Wanda – Wanda

von am 17. Oktober 2022 in Album

Wanda – Wanda

Das frustrierende Ciao! sekkierte vor drei Jahre ja mit der vielversprechenden Frage, ob es für Wanda nicht Perspektiven hinter der muffig werdenden Komfortzone geben könnte. Das selbstbetitelte Viertwerk der Wiener sagt nun: eher nicht, aber – weiter! weiter! – das ist durchaus okay so.

Die zuletzt so gespannt gewordenen Abnutzungserscheinungen im Erfolgs-Sound von Wanda werden diesmal nämlich schließlich mit einem relativ simplen Kniff ausgebeult: Auch wenn es schade ist, dass sich zuletzt angedeutete 60s-Tendenzen und „Experimente“ mit dem Klangkasten als Luftschlössern erwiesen, ist das Songwriting weitestgehend einfach wieder besser als 2019. Das überraschungsarme Rezept wird mit Instant-Ohrwurm-Option angetaucht, all die Melodien und Hooks suchen gemütlich, aber bestimmt, nach vorne gehend die flotten Schlager-Hits für das gefällige Stadion, ohne die Suggestion der versifften Bar in der ordentlicher wiederhergestellten Zuverlässigkeit komplett aufgeben zu müssen.
Während dem Gesetz der Serie folgend irgendwie ohnedies klar war, dass erst Album Nummer Sechs wieder schwächeln dürfte und Wanda ein befriedigender Durchgang der Zecheranten werden würde (siehe: Amore und Niente vs. Bussi und Ciao!), fällt so eigentlich nur der Schlußpunkt Eine Gang negativ auf-  als ein um jeden Preis die penetrante Mitgröhl-Hymne sein wollender Gassenhauer, dem verkrampft und gestelzt zumindest ein bisschen Voodoo-Dialekt verdammt gut getan hätte.

Ansonsten macht aber selbst die schwächer werdende Phase im letzten Drittel wenig falsch – wo Pilot angenehm und entspannt zu hören die Baukasten-Suff-Romantik bedient, oder die 08/15-Single Jurassic Park flippig und munter und trotzdem zu abgedroschen die popkulturelle Krücke im Album-Kontext sooverän funktionierend bemüht.
Mit effektiver kaum gemacht seien könnenden Songs wie Rocking in Wien (das mit kribbeligem Bass zwischen EAV und Falco dahinläuft, Fitnesstrends mit den eigenen Idealen ziemlich grandios relativiert und sich dann auch noch selbst zitiert) frisst einem auf Nummer Sicher gehend alleine halb Wien aus der Hand, bevor Eine ganz normale Nacht in Wien sogar noch einen draufsetzt – und dabei mit seinem am Keyboard surfenden Zweckoptimismus auch noch den einen oder anderen Hörer abholen könnte, der seinen Sommer sonst mit dem Vibe von Bilderbuch oder Real Estate verbringt. Ähnlich gelockert wird das bewährte Spektrum übrigens auch noch in Die Sterne von Alterlaa, das einer Easy-Listening Elektro-Acoustic-Fingerübung wohl so nahe kommt, wie das Wanda möglich ist, ohne die weichen zum tatsächlichen Lebenswandel zu stellen.

Es kann immer so, so, so, so weitergehen“ orakelt deswegen auch das funky schraffierte, mit Steilvorlage zur Live-Publikumsinteraktion daherkommende Rot ist die Farbe – und hat damit zumindest für den schnoddrigen Augenblick durchaus recht. Orte an denen wir waren eilt trotzdem entspannt der zukünftigen Nostalgie entgegen, bekommt zudem im Licht des Ablebens von Christian Hummer mit einladenden Synthies und „Uhuuhuuu“-Harmonien eine besonders traurige Note im bittersüßen Wesen. Wir sind verloren imitiert Meine beiden Schwestern mit 80er Ringelspiel (Marke: Muse, aber bescheiden bleibend) und gewinnt gegen das nervende Quasi-Original locker, weil da ein viel besserer, wenngleich ähnlich Zeltfest-tauglicher Refraining vor der Ton Steine Scherben-Verbeugung steht. Immer willst du tanzen ist so lange ein Standard, bis die Nummer dadadadann theatralisch klimpernd tänzelt und wie das existentialistische Schunkeln Kein Bauplan sowas wie WandaGrundbedürfnissbefriedigung auf hohem Niveau ist.
Dass sich dabei keine bedingungslose Euphorie einstellen will, geht schon klar. Weil Wanda seit bald einem Jahrzehnt trotz leichter Schwankungsbreiten so konstant (was sowohl die Frequenz als auch mal besser, mal schwächer die Klasse angeht) abliefern und ihrem Œuvre hiermit selbst im berieselsten Fall wieder einige coole Szenen hinzufügen, die einmal sogar vehement darauf besteht in den Kanon der hauseigenen Klassiker aufgenommen zu werden: Va Bene lässt sich melancholisch treiben stampfend gehen, träumt mit Jimmy Page-Heulen von seinen eigenen Wunderbaren Jahren und richtet den Blick – nach diesen abgeklärten, kurzweiligen 45 Minuten – in seiner nunmehrigen Bestimmtheit nicht von ungefähr ein bisschen weise nach vorne: „Und es muss trotzdem alles weitergehen/ Es muss weitergehen.“ Passt!

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