Slift – Ummon

von am 1. März 2020 in Album

Slift – Ummon

Wen Elder mittlerweile mit ihren uferlosen Prog-Delirien verloren haben, der könnte bei Ummon, dem Zweitwerk des französischen (mittlerweile nur noch?) Trios Slift, eine neue Heimat finden.

Und das, obwohl die Band aus Toulouse selbst weit draußen agiert, ihren psychedelischen Heavy Space Rock strukturell offen ohne Innovationswut in die Umlaufbahn von solchen Konstanten wie Hawkwind, Monster Magnet, Secret Machines, Oh Sees, King Gizzard oder Spidergawd katapultiert, und die 10 Minutenmarke bei den den Spielzeiten der elf Songs zudem nur deswegen nicht öfter als dreimal touchiert (beziehungsweise ignoriert) werden, weil sich viele Stücke ohnedies wie zusammenhängende Suiten anfühlen, das Ganzes über 72 Minuten so kurzweilig in sich geschlossen ist.
Genau hier liegt der Knackpunkt: Besser noch als auf ihrem Debüt La planète inexplorée von 2018, sowie eben auch eine Vielzahl all der ähnlich agierenden Bands da draußen, verstehen Slift es, konturlose und formoffene Kompositionen mit dem nötigen Spielwitz und übersprudelnden Eifer darzubieten, um die Nabelschau nicht zum Selbstzweck verkommen zu lassen.

Wo der Einstieg mit der Titelnummer noch vergleichsweise straight gerät, macht schon It‘s Coming… epischer auf, sucht den Jam und Fuzz, findet die Trance, und muß sich nicht zwischen Triumph und Kakophonie entscheiden. In Thousand Helmets of Gold schrubbt die Gitarre so spritzig und Drums zappeln vibrierend im flächigen, voluminösen Sound, bevor Citadel on a Satellite in sich geht und die Symbiose aus hippiesker Zwanglosigkeit und Heaviness zelebriert, von retrofuturistischen Synthies verabschiedet. Hyperion ergeht sich stoisch in den skandierten Groove und Altitude Lake macht aus dem halluzinogenen Ambient kommend keinen Unterschied zwischen Wüstensand und kosmischen Staub – für die Nackenmuskulatur wiegt beides schwer, trotz weit offener Türen der Wahrnehmung.

Sonar beginnt als mit Effektpedalen ausgeschmücktes Drum-Workout, entwickelt sich aber zu einem schlüssigen Spagat zwischen Motorpsycho und Comets on Fire, der gelöst bimmelnd in der Dungen-Assoziation von Dark Was Space, Cold Were the Stars aufgeht und seinen Frieden in Aurore aux confins findet, die Zügel dabei immer wieder locker lässt, jedoch stets kleine Soli, Riffs und Akzente einstreut, um die Spannung aufrecht zu halten. Das ohne Opulenz auskommende Sơn Đông’s Cavern schraffiert chorale Texturen, die eine ähnliche Vorliebe für Captain Future erkennen lassen, wie etwa Kamasi Washington oder Black Mountain sie haben dürfte.
Und wo die ohnedies nur sporadisch auftauchenden Vocals in dieser Melange oft nur wie ein Mittel zum Zweck anmuten, treiben sie im überlagen und überragenden Closer Lions, Tigers and Bears eine fast ausgelassene Nummer mit punkig-bärbeißender Vehemenz an, bevor die Band extrem tight spielend ihrer Sucht nach krautiger Improvisation nachgebt. Das nach diesem ekstatischen Rausch geöffnete Druckventil mag hinter all dieser Distanz zu knapp bemessen sein, doch entlässt Ummon keineswegs mit dem Gefühl, um den entlohnenden Klimax betrogen worden zu sein: Hier ist wie so oft die Reise das eigentliche Ziel.

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