Uncle Acid and The Deadbeats – The Night Creeper

von am 12. September 2015 in Album

Uncle Acid and The Deadbeats – The Night Creeper

Er sind gar nicht unbedingt Abnutzungserscheinungen, mit denen der drogenfreundliche Pulp-Doom von Uncle Acid und seinen Deadbeats auf ‚The Night Creeper‚ zu kämpfen hat. Über weiter Strecken macht sich über sehr viel punktgenauer Zuverlässigkeit viel eher das Gefühl einer allzu satten Gewohnheit breit.

Was angesichts der generellen Klasse der Band nicht ausnahmslos negativ zu verstehen ist – denn nicht umsonst hat der rasante Aufstieg die vier aus Cambridge unlängst bis ins Vorprogramm ihrer erklärten Idole Black Sabbath gebracht. Bandkopf Kevin Starrs und seine tighten Erfüllungsgehilfen Vaughn Stokes sowie die Ribunger-Brüder Yotam und Itamar haben ihren (mit latenter 60s-Psychedelic-Abhängigkeit, B-Movie-Horror-Flair und retroschick rockenden Beatles-Vocalmelodien) auf die 70er schielenden Doom längst verinnerlicht und spielen diesen über zwei Drittel der Spielzeit von ‚The Night Creeper‚ mit einer rohen Selbstverständlichkeit zwischen monotoner Lässigkeit und hippiesker Eingängigkeit. Kompakter und theoretisch massentauglicher als zuletzt, dazu um das Quäntchen besser produziert, bis die Nebelschwaden wie von selbst um den in Trance versetzten Genrefan aufsteigen, während Starrs‘ Melodielinien teilweise gar nicht mehr hinaus wollen aus den Gehörgängen.

Dabei muss man aber eben auch festhalten: Es destilliert sich hier im alleine durch die markante Stimme des Bandleaders etablierten Trademarksound trotzdem/gerade deswegen langsam aber sicher doch auch ein festgefahrenes Gefühl des Stillstandes im Hause Uncle Acid. Die immer noch rigoros inmitten von Garage und Stoner-Weite ausgebreiteten Riffs versprühen beizeiten ein mittlerweile auch ermüdenden könnendes Recycling-Flair, das sich zu oft damit begnügt, nur more of the same des typischen Signature-Sounds des stilistisch rekapitulierten Vorgängers ‚Mind Control‚ abzuliefern – zwar gelingt das entlang der gesteigerten Zugänglichkeit wieder punktgenauer als zuletzt, die Energie des sensationellen Zweitwerks ‚Blood Lust‚ wird jedoch abermals nicht zelebriert.
Zu halluzinogen groovenden Stonerrock-Trips wie dem starken Opener ‚Waiting for Blood‚ oder der famosen Bank ‚Melody Lane‚ lässt es sich ungeachtet dessen immer noch prächtig abdriften, aber alleine das archetypische, hinten raus an sich fein anziehende ‚Murder Nights‚ steht symbolisch für eine die erste Plattenhälfte dominierende, beinahe faule Routiniertheit der Platte, deren Songwriting sich nur zu gerne des immer gleichen Kniffs bedient, seine repetitive Gangart auf die letzten Meter stets um ausschmückende Arrangementnuancen (Gitarrensoli, Harmoniegesänge, zusätzliche Percussion) zu ergänzen.

Langsam aber sicher drohen Uncle Acid mit dieser Vorgangsweise gefahr zu laufen, allzu leicht ausrechenbar zu werden und ihren Songs den einst so verhext-getriebenen Biss abzugraben. Zumal ein blaugepauster Song wie das dröge ‚Downtown‚ an sich ohnedies schon nicht sonderlich spannend dahinläuft.
Es sind also vielmehr die für das zurückgenommene Finale aufgehobenen überraschenden Ausflüge wie das entspannt gen Pink Floyd treibende Instrumental ‚Yellow Moon‚, der 10 minütige, relaxte Atmosphäredurchatmer ‚Slow Death‚ oder das angenehme Akustikkleinod ‚Black Motorcade‚, die unnötige Selbsplagiate wie ‚Pusher Man‚ vergessen machen oder die Queens of the Stone Age-in-Ideenlos-Bluesnummer ‚Inside‚ doch potent wirken lassen – und mehr noch: Uncle Acid and the Deadbeats damit einen vielversprechenden Weg aufzeigen, um sich in Zukunft nicht inmitten einer Reihe abliefernder Fanpleaser in der Gemütlichkeit einer langweilenden One Trick Pony-Komfortzone zu verlaufen.

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