The Strokes – Comedown Machine

von am 22. März 2013 in Album

The Strokes – Comedown Machine

Comedown Machine‚ flacht die qualitativen Schwankungen des zerrütteten Vorgängers zu einem homogeneren Gesamten ab und landet deswegen nicht nur dort, wo wohl bereits ‚Angles‚ als Album hin wollte – sondern erfüllt Julian Casablancas vielleicht insgeheim sogar den Traum, den er für seine Band bereits 2003 gehegt haben muss.

Als die fünf New Yorker nämlich im futuristischen Design von Neonlicht bestrahlt wurden und Nick Valensis Gitarren plötzlich nach bearbeiteten Keyboards klangen, Wandelbarkeit aber nicht das Schlagwort für die New Yorker Hipster war. Knapp ein Jahrzehnt später ist es längstens Gewissheit: The Strokes sind aller spätestens seit dem im Rückspiegel gar nicht mehr so üblen ‚Angles‚ nicht mehr jene Band, die mit ihren archaisch- impulsiven Neo-„Garage-Rock“ in der Anfangsphase des 21. Jahrhunderts unzählige Röhrenjeans- und Lederjackenträger um den Verstand gebracht hat. Und ‚Comedown Machine‚ macht als letzte Platte der Band für RCA nun eben genau dort konzentriert beim Reißleinen zur eigenen Vergangenheit ziehen weiter, wo ‚Angles‚ sich noch am äußeren Druck und der gesplitteten Entstehungsweise aufreiben musste.

Schon die Vorabveröffentlichung vermaß die Erwartungen an die Band abermals ein klein wenig neu: die Gitarren sind im glücklich springenden Casino-Automaten ‚One Way Trigger‚ sekundär, was zählt ist ein Casablancas, der sich im Prince-Modus mutig in andere Synthie-Sphären fistelt. Das verstört zuallerst und kann langfristig eine gewisse Faszination nicht unterdrücken. Die Herold bleibt dabei weitestgehend einer der markantesten Ausreißer der Platte – im Kontext aber ein durchaus stimmiger Ausflug. Auch, weil ‚Chances‘ in ähnlichen Falsett-Lagen auf Wolken getragen wird. Davor ist bereits ‚Tap Out‘ ein penibel gebautes Konstrukt aus Bässen, vertrackter Rhythmik, zuckenden Licks und einem entrückten Casablancas: nicht zu verkopft, aber kompliziert genug um nicht auf Tour gehen zu wollen müssen, versiert zurückgelehnt und eher rocken könnend denn unbedingt müssend. Zumindest aber jederzeit im Einklang mit dem jetzt auch nicht mehr so neuen „neuen“ Sound der Band.

Der lässt nicht nur in ‚Welcome to Japan‚ eher an ‚It’s Neber Been Like That‚ von Phoenix denn an ‚Is This It‚ denken, sondern auch im schmissigen Hitanriss ‚Slow Animals‚, dem kurzweiligen ‚Happy Ending‚ und vor allem dem nett-nervigen Schrammelrock ‚Partners in Crime‚. Kurzzeitig blitzt gar der Geist alter Tage auf, wenn The Strokes in dem auf Nummer Sicher gehenden ‚All the Time‚ etwas schwerfällig Verbindungen zu ‚The End Has No End‚ knüpfen oder sich Casablancas im dringlichen Kracher ‚80’s Comedown Machine‚ sogar noch weiter zurück in die Vergangenheit nölt. Was dabei allen kompositorischen Auswüchsen der ihre Verwandlung zur technoiden Rockband nahezu abgeschlossen habenden The Strokes 2.0 gemein ist: die Abstimmung zueinander ist wieder gestiegen, der Hörfluss ein durchwegs angenehmer. Scheint draußen die Sonne, glänzt ‚Comedown Machine‚ phasenweise geradezu.

Allerdings hinterlässt das fünfte Album des Quintetts auch den Eindruck, dass sich die Band vor allem in Vergleich zu Früher (sollte man ja nicht, aber The Strokes tragen diesbezüglich eben ihr unablegbares Päckchen) schaumgebremst und allzu sehr auf  den Schick ihres retrofuturistischen Stil achtend eigene Qualitätslatten beinahe kühl und zu kalkuliert unterschreitet. Anders gesagt: die Ausformulierung der Ideen von ‚Angles‚ macht ‚Comedown Machine‚ im Gesamten zu einem stimmigeren, vielleicht sogar besseren Album als den direkten Vorgänger, lässt aber die bisher vertretenen, herausragenden Übersongs zugunsten einer durchgängigen Souveränität außen vor. On Fire ist in den gefälligen 40 Minuten jedenfalls kaum noch ein Moment, viel eher wollen Floskeln über das Älterwerden bedient werden.

Am besten und charmantesten wird ‚Comedown Machine‚ deswegen gerade dann, wenn die Verbindungen zur überdimensionale Schatten werfenden Vergangenheit unkaschiert bedient oder am deutlichsten gekappt werden: als Gegenpol zu ‚50/50‚ bezaubern da vor allem die effektbeladen Ballade ‚80’s Comedown Machine‚, wenn Casablancas über hallend-ätherische Synthienebel taucht und sich Dream-poppige Konturen abzubilden beginnen – oder im anachronistisch aus dem Transistorradio schwebenden ‚Call It Fate Call It Karma‚, wo die Strokes sich älter geben als je zuvor. Dann nämlich lautet die Antwort auf die Frage „Würde man nicht sicher auch motzen, wenn The Strokes sich ewig auf ihrem Loorbeeren ausruhen“ nicht unbedingt: „Nein – weil sie das nunmal am besten können„.
Aber der ganzen nostalgischen Verklärung mal außen vor: auch wenn sie nicht mehr zur ultimativen Speerspitze von dem gehören (wollen), wofür The Strokes immer noch immer als Definition stehen, machen die ruhiger gewordenen New Yorker auf dem Grower ‚Comedown Machine‚ immer noch so einiges richtig. Sollen eben ruhig Jungspunde wie Royal Headache die adäquaten Nachfolger für ‚Is This It‚ liefern und Puristen erfreuen. The Strokes sind einstweilen lieber unberechenbar.

07

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