Venom Prison – Primeval

von am 8. Oktober 2020 in Compilation, Sonstiges

Venom Prison – Primeval

Venom Prison bringen mit Primeval das Material ihrer beiden 2015er EPs Defy the Tyrant und The Primal Chaos auf einen aktuellen produktions- und performancetechnischen Stand, addieren dazu auch zwei neue Songs.

Eine solches Recycling kann man guten Gewissens bringen, wenn die Entwicklung seit den Anfängen so markant ausgefallen ist, wie bei den Briten – und freilich auch, wenn man die allgemeine Aufmerksamkeit durch den Rückenwind von zwei so tollen Alben wie Animus (2016) und Samsara (2019) in einem konzerfreien Jahr nicht verlieren will, bevor der nächste Karriereschritt getan wird.
Primeval ist insofern deckungsgleich mit der Erwartungshaltung exakt, was der Beipackzettel verspricht: Ein verbessertes Update der beiden (soundmäßig am Demo-Standard ja noch sehr dünn klingenden) EPs, dass das vorhandene Potential mit einer fett zulangenden Produktion so viel deutlicher freisetzt – auch wenn nicht alle damaligen Kinderkrankheiten ausgemerzt wurden.

Life Suffer etwa vereint triumphale Gitarren, nackenbrechende Slo-Mo-Walzengänge und einen sich vor David Lynch verbeugenden Appendix. Mortal Abomination streift sein episches Doom-Gewand ab, um prollig zu streunen und sich letztendlich alsbald selbst zu zersetzen. Defy the Tyrant frönt dem Thrash und Babylon the Whore quiekt am Deathcore als abgestochen rasendes Schwein, Daemon Vulgaris vermengt heroische Gesten und stumpfe Breakdowns, funktioniert gerade als Kontrast mit der bulligen Geschwindigkeits-Hatz Narcotic hervorragend – während nicht nur ein Path of Exile vorführt, dass das Songwriting der Band vor 5 Jahren eben doch auch immer wieder noch unausgegorener, weniger komplett und selbstbewusst war.

Dass inhaltliches Optimierungspotential liegen gelassen wurde, fällt jedoch im Grunde erst durch die beiden finalen Nummern auf, die den aktuellen Status Quo von Venom Prison verdeutlichen: Defiant to the Will of God schrammt manisch an melodischeren, gar psychedelischen Ahnungen Patton‘scher Schule, galoppiert zwischen Sludge- und Black-Facetten, bevor Slayer of Holofernes in seinem Riff-Gemetzel und ausgetrampelten Motiv sowieso genug radikales Chuzpe besitzt, um einen ranzigen Mitsing-Part als Refrain zu etablieren.
Logischerweise eher Stückwerk und Songsammlung als einem kohärenten Spannungsbogen folgendes Album wäre Primeval als offizielles Drittwerk damit in Summe wohl dennoch eine Enttäuschung geworden – als Frischzellenkur von Archivmaterial wird die Platte aber nicht nur für rekrutierte Fanschichten interessant bis essenziell.

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