Living Weapon – Death In The Family

von am 21. August 2026 in Album

Living Weapon – Death In The Family

Das Fleshwater– und Vein.FM-Splitterprojekt Living Weapon destilliert die Vorgabe seiner 2021er EP Paradise auf dem Debütalbum Death in the Family primär auf die pure Funktionalität.

Es ist schon verdammt wirksam, wie Frontmann Jonathan Lhaubouet (Bassist und Backing Vocalist bei Vein.fm) Jeremy Martin (Vein.fm), Anthony DiDio (Fleshwater und…. Vein.fm) sowie Josian Soto-Ramos (Fleshwater und Vatican) ihren Industrial Mathcore mit glitschender Elektronik als Patina jenseits von Kollegen wie Chamber als absolut manische Over The Top-Radikalität anlegen: Das Chaos der technisch brutalen chuggy Heaviness komprimiert 9 Songs in extrem dicht stehenden 22 Minuten mit einer Intensität am praktisch ständigen Anschlag, betoniert alleine mit seiner Mentalität und Attitüde, aber auch seinem massiven Sound und seiner unnachgiebigen Ästhetik problemlos jedes Wohnzimmer zum in Schutt und Asche liegenden Pit.
Würde man Death in the Family also alleine an seiner Effizienz und Zweckmäßigkeit messen – das Erstlingswerk der Band aus Boston wäre im wahrsten Sinne ein durchschlagender Triumph.

Das Songwriting an sich trägt jedoch nur einen geringen Anteil an diesem Umstand: Kompositorisch bleibt streng genommen in diesem zumeist mit dem Kopf durch die Wand müssenden Generikum wenig hängen, selbst wenn Living Weapon die Dynamiken nie abstumpfen lassen.
The First Element verbreitete eine Dillinger’eske Panik im Metalcore, jagt seine heavy Aggression mit Start-Stop-Wildheit durch den digitalisierten fm.-Fleischwolf. Metastasis ballert, knüppelt, heult und wirbelt um seine Breakdowns wie unter Pump stehender Powerviolence, der sich hinten raus eine schleppende Riff-Gemeinheit aufhalst. Dead Like You dreht überspannt auf, weiß gar nicht, in welche Richtungen es eskalieren soll – der Fokus liegt vage dort, wo The Locust sich synthetische Grindcore-Steroide für einen psychotischen Schub reingeknallt haben könnten. Inklusive einer langsam auspendelnden Atmosphäre.
Doch die Nuancen variieren streng genommen nur auf einer relativen Ebene – als würde man Prügel von einem Backstein beziehen. Eben nicht immer frontal und direkt in demonstrativ die Muskeln anspannender Dominanzgeste. So etwas wie die Ahnungen von Melodien werden aber erst danach möglich, derweil Hooks verpönt bleiben.

Der stoische Groove von The Leaving Process bekommt stattdessen einen Punk-Arschtritt zum Noiserock und darf in die Slo-Mo-Beatdown-Walze einsteigen, bevor Parthenogenesis als elektronische Mathrock-Jam-Session am Synth, Bass und Schlagzeug das rein instrumentale Zwischenspiel gibt: Living Weapon wissen um eine gewisse Ausgewogenheit im kurzweiligen (aber nicht komplett fettfreien) Fluss, stellen den Brennpunkt keineswegs zu eng. Was sich auch im Finale der Platte zeigt.
Nachdem das unberechenbare Interspecies Quality Assessment injiziert dem Tempo-Rad Kerosin injiziert und Qui Transtulit Sustinet seinen Gang-Spirit hinausbrüllt, baut In Loving Memory bedrohlich dunkel und zäh einen Post Sludge als stimmungsvolle Startrampe für den Closer When No Light Compared auf – der das letzte Viertel der Platte dann als massiv-fettes Business as usual aber auch zerfahren einfängt. Als wäre die Band selbst von ihrer Härte ausgelaugt. Und ein bisschen ratlos.
Oder als wüsste man, dass Death in The Family trotz seiner bestechenden Qualitäten ein wenig im Schatten von This Is Goodbye… stünde. Und dass Living Death an eine Zeit vor Errorzone erinnern, ohne Vein.fm wirklich ersetzen zu können.

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