon McMahon mithilfe von seinen Bandkollegen Jordi Wheeler, Parker Kindred und zahlreichen Gastmusikern wie Efrim Menuck, Colin Stetson und Elias Bender Rønnenfelt mit 'Love' nicht nur sein bisher bestes Album gelungen, sondern ein unwirklich-schönes, psychedelisch verschwommenes Meisterstück von zeitloser Klasse.
Nach den beiden aufeinanderfolgenden Glanztaten 'Im Schwindel' und 'Die Unsichtbaren' musste 2014 zwar ohne neues Messer-Album auskommen, aber auch so tat sich genug bei den Münsteranern: die zum Quintett angewachsene Kombo reiste durch China, 'TCM Tones' führte zum Record Store Day einmal mehr die Wandelbarkeit der Gruppe vor und dem Hörspiel 'Ein Film war zuende, nur ein Film' gelang der Spagat zwischen Kunst-Expedition und treibender Rock-Improvisation fulminant. Aber sowieso: kein Heavy Pop Adventskalender ist komplett, wenn er nicht von Messer eröffnet wird.
'Pom Pom' setzt dazu an, die Spreu vom Fanweizen zu trennen. Wer dem Weirdo-Patchwork-Pop von Ariel Pink längst verfallen ist, den wird das offiziell erste Album ohne The Haunted Graffiti abermals in wohligen Schwindel versetzen. Sollte man bisher jedoch noch keinen Zugang zum Schaffen des Kaliforniers gefunden haben, kann man dementsprechende Versuche hiermit wohl endgültig getrost sein lassen.
Die dritte Studioplatte von Sean Ragon's mittlerweile zur vollwertigen Band ausstaffierten Neofolk-Projekt beginnt vielleicht mit 'Todestrieb' - einem bedrückendem Instrumental zwischen spiritueller Tribalbeschwörung mit morbider Weltuntergangsstimmung und ambienten Stammestanz vor brennenden Mülltonnen -, verbringt seine 'Final Days' danach aber in geradezu beflügelter Lockerheit.










