Tombs – Monarchy of Shadows

von am 10. März 2020 in EP

Tombs – Monarchy of Shadows

Tombs vergessen den Post-Black Metal und Atmospheric Sludge nicht, fokussieren auf Monarchy of Shadows allerdings markant wie nie den Death Metal. Aus einer relativen qualitativen Talsohle holt diese Maßnahme Mike Hill und seine Band jedoch nicht heraus.

Es ist letztendlich schwer zu definieren, woran die latente Enttäuschung tatsächlich verwurzelt liegt, die man seit dem doch noch sehr guten Savage Gold (2014) bei Veröffentlichungen aus dem Hause Tombs längst verspürt.
Sicher liegt diese auch einfach nur daran, dass die Frühphase rund um Winter Hours (2009) und Path of Totality (2011) durchwegs imposant, eventuell geradezu erschlagend gut geraten war, mutmaßlich eben auch nicht zu toppen schien für die Brooklyner. Bedingt dadurch hat der nach neuen Horizonten suchende Mastermind Hill in dieser Konsequenz jeder neuen Platte eine klare(re) Linie zu geben versucht, die jedoch vor allem in einer Reduktion der Ambitionen, dem Einschränken der Bandbreite mündete – und gerade die stilistische Undefinierbarkeit war es ja, der Tombs ihre unberechenbar-eklektische Stellung verdankten.
Nun also hat der Bandkopf sein personell unstetes Schlachtschiff für Monarchy of Shadows abseits der Hochphase assozial, direkt und entschlackt in den von manischer Geschwindigkeit getriebenen Death Metal verlagert, Tremologitarren und tackernde Rhythmen zu kehligen Gebrüll und sonorer Dramatik. Doch ein derart klares Spektrum sorgt abermals für ambivalente Verbindlichkeiten.

Das Titelstück gönnt sich ein düsteres Synth-Intro, ein dystopisch-retrofuturistisches Flimmern a la John Carpenter, unheilschwanger dräuend. Das mag stimmungsvoll in den Kontext der EP leiten, wirkt für den Opener an sich aber eher wie ein vorneweg angepapptes Stück. Galoppiert die Nummer danach doch klassisch polternd mit langen Anlauf zu tackernden Blastbeats und sägenden Gitarren, reminisziert etwa Entombed oder Mayhem. Tiefe Beschwörungsfomeln rezitieren keifende Gesten und treiben das Tempo über verschiedene Geschwindigkeitsstufen zu gemäßigten Extremen, speien Ansätze von Hooks und lassen Melodien zu, rocken dann irgendwann gar breitbeinig zum gniedelnden Thrash-Solo.
Was am Papier nach unberechenbarem Spektakel klingen mag, bleibt allerdings zu belanglos, kaum zwingend, eher bemüht, Tombs bekommen keinen Zugriff auf das Gemetzel, bleiben außen vor.
Freilich: Die Ansprüche sind hoch und keine der Nummern der Platte ist wirklich schwach. Doch das vorhandene Potential bringt keines der Stücke restlos auf den Boden, oft ist schon die zu ausführliche Länge ein Problem.

Once Falls the Guillotine eskaliert energisch mit flirrenden Riffs, der Refrain macht theatralisch und sonor auf, sogar eine orchestrale Opulenz findet sich, bevor der Song gestelzt und garstig groovt. Necro Alchemy schickt die Leads zum Hummelflug, ballert dann kompetent, aber auch austauschbar in der Fahrbahnmitte des Genres zum Grind gaffend – erst wenn Hill den Twist zur Riff-Abrissbirnenringt, die sich immer weiter in die Zeitlupe konzentriert, zeigt der Song aus der Masse aufstrebend Klasse. Man Behind the Sun überzeugt als dramatische Hetze am Black Metal eher durch die Dringlichkeit, mit der Tombs die Nummer attackieren – den Rest kennt man von unzähligen anderen Bands und dem Genre-Handbuch, den schwülstig badenden Abgang nicht zwangsläufig. The Dark Rift lebt dann von seiner starken Riffarbeit, die unterentwickelt-strahlende Synthies geben Haltung – doch eigentlich wollen alle Beteiligten scheinbar orchestralen Symphonic Metal. Nur nicht in letzter Konsequenz.
Ausgerechnet durch den übergreifend schärfer eingestellten Fokus mit dem Leitbild Death Metal fehlt also auch Monarchy of Shadows die Radikalität, die Unkonventionalität, die Faszination alter Tage. Zu bemüht von kontrollierter Stringenz eingeengt ist das anschließende Path of Totality (Midnight Sun) insofern das ideale Spiegelbild dieser Entwicklung. Im Vergleich zum knapp zehn Jahre alten Original spielen Tombs den Titelsong ihres zweiten Studioalbums nun nämlich deutlich stromlinienförmiger an den aktuellen MO angepasst, setzten die Inszenierung nicht mehr in den Konflikt mit einer Substanz, die 2011 noch grobschlächtigere und roher wachsen durfte, wo ganz allgemein offensichtlich wird, dass das Songwriting der Band damals besser, weil eindrucksvoller, erinnerungswürdigen und intensiver war.

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