Yard Act – The Overload

von am 24. Januar 2022 in Album

Yard Act – The Overload

Yard Act mixen ihren zackig-tanzbaren Post Punk auf The Overload mit eklektizistischen DNA-Versatzstücken der Talking Heads und Sleaford Mods, der frühen Arctic Monkeys und Rakes, Art Brut und Gang of Four, Fontaines D.C. und Parquet Courts.

Als hätten Iceage ihr Debüt nach dem Hype um Squid und Co. zu Beginn des Jahrtausends aufgenommen, um im Fahrwasser solcher Trittbrettfahrer wie Forward Russia, The Others oder Paddingtons aufzuzeigen, erklären die hippen Referenzen schon irgendwie das absolute und allgegenwärtige Wohlwollen, das der Feuilleton dem Debüt der jungen Band aus Leeds entgegenwirft.
Nur können die Songs von elf diesen Wirbel höchstens sehr rechtfertigen: Instrumental bleibt die Band bei den aufgeräumten, sehnig definierten Basics. Sie kann, was sie tut – mit einem Gefühl für Sound, Ästhetik und Groove – im Rahmen auch durchaus variabel: Dead Horse hat den entspannt abgehangen marschierenden Funk, Witness probt den Punk über 80 Sekunden und Land of the Blind dängelt nonchalant. Tall Poppies wandert vom weitläufigen Jam in die Lavalampen-Psychedelik und Pour Another bietet sich ausgelassen orgelnd dem Vorprogramm der Viagra Boys an, bevor das unscheinbare 100% Endurance einen ebenso versöhnlichen wie eindruckslosen Abgang beschert.

Doch bleiben die Kompositionen an sich relativ cool-austauschbare Backdrops für die Präsenz von Frontmann James Smith, der seinen zynisch-humorvoll gemeinten, oft aber auch einfach zu bemüht smarten Sprechgesang sendungsbewusst bis zur enervierenden Übersättigung (wie im minimalistisch bleibenden Vorschlaghammer Rich) ins Rampenlicht drängt.
Was die abschließende Bewertung der Platte hier trotz Welpenschutz (oder: zwischen den Punkten liegend ohne Strenge nach oben korrigiert) beinahe schlechter absinken hätte lassen, als es die 37 kompakten Minuten tatsächlich sind, ist dann aber, dass einige nervige Passsage (wenn der Titelsong etwa bis zu seinem anstrengend mit der latenten Brechstange beschworenen Singalong-Refrain wie eine lässig-dringliche Retro-Verfolgungshatz klingt und auch Payday seine tolle schäbige Atmosphäre mit zu viel Gefälligkeitspenetranz im Chorus belästigt – runder gelingt dieser Spagat schon im schrammelnden Indie von The Incident oder dem leger joggenden Quarantine the Sticks mit weiblichem Gastgesang) das unspektakulär-solide Gesamtbild trüben.
Anhand von The Overload muss man sich um die musikalische Zukunft der Insel also zwar absolut keine Sorgen machen – allerdings auch (noch?) nicht in Begeisterung ausbrechen.

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