Tayla Parx – Coping Mechanisms

von am 24. November 2020 in Album

Tayla Parx – Coping Mechanisms

Als (zumindest ursprünglich so gedachte) Coping Mechanisms einer gescheiterten Beziehung kann die dienstleistende Liedermacherin Tayla Parx auf ihrem zweiten Studioalbum zwischen Zeitgeist-R&B und Dance Pop diesmal zu wenig Relevanz als Performerin entwickeln.

Obwohl nur wenig mehr als ein Jahr seit dem Debüt der Texanerin vergangen ist (in dem symptomatischerweise auch die weitestgehend unbeachtete A Blue State-EP erschien), ist längst klar, dass Parx weder den eigentlich popularitätsfördern sollenden Schwung der gemeinsamen Tour mit Anderson. Paak mitnehmen konnte, noch über ein Album mit einigen Ohrwürmern in der breiten Masse nachhaltigen Eindruck erzeugen konnte – und das, obwohl die 27 Jährige ja so viele große Namen auf professioneller Ebene als Songwriterin versorgt.
An dieser lukrativen, aus kreativer Sicht jedoch wohl auch undankbaren Präsenz wird sich mit Coping Mechanisms nun nichts ändern, im Gegenteil. Es ist offenkundiger als bisher bereits, wie Parx ihr Brot verdient – das aufgefahrene Material ließe sich notfalls problemlos an eine Kundschaft von Carly Rae Jepsen bis Dua Lipa verkaufen, nur wenige Modifikationen würden daraus eventuell kurzweilige Semi-Singles (nein, Hits eher weniger) machen. In den mit kaum geschärftem Profil ausgestatteten Händen von Parx selbst bleiben die Nummer jedoch so kompetent wie austauschbar, niedlich, nett und harmlos.

Die Eingängigkeit wird zu einer, die wenig fordert, kaum Reibung erzeugt und deswegen schneller als nötig vergessen ist. Dazu kommt, dass ohne Herausforderung die Entwicklung innerhalb der Songs vernachlässigt wird. Parx genügt es, eine gefällige Idee zu haben, doch lässt sie diese meist ohne jeden Geistesblitz plätschern und tingelt dann zur nächsten Nummer weiter. Coping Mexhanisms ist also verdammt angenehm nebenbei zu hören, das schon, doch kennt nahezu alle Songs praktisch nach der ersten Minute problemlos (ausgenommen höchstens System, das seinen Synthpop mit stärker touchierter Kante spielt und das 80er-Saxofon a la Gunship nach einem Twist auf die Tanzfläche zu schieben beginnt, sowie den schönen, entschleunigten R&B von Justified, der sich stimmlich zu forciert aus dem Fenster lehnt und hinten raus wie ein Remix aus Verlegenheit anmutet). Überraschungen, Wendungen oder spannende Impulse gibt es (danach) nie, dafür aber stets zwei Drehungen im Kreis und relativ unmotivierte Enden.
Dass dies im schlimmsten Fall zu einem Stück wie dem vocoderverseuchten Minimalismus von Bricks führen kann, der mit seinen Beats und ätherischen Synthies wie das mit beliebiger Melodie kaschierte Grundgerüst eines vollwertigen Songs erscheint, ist ungewohnt, steht aber irgendwo auch stellvertretend für eine Platte, die trotz allem niemals schlecht ist, höchstens ein bisschen frustrierend und viel öfter noch egal.

Es spricht auch für das grundlegende Können von Parx (wie wohl auch der kurzweiligen Spielzeit von nur 31 Minuten), dass man als Hörer trotzdem dran bleibt, sogar mit einem optimistischen Wohlwollen in jede neue Nummer einsteigt. Obgleich schon Sad nie in Gang kommt, bimmelt der Opener sanft pulsierend im Gift des Trennungsschmerz, ist catchy mit quietschender Stimme, die an den Rändern immer studiotechnisch bearbeitet klingt. Dance Alone benutzt den entschleunigten Funk als Discopop-Untergrund. Darüber herrscht eine nette Gleichförmig, da trotz Streichern keine Dramatik packen will, alles passiert auf einer gefälligen Ebene ohne Höhepunkt – selbst die Daft Punk-Referenzen werden verschwendet.
Stare ist eine subkutan pumpende Clubnummer mit zeitaktuell fast absurd anmutendem lyrischen Einstieg, die sich nach zusammengeschraubtem Reißbrett anfühlt und das latent nervige Fixerupper stackst rhythmisch – exemplarisch jedoch, dass selbst die orchestral aufmachende Bridge keinen Raum nutzt und der finale Refrain den genormten vagen Druck behält, anstatt in die Vollen zu gehen. Residue tänzelt angenehm naiv und leichtfüßig mit Akustikgitarre rasselnd und zeigt, was auch ohne unbedingte Konsequenz möglich gewesen wäre. Das ästhetisch schimmernde, sehr feine NonChalant verliert sich in der Space-Lounge im Fade Out, während auch der Dancefloor von Last Words gute Call and Response-Akzente setzt, aber weich mäandert. Nevermind gibt sich ebenfalls atmosphärischer und melancholischer, mit erhebend-schwelgendem Refrain, geht anschmiegsam betörend runter – doch es hätte einfach jemandem gebraucht, der für Kontraste sorgt, um eine bunte, lockere Platte ohne Amplituden eine Euphorie zu entlocken.
Der deplatziert schnipselnde Closer You Don’t Know ist insofern symptomatisch, wenn der eigenschaftsloseste und uninspirierte Song eine sympathischen Platte entlässt, sie so viel Mainstream-Potential nicht stemmen kann, der man aber noch nicht einmal wirklich böse sein kann. Diese Coping Mechanisms sind – im positiven wie im negativen – leider nichts, worüber man reden müsste.

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