Stygian Bough (Bell Witch & Aerial Ruin), Monkey3, 40 Watt Sun [29.01.2026: Arena, Wien]

von am 31. Januar 2026 in Featured, Reviews

Stygian Bough (Bell Witch & Aerial Ruin), Monkey3, 40 Watt Sun [29.01.2026: Arena, Wien]

Bell Witch und Aerial Ruin bringen ihr famoses zweites Stygian Bough-Album auf die Bühne der Wiener Arena. Das heimliche Highlight ist aber das erste Österreich-Konzert von Patrick Walker – 40 Watt Sun sind als Support dabei.

Es wäre also alles angerichtet für ein potentielles Konzert-Highlight des Jahres – doch dann verbockt das Booking (oder die Organisation) den Abends so richtig.
Das hat damit zu tun, dass die eigentlich auf einer seperaten Tour befindlichen Monkey3 vom Special Guest zum Co-Headliner aufgerückt sind – oder besser: in den Abend hineingedrückt wurden. Denn nicht falsch verstehen: Das einstündige Set des Quartetts ist an sich schon toll. Ihr vor Pink Floyd-Liebe strotzender instrumentaler Space Stoner Rock drückt wuchtig, ist trippig und transzendental, groovt heavy und hingebungsvoll, zudem stimmungsvoll inszeniert. Dass sich trotzdem hier und da einige gleichförmige Längen einschleichen und sich zumindest ein Viertel der Band gar zu unangenehm in Applaus einfordernde Rockstar-Posen wirft, ist auch absolut okay.
Nur kann man sich, sofern man grundsätzlich nicht wegen der Schweizer, sondern des ursprünglichen Pakets gekommen ist, kaum angemessen auf diese Reise einlassen. Einerseits, weil Monkey3 zwischen dem ideal aufeinander abgestimmten Doppel aus 40 Watt Sun und Stygian Bough einfach ein klein wenig deplatziert wirken. Uns andererseits, weil der Blick auf die Uhr angesichts des so stramm gewordenen Timetables Sorgen bereitet.

Und tatsächlich werden Dylan Desmond, Jesse Shreibman und Erik Moggridge nach dem Abbau des Monkey3-Bühnenbildes ihr ohnedies erst für 22.00 Uhr angesetztes Set mit zehnminütiger Verspätung beginnen müssen. Was für all jene, die am nächsten Tag ihrer Erwerbstätigkeit zeitig nachkommen müssen, schon frustrierend sein kann – für all jene Auswärtigen aber, die noch eine Heimreisemöglichkeit mittels des öffentlichen Verkehrs am selben Tag angestrebt hatten, ist der Timetable samt seiner sich abgezeichnet habenden Verzögerung die reinste Katastrophe: beschissener hätte man den aufgeblasenen Abend praktisch kaum planen können!
Zumal das erzwungene Co-Headlining aus ökonomischer Sicht ohnedies kaum hilft: Der obere Bereich der großen Halle der Arena ist mangels Besucher ohnedies gesperrt und der untere Rang ist auch nur sehr luftig gefüllt. Während alle Musiker vom wie immer superben Sound der Arena profitieren, wäre eine kleinere Location für alle Beteiligten insofern zielführender gewesen – sicher aber hätte man als Fan mit einem einfach ein klein wenig früher angesetzten Konzertbeginn nicht ein derart ärgerliches Gefühl im Bauch mit nach Hause genommen.

Stygian Bough Stygian Bough Stygian Bough

Denn das rund einstündige Set von Bell Witch und Aerial Ruin ist grundlegend nichts weniger als atemberaubend gut: Das 2025er-Hightlight Volume II wird chronologisch und zur Gänze gespielt, gewinnt live aber noch einmal um mindestens einen Level an Majestät. Der (den dualen Gesang von Moggridge und Desmond beinahe deckungsgleich assimilierende,) so mächtige Sound des Trios bricht wie eine Naturgewalt über die Arena herein, ist geduldig und raumfüllend. Alles wirkt noch mächtiger und beeindruckender als auf Platte, die unbedingte und absolut kompromisslose Präzenz des sich schleppenden Dooms ist schlichtweg erfuhrchtgebietend. Die Facetten der Songs verschwimmen ganzheitlicher, Waves Became the Sky gleitet praktisch nahtlos in das epochal gesteigerte King of the Wood (und erst danach gibt es eine kurze Zwischenansage). Doch hier spricht jeder Ton, jede Eruption für sich.
So eng Stygian Bough – endgültig als Band, nicht als Kooperation – musikalisch stehen, so sehr wird dieser Umstand vom Auftreten des Trios konterkariert (oder womöglich doch viel eher verstärkt?): Auf einer praktisch leeren Bühne (in einer reduzierten Lichtshow, die perfekt abgestimmte Akzente setzt) sieht es so aus, als würde sich das Trio in einer kargen Lagerhalle unendlich weit voneinander entfernt platzieren, was die sich immer findende Synergie mit einer regelrecht sakralen Weite versieht. Stygian Bough sind mittlerweile jedenfalls ein wahrhaft beeindruckendes Erlebnis.

Stygian Bough Stygian Bough Stygian Bough

Setlist:
Waves Became the Sky
King of the Wood
From Dominion
The Told and the Leadened

Dennoch steht subjektiv alles an diesem Abend im Schatten jener knapp 36 Minuten, mit denen (ein sich als extrem netter und ruhiger Zeitgenosse erweisende, sein Merch übrigens schon am zweiten Tour-Stopp in Breslau nahezu komplett ausverkauft habende) Patrick Walker das Konzert eröffnet.
Im Solo-Gewand sind die Songs von 40 Watt Sun (das weiß man etwa durch Live At United Reformed Church) schließlich vielleicht sogar noch eine Spur ergreifender, als in der Band-Umsetzung. Sie können einem mit ihrer melancholischen Tiefe und schlichten Sehnsucht emotional förmlich den Boden unter den Füßen wegziehen. Sie berühren und fesseln, sind warum und weich und verträumt und, ja, magisch.

Nach 32 Jahren im Geschäft sei er jetzt das erste Mal überhaupt in Österreich, erklärt Walker („That’s a pity!“ ruft ihm jemand deswegen zu, woraufhin der stets ein bisschen dreinschauende Brite verschmitzt lächelt: „Well, you invited me, didn’t you!”). Doch für einige wenige im Publikum würdigen diesen Umstand nicht angemessen: In den hinteren Reihen wird teilweise lauthals getratscht (woraufhin Walker seine ruhige Musik mal kräftiger intoniert, mal mit dem Einsatz wartet und irgendwann „shhhh“schend dezent um Ruhe bietet – erfolglos leider). Dem Fass den Boden ausschlägt aber ein Komiker, der Walker irgendwann „Play the fucking new Warning Album right now!” entgegenbrüllt und wohl gar nicht merkt, wie respektlos er den Musiker beinahe aus der zurückhaltenden Fassung bringt.

Von seiner legendären ersten (und aktuell ja tatsächlich wieder aktiven) Band spielt Walker freilich keine Songs. Dafür aber neben einem Querschnitt durch alle 40 Watt Sun-Studioalben – The Inside Room (2011), Wider than the Sky (2016), Perfect Light (2022) und Little Weight (2024) – sowie das Blue Nile-Cover Because of Toledo: eine Nummer fantastischer als die andere; und in ihrer Gesamtheit einen Gutteil davon ausmachen, warum man den Abend (trotz des unnötig bitteren Beigeschmacks) dankbar im Herzen behalten kann.

Setlist:
Colours
Pour Your Love
Astoria
Carry Me Home
Because of Toledo
Marazion

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