Tenacious D – Post-Apocalypto

von am 6. November 2018 in Album, Soundtrack

Tenacious D – Post-Apocalypto

Sechs Jahre nach Rize of The Fenix kehren Tenacious D nicht nur mit einer animierten Internet-Serie, sondern in Form des dazugehörigen Soundtracks auch gleich mit ihrem vierten Studioalbum zurück. Gerade für all jene, die Kyle Gass und Jack Black primär ihrer Songs wegen folgen, wird Post-Apocalypto nun allerdings eine mittelschwere Ernüchterung darstellen.

Es klang vielleicht ohnedies zu schön, um letztendlich wahr sein zu können. Nachdem Jake Black und Kyle Gass bereits seit 2012 mit der Idee einer eigenen Cartoonserie spielten – die aber von Netflix, HBO Go und Amazon Prime Video abgelehnt wurde – gingen die sechs Folgen von Tenacious D in Post-Apocalypto als Comeback des Comedy-Duos Ende September 2018 letztendlich endlich exklusiv bei YouTube auf Sendung. So weit so eigenwillig: In krackeligen DIY-Paint-Standbildern vollführen JB und KG da lieber obskure Motorradstunts, als die Zeit für die Arbeiten an einem Studioalbum aufzuwenden, bevor die Welt kurz darauf ohnedies den Bach runtergeht und sich das Duo dem Titel entsprechend durch eine grotesk-postapokalyptische Welt schlagen muss – und pro Folge neben allerlei krudem Humor auch einen neuen Song anstimmt.
Insofern entpuppt sich der nominelle Soundtrack Post-Apocalypto auch nur gemessen an der Erwartungshaltung an das vierte reguläre Studioalbum betreffend als Mogelpackung. Mehr oder minder abwechselnd reihen sich Song und Comedy-Skit (ein ident aus den jeweiligen Folgen entnommener Sketch, der sich ohne den Kontext der dazugehörigen Bilder nur deswegen halbwegs transportieren lässt, weil die Serie ohnedies derart mies „animiert“ ist) aneinander – was dann im Klartext bedeutet: Gerade einmal bei zwölfeinhalb der 21 Tracks – oder: nur 21 von 31 Minuten, erkennbar an den Großbuchstaben – handelt es sich tatsächlich um Songmaterial.

Strukturell damit irgendwo zwischen dem selbstbetitelten Debüt (aber mit einer deutlich weniger flotten Dynamik und Balance zwischen Comedy und Songwriting ausgestattet) sowie dem Rock Opera-Soundtrack-Meisterstück Pick of Destiny verortet, ist die eigentliche Schwäche der Platte dann auch weniger, dass sich die unausgegoren die Handlung reflektierenden Gag-Skits  spätestens nach dem zweiten Durchgang relativ mühsam verbraucht haben und zum reinen Skip-Material werden, als dass die eingestreuten Kompositionen enttäuschen und Post-Apocalypto nicht in seiner Gänze tragen können.
Dabei strotzen die vorhandenen Nummern durchaus vor Potential: Das zweimal aufgefahrene Theme der Serie hat eine enorm catchy Melodie und zudem superb von Dave Grohl angetriebene Drums, dazu kraftvolles Gitarrengeschrammel und dramatische Synths – verschwendet all dies aber mehr oder minder nur als teasernder Anriss in Intro/Outro-Format von jeweils 40 Sekunden.  HOPE beginnt als zärtliche Akustikballade mit umsorgenden Streichern und hoffnungsvoller Geste, verpufft aber ebenfalls zu ungezwungen. MAKING LOVE brilliert mit typischen Patent-Lyrics („It’s important that we fuck right now, so let your penis explore/ Repopulation is the name of the game/ …/ Cmon JB, they just wanna fuck, just give ‚em whatcha got/ You’re fuckin bringing down the mood/ You gotta use that fuckin‘ cock/…/ Suck his fingertips, lick his ear hole/ Suck his toes, and lick his butthole/ Suck his balls, obviously, his cock, sit on him make him explode„) und baut sich vom Lagerfeuer auf, flaniert schön vorsichtig und deutet ein progressives Feuerwerk an, das aber ohne Durchschlagskraft unverbindlich bleibt, die potente Rock Oper in ausgebremsten zu kurzen 3 Minuten nur andeutet und damit abermals seltsam inkonsequent frustriert.

Generell fühlen sich nämlich auch die regulären Songs der Platte nur wie kurze Zusammenschnitte an, wirken wie nicht zu Ende gedachte Ansätze. TAKE US INTO SPACE bleibt so nur nett twistendes Vintage-Flair und Hillbilly-Twang, dazu ein wenig sozialpolitische Kritik inmitten all des tollen Hate it or Love it-Fäkalhumors. Siehe auch die wenig tiefgehende Marschmusik marCH: Dass hier „nur“ der Schwulenhass des KKK ironisch angeprangert wird, greift hinsichtlich der rassistischen Gruppierung doch deutlich zu kurz, steht aber andererseits sinnbildlich dafür, dass die Kompositionen der Platte generell nicht den notwendig ausführlichen Rahmen bekommen, den die Ideen dahinter effektiv bräuchten.
In der sehnsüchtig-melancholischen Klavierballade FUCK YO-YO MA schmachten sich die getrennten KG und JB mit viel Kitsch und dampfender Libido an und auch ROBOT praktiziert die getragene Romantikstimmung mit bittersüß wiegender Gefälligkeit, bevor COLORS die milde Gangart der Platte im poppigen Rock mit einem Flötensolo pointiert: Tatsächlich heavy packen Tenacious D ihre Songs diesmal eben kaum am Schopf. Nur DADDY DING DONG und das riffende WOMAN TIME packen dann noch im Ansatz ausnahmsweise doch noch den galoppierenden Metal aus, dafür zeigt JB JR RAP die zeitgeistige Autotune-Rap-Seite der Band im Genrehopping, bevor SAVE THE WORLD acappella in der Ziellosigkeit des Optimismus verpufft. Hängen bleibt von der Stafette aus beliebigen Skizzen außer dem Charisma der Produgonisten da wie dort unterm Strich aber viel zu wenig.
Letztendlich funktioniert Post-Apocalypto deswegen auch nur durch die eigene Selektion: Reduziert auf das reine Songmaterial wird das vierte Studioalbum von Tenacious D zu einer okayen Playliste mit oberflächlichem Compilation-Flair in EP-Länge, die sich jedoch vor allem wie ein fauler Kompromiss mit erschöpfendem Mehrwert und flüchtiger Halbwertszeit anfühlt. Hätten Jack Black und Kyle Gass anstelle dieses multimedialen Rundumschlags also mal lieber doch den Fokus geschärft und tatsächlich fünf weitere Jahre investiert um aus dem hier verschwendeten Potential ein vollwertig ausformuliertes Album zu machen – das hätte nicht nur die nötige Kohle für die Miete eingebracht, sondern auch ganz allgemein für ein befriedigenders Happy End gesorgt.

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