Angel Du$t – Pretty Buff

von am 24. März 2019 in Album

Angel Du$t – Pretty Buff

Würden diese 31 Minuten Spiel und Spaß nach dem Euphorietaumel zu Time & Space (2018) sowie der verwandschaftlichen Verortung am personellen Stammbaum von Trapped Under Ice, Mindset oder eben Turnstile nicht derart konsequent als unkonventionelle Hardcore-Platte vermarktet werden, wäre der Buzz um das dritte Angel Du$t-Album wohl weniger groß. Weniger toll wäre Pretty Buff dann allerdings keineswegs.

Im Grunde deuten nur die bisweilen hemmungslosen Pit-Reaktion des Publikums bei Konzerten und die scheuklappenbefreite Attitüde von Angel Du$t selbst auf die geistigen Wurzeln der Band um Justice Tripp sowie Daniel Fang hin.
Stilistisch findet diese so verdammt kurzweilige, ausgelassen-unbekümmerte Party nämlich im dynamisch variierten Spannungsfeld aus lockeren Acoustik-Punkrockern und federleichtem Alternative Rock mit Powerpop-Flair statt. Also irgendwo bei Green Day zur Warning-Ära, zwischen den Lehren der Lemonheads oder Violent Femmes und nonchalanten Nachsätzen zur Lagerfeuer-Phase von The Men, aus der Perspektive netter Thermals ohne Noise-Kante, aber verspielterem Instrumentarium, wenn man so will.

Der beschwingte Soundtrack aus Baltimore also für sonnige Tage oder solche, an denen man vorgeben will, durch Kalifornien zu cruisen, man aber überall Spaß haben darf und das Momentum ohne Ballast entlang sympathischer und stets enorm eingängiger Melodien genießt, sich von der positiven Energie von Pretty Buff auf leicht euphorisierenden Händen tragen lässt. All die Ohrwürmer gehen dabei schließlich runter wie Öl.
No Fair gibt mit seinem unbekümmerten Geschrammel auf der Akustischen leicht melancholisch die Aufbruchstimmung motiviert vor, spätestens wenn die lockere Perkussions samt Bongos den Song unterschippert und eine lockere E-Gitarre dazu begleitend plätschert. Es gibt schon in Big Ass Love schwerelos polternden Punkrock, flott und schmissig, aufgeweckt bis zum geht nicht mehr, wo On My Way diese Gangart mit schwelgendem Twist hinten raus umsetzt und auch Songs wie Biggest Girl, Push, Where I Am oder der abschließende Hit Five sich für Plätze auf sommerlichen Playlisten reklamieren.

Selbst egal-gefällige Stücke wie Let Me Know rauschen angenehm durch, liebenswert, aber eben nicht wirklich essentiell, kennen keine Längen, wenn es dafür Akzente wie die niemals sentimentale Nostalgie von Park gibt. Oder noch eklatanter den versöhnlich schunkelnden „Dududu“-Pop von Light Blue, oder Bang My Drum, das als freundliche Nummer mit Sitcom-Texten entwaffnet, wie Weezer das so gerade nicht hinbekommen wollen – und plötzlich tänzelt ein Police Academy-Saxofon für die Strandbar durch das Geschen. Später wird man ihm im optimistischen Take Away the Pain wieder begegnen und die Füße kaum stillhalten können.
Das ist dann für sich genommen vielleicht alles eine Spur zu beiläufig und auch ein bisschen zu egal, um wirklich anhaltende Tiefenwirkung zu zeigen, in Summe auch zu schnell übersättigend um eine flächendeckende Sucht zu erzeugen. Auch, weil die Platte nach dem überragenden ersten Drittel eher einzelne Highlights im homogenen Ganzen abwirft. Als unbeschwerte Hintergrundbeschallung erzeugt Pretty Buff aber einen sehr netten, zwanglosen Unterhaltsungswert. Und eben auch ein bisschen das Bedürfnis nach dem freundlichsten, buntesten Moshpit der Welt. Egal was die Promos also sagen: Hiermit hat sich die Band mehr als alles andere von allen Zwängen und Korsetten freigeschwommen.

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