A Mote of Dust – A Mote of Dust II

von am 23. März 2019 in Album

A Mote of Dust – A Mote of Dust II

One More Time With Feeling: Craig Beaton beerdigt nach Aerogramme und The Unwinding Hours nicht nur auch A Mote of Dust, sondern auch gleich alle musikalischen Ambitionen.  II hat seinen inneren Frieden damit geschlossen.

All that matters, is that after any album I’ve finished, it always felt like the beginning of a new chapter, stage, whatever the right word is. However, after we finished recording Mote II, I listened from start to finish and I knew it should be my last. It’s a feeling I can’t shake off or ignore. It doesn’t feel like a bad decision though or even a hard one. It feels right. I just need to do something else. I’m not sure what, just not this anymore.“ Man kann im Wissen, dass dies (ungeachtet des EP-Einstandes von Visor im vergangenen Jahr) wohl der letzte Output von Craig B sein wird, praktisch keine Sekunde der zweiten A Mote of Dust-Platte hören, ohne dadurch auf Metaebene zusätzlichen Schwermut auf ohnedies schon unendlich melancholische 43 Minuten zu laden: II reißt gleichzeitig eine niemals heilen könnende Wunde auf, wie es das einzig erdenkliche Trostpflaster darstellt.
Damit umzugehen ist ambivalent, ein Conclusio also gleich vorneweg: A Mote of Dust II ist ein vor Vergänglichkeit beklemmender Schwanengesang geworden, der das Vermächtnis des Ausnahmemusikers als Glasgow gegebenenfalls wundervoll traurig zu einem schlüssigen Ende führt, es jedoch auch in Position bringt, wie schon Aereogramme, The Unwinding Hours und das A Mote of DustDebüt von 2015 zu einem lebenslangen, still-unaufdringlichen musikalischen Begleitern werden lassen dürfte. Die finalen Pianoakkorde von Wintersong hallen nicht nur 20 Sekunden in der Dunkelheit nach, sondern sind insofern zeitlos.

Dafür gehen Beaton (Guitar, Vocals, Percussion) und sein Erfüllungsgehilfe/ ebenbürdiger Kompagnon im Hintergrund Graeme Smillie (Pianos, Synths, Programming, Guitar, Bass) ähnlich unaufdringliche Wege wie bereits zuvor mit dem Debüt A Mote of Dust installiert, bauen meist alleine auf die Eindringlichkeit der zarten Stimme, stiller Schläge auf der Akustischen und vorsichtiger Klavierakkorde, lassen die Bedeutungsschwere ohne erschütternde Gesten oder drangsalierendes Gewicht einwirken. II ist kompositorisch simpel gehalten, aber berührend, ein ruhiger Ausgleich zum aufwühlenden Alltag.
Die heavy zum Drone bratende Gitarre im himmlischen Second Last First bleibt insofern ebenso Ausnahme, wie ohnedies eher Textur, söhnt sich mit dem typischen MO von A Mote of Dust aus, zeigt aber auch, dass das schottische Duo das nahezu unscheinbare, extrem sparsam instrumentierte Wesen des Vorgängers zwar verfeinert, aber nicht wiederholt, sondern den angestammten Trauerarbeiten mittels subtiler Nuancen neue Perspektiven anzubieten versucht.
Slow Clap baut etwa auf einen fragilen Beat, auch A Fundamental Problem setzt auf einen elektronischer Unterbau, wo die wattiert- hämmernde Rhythmik Aufbruchstimmung signalisiert, ohne physisch zu bedrängen, und am Ende der ätherischen Klavierballade Signals lodert eine Snare auf, als wolle sie sich die Nummer auf die Hinterbeine stellen – ein Element, das letztendlich wie alles hier ohne dezidierte Katharsis verglimmtert. Evolve will seinem Titel folgend strukturell will immer weiter wachsen, während das erhebende Cease den Horizont mit betuchten Streichern, Postrock-Gitarren, geloopten Stimmen und synthetischem Anstrich öffnet. Schade, dass Beaton und Smillie nicht manchmal ein bisschen stärker aus sich herausgehen.

A Mote of Dust II pflegt eben stets eine fast schon komfortable Behaglichkeit, eine angenehm zu konsumierende Einfachheit, die keine gefällige Belanglosigkeit meint, weil die emotionale Tiefenwirkung der Platte im richtigen Moment nicht nur weiche Decke ist, in die man sich kuscheln kann, sondern einem dem Boden unter dem Herzen wegzuziehen vermag. Ein Album, um in einsamen Stunden weniger einsam zu sein.
Ein Vorwurf, den sich II trotz der dezent gesetzten Akzente in der Dynamik aber dann eben dennoch gefallen lassen muss: Über die volle Dauer fallen A Mote of Dust selten aber doch einer gewissen Gleichförmigkeit zum Opfer, lassen Spannungen dann und wann zur Nebensächlichkeit verkommen. Das wirkt dann noch nicht antriebslos, nimmt aber vielleicht doch ein wenig vorweg, dass die chronische finanzielle Erfolglosigkeit nicht der einzige Grund für Craig B war, um einen Schlussstrich zu ziehen.
Ohne ikonisch nachhallende Szenen will A Mote of Dust II insofern aber ohnedies weniger ein weiterer später Höhepunkt von Beatons Schaffen darstellen, als viel mehr als würdevoller Epilog verstanden wissen. Diese Platte ist mit sich selbst im Reinen, hat ihrer Frieden mit den introvertierten Umständen gemacht. „It seems its always/ Time to leave“ singt Craig B im Verlauf irgendwann und verabschiedet sich mit einer innigen Umarmung. Mag diese auch weniger zwingend ausgefallen sein als zuvor, kann das nicht ohne Tränen enden. My Heart Has a Wish That You Would Not Go, Craig B!

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