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Sufjan Stevens – Love Yourself / With My Whole Heart

Sufjan Stevens expandiert und zelebriert nicht mehr nur Weihnachten geschäftstüchtig: Für das Doppel aus Love Yourself und With My Whole Heart greift er zum Einen in die Mottenkiste und stellt sich zum Anderen neuen Herausforderungen.

Beide Fälle – das sei vorweggenommen – führen zu ästhetisch absolut typischen (und stilistisch näher bei Age of Adz als bei Carrie and Lowell von 2015 positionierten) Stevens-Songs, in denen man sich alleine wegen der Stimme des 43 Jährigen sowie seines unverwechselbaren Melodiegespürs unmittelbar heimelig fühlen darf: Diese Klasse ist einfach vertraut, verlässlich. Einen tatsächlich schlechten Songs wird Stevens in diesem Leben schließlich auch kaum mehr schreiben.
Sich ausnahmslos an seinem eigene Schaffen messen müssend, kann es insofern aber auch ernüchternd, dass das Gespann aus Love Yourself und With My Whole Heart dann eben nicht mehr als eine solide Diskografie-Erweiterung darstellt, gut ist, aber keineswegs essentiell erscheint: Angenehm zu hören und kurzweilig, sicher, aber auf lange Sicht wohl nicht mit genug interessanter Substanz ausgestattet, um nachhaltig interessant zu bleiben oder eine gewisse Austauschbarkeit im Œuvre zu überragen.

Dabei hatte Love Yourself an sich knapp 20 Jahre Zeit, um sich vollends zu entwickeln. Von den Wurzeln der Nummer erzählt die auf Gitarre reduzierte, leicht schräg-melancholische (1996 Demo), macht keinen Hehl aus dem unspektakulären Wesen der Komposition, die in der eröffnenden finalen Version als kleines, auch etwas generisches Indietronic-Stück ausgeschmückt nur bedingt eindrucksvoller wirkt. Schmeichelweich kriegt einen das zwar mühelos über die assoziativ-nostalgische Ader, das patentierte Stevens-Charisma, gerade wenn die leichten 80er-Vibes sich in der ätherisch-ambienten Produktion zu einem vorsichtigen Chor legen.
Verehrt man Stevens, stehen die Chance also ausgezeichnet, dass man die Nummer mindestens mag. Das pianoverhangene, in Harmonie träumende (Short Reprise) hätte es dennoch nicht unbedingt gebraucht, weil der Ausnhamemusiker einfach schon zwingendere Melodien und ergreifendere Emotionen ohne dieses latent belanglose Gefühl der Routine angeboten hat.

Zumal ohnedies With My Whole Heart das eigentliche Highlight der Veröffentlichung ist. Dort stellt sich Stevens der Herausforderung „to write an upbeat and sincere love song without conflict, anxiety or self-deprecation.
Heraus kam ein munterer, flotter Track, in dem der Beat einen dezenten Funk hat, und der „Jetzt-Alle!“-Part samt potentiellem Klatschen und U2-meets-Coldplay-und-The War on Drugs-Abgang unterhalten. Die erhebende Hymnik, auf die Stevens ein Abonnement hätte, bleibt aber trotz der kaum subversiven Arbeitsweise unaufgeregt – ja, auch ein bisschen langweilig! – aus.
Die runden 12 Minuten hier, sie sind eben nicht stark genug, um alleinstehend beindrucken oder tragen zu können, sie bleiben redundant-anmutige Gesten ohne zwingende Halbwertszeit aber viel Eleganz und Wärme – zumal für einen guten (LGBTQ+)-Zweck. Vielleicht haben sie gerade nach Mystery of Love und Tonya Harding als Standalone-Single verpackt auch einfach nur per se einen schwereren Stand als Lonely Man of Winter. Dass die wieder absurd limitierte Vinylversion längst ausverkauft ist, sollte insofern also nur Hardcore-Anhänger und Komplettisten traurig machen.

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