Uncle Acid and the Deadbeats – Shapes Of Midnight

von am 25. September 2026 in Album

Uncle Acid and the Deadbeats – Shapes Of Midnight

Nach ihrem Ausflug in in die nerdige Giallo-Nische bespielen Uncle Acid and the Deadbeats auf Shapes of Midnight wieder ihr angestammte Hoheitsgebiet – vielleicht sogar so gut, wie seit 2011 nicht.

Dass eine Band ihr Meisterstück abliefert, wenn sie außerhalb des etablierten Kanons ihre Komfortzone verlässt, ist kein Usus. Kevin Starrs und Co. ist gerade dies jedoch mit dem ambitionierten, vor allem auch polarisierenden Nell‘ Ora Blu gelungen.
Dass dieser Exkurs von 2024 nun – abseits der Tatsache, dass er den Fokus der Band auf die Essenz ihres Wesens geschärft zu haben scheint – erstaunlich wenige Spuren im patentierten Uncle Acid & the Deadbeats-Sound hinterlassen hat, wird jedoch nicht nur die Puristen unter der Fanbasis freuen: Shapes of Midnight knüpft praktisch direkt bei Wasteland von 2018 an, positioniert sich jedoch als unverfälschtes Schaulaufen der klassischen Stärken der Engländer gefühlt über allen Werken seit Blood Lust.

Einerseits, weil die Aufnahme der Platte in den Abbey Road Studios dem Onkel nicht nur auf mythischer Ebene entgegenkommt, sondern das analoge Equipment des legendären Ortes auch wie ein verstärkender Katalysator für den Vintage-Vibe der Deadbeats wirkt, betont knackig und präziser viel druckvolle Kraft unter das Geschehen setzt; ihn klarer artikuliert, ohne ihn tatsächlich zu säubern.
Und andererseits setzt das Songwriting von Shapes of Midnight auf eine relativ zugängliche Ausprägung, auch ein direkteres Momentum, weswegen gefühlt mehr herausragende Szenen zünden, als auf Mind Control, The Night Creeper und Wasteland.

Der Heavy Psych von House by the Grave fällt mit entwaffnender Präsenz aus der Zeit, legt die Hebel über ein effektives Riff und die wuchtige Rhythmussektion vorweggehend packend an, derweil sich spätestens der doomig-okkultige Mittelteil so tief wie möglich vor Iommi und Black Sabbath verbeugt – bevor der Opener später soliert und voller Spielwitz freidreht, um komplett gelöst zu fetzen.
Was theoretisch ein typischer Standard sein müsste, zeigt aber soviel mehr Biss und Hunger als Routine, und eine Band, die explizit viel Bock auf Business as Usual hat.

Der Titelsong lehnt sich cool groovend nach vorne und zurück, Starrs besorgt mit seiner eigenwilligen Stimme und dem gesteigerten Gespür für den Pop die zusätzliche Lage Catchiness. Kurz täuscht die Band an, für das Abtauchen in ein psychedelisches Wurmloch auf die Bremse zu steigen – stattdessen drückt die Band aufs NWOB-Gaspedal zum proggig Jam. Dahinter visiert Don’t Let It Control You eiliger und flott den Rock’n’Roll an, man hört beinahe das Stakkato-Geklimper der Stooges unter dem Sog, bis die Nummer in ihrer Direktheit irgendwann lieber auf harmonische Texturen setzt.
When Evil Wakes tänzelt gesetzter in der B-Movie-Grusel-Stimmung und hat etwas verträumtes, folkloristisches. Als wären Midlake eine Proto-Metal Band mit Ghost-Vorliebe und Cream-Erziehung, während Psycho on the Loose einen markanten Spät-70er und 80er-Schimmer im Hard Rock-Gebaren zeigt, als würde die Gang sich in den dubiosen Seitengasse hinter einer Disco herumtreiben.

In seinem astralen Beet ist I Won’t Sleep (‚Til You’re Gone) eine solide Schmissigkeit, die hinten raus eine heisere Garstigkeit dräuen lässt, und ein Ideal zum Noir-Flair passendes Saxofon aus der Mottenkiste holt.
Das bisweilen stoische, zurückhaltendere The Other Side of the Sky besticht vor allem durch die wehmütige Sehnsucht seines Refrains (der stellvertretend suggeriert, dass die Band auch durchaus bereit für die große Stadion-Geste wäre), bevor der betont schleppende Groove von Sleep No More in eine stimmungsvolle Trance abtaucht, der das Kopfkino von Nell‘ Ora Blu nicht fremd sein mag. Tatsächlich positionieren sich Uncle Acid & the Deadbeats hier aber so explizit wie selten als politische Band.

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