Twisted Teens – Blame the Clown

von am 19. Februar 2026 in Album

Twisted Teens – Blame the Clown

Die New Orleans LoFi-Rock’n’Roller Twisted Teens fallen auf ihrem Zweitwerk Blame the Clown herrlich ungeniert mit der Tür ins Haus – mit ihrer Attitüde und den Songs, aber auch hinsichtlich all der dabei einhergehenden offenkundigen Referenzen.

Der Plural im Bandnamen ist angesichts der in den Credits kommunizierten Personalien relativ zu betrachten, haben wir es bei Twisted Teens doch mehr oder minder mit einem von The Steel Razor-Kompagnon Razor “The Razor” Ramone begleiteten Solo-Lauf von Caspian Hollywell (Chardonnay, CPNPC, Blackbird Raum – als  C.P.N. “C-Bird” Hollywell für nahezu „everything“ zuständig) zu tun, dem einige Kumpels hier und da unter die Arme greifen: Melrose “Mel” Billiard steuert die Lead guitar für 100 Bill is Gone, Is This Real? und Peekaboo Hand bei, Howe “Howie” Pea spendiert Wild Connection ausnahmsweise organische Drums und Cameron “Cam” Snyder bastelt die Synths und Percussion für Corpse Pose.

Nachdem dies geklärt ist, gilt es natürlich darüber hinaus all die Elefanten im Raum zu adressieren – also die überdeutlichen  Bezugspunkte der Band.
Wobei es gar nicht so einfach ist, all die Assoziationen einzufangen, die sich schon im Smasher/Opener Is It Real? (und da bereits um das Quäntchen deutlicher als schon auf dem selbstbetitelten – und auch um das Quäntchen stärkeren – Debütalbum der Twisted Teens) aufdrängen.
Da joggen Twisted Teens nämlich wie eine zum Country schrammelnde Symbiose aus Parquet Courts und The Men, mit scheppernden Drums, kantiger Elektrizität auf den Saiten und schwelgende Steel Guitar zum heulend-croonenden Gesang. Oder wie (etwa in Wild Connection oder 100 Bill is Gone) eine entspanntere Alternative zu Royal Headache, die sich Viagra Boy-Sebastian Murphy für eine rohe, punkige Garage Rock’n’Rollabilly-Version geborgt haben. Oder einfach wie aus der Anhängerschaft von Jay Reatard zusammengetrommelte Fans der Replacements, die mit viel Drive und Coolness catchy Slacker-Singalongs aus dem Handgelenk schütteln.

Während man sicher noch weitere Einflüsse in der Essenz der Twisted Teens finden kann, ist es erstaunlich, wieviel Charakter der Eklektizismus dabei zeigt, so dass alle etwaigen Referenzen keine auf der Nostalgieebene anvisierten Krücken oder hemmenden Bürden darstellen, sondern locker und nonchalant anvisierte, beflügelnde Berührungspunkte bieten.
In der Performance liegt scheinbar keine Mühe, aber soviel Soul, und der Spaß an der Sache ist schlichtweg ansteckend unterhaltsam, kurzweilig und amüsant.
Mit überschaubarem Tiefgang und soviel charmantem Suchtpotential passieren all die entwaffnenden Ohrwürmer auf Blame the Clown in ihrer insofern beinahe zufällig zu passieren.

Das gilt für den postpunkiger repetierten Minimalismus von I Operate ebenso wie die dem Gun Club sicherlich gefallende Country-Simplizität Peekaboo Hand in ihrem schunkelnden Galopp. Und derweil der schnittige Hit Not Real ebenso straight und flott wie das zackige Circus Clown rockt, bratzt und nickt, holt Who Could It Be? seinen knubbeligen Drumbeat aus der Konserve, gibt White Hot Coal mit Fidel den Folklore-Unruhestifter, bis Corpse Pose das verspulte Outro macht.
Abgesehen von diesem Abspann bringt praktisch jeder Durchgang einen neuen der stets leicht neben der Spur liegenden Song in die Pole-Position bei den Favoriten, schlicht und einfach. Zumal der mitunter fragmentarisch und skizzenhaft eingefangen wirkende Ansatz des Materials als Katalysator wirkt und ideal zum Wesen der (noch Luft nach oben lassenden) Platte passt, macht das aus Blame the Clown ein rundes Ganzes, das sich in seiner Eigenwilligkeit ganz auf sich selbst berufen kann.

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