Die Alben des Jahres 2018: 20 bis 11

von am 4. Januar 2019 in Jahrescharts 2018

Die Alben des Jahres 2018: 20 bis 11

218 Songs | HM | Kurzformate  | 50 – 41 | 40 – 31 | 30 – 21 | 20 – 11 | 10 – 01  |

Sectioned - Annihilated20. Sectioned – Annihilated

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…den Mathcore der technisch virtuosen Randalierer mit mehr fauchender Schärfe, klinischer Präzision und mathematischer Manie aus.
Ob nun Unloved oder Annihilated: Ein Werk dem anderen vorzuziehen, kommt dennoch beinahe einem Münzwurf gleich, kann auf die Tagesverfassung ankommen und hängt sich für diese Reihung letztendlich an Kleinigkeiten auf. Frontierer hatten 2018 im direkten Vergleich vielleicht die noch großartigeren Einzelsongs, gebündelt in einer schier unmenschlich-hirnwütigen Eingangsphase der Extraklasse – doch Sectioned boten umter dem Strich doch das schlüssigere Gesamtwerk, das seine überragendsten Highlights nicht in der ersten Hälfte vorführt, um dann über eine etwas zu lange Spielzeit für das letzte Drittel in einen relativen Leerlauf zu schalten, sondern kann sein unbarmherzig gemeines Niveau über die volle Distanz von 43 extrem hungrigen Minuten stets halten.
Annihilated brettert in dieser Veranlagung also beinahe eine Viertelstunde schneller ins Ziel als Unloved und ist damit auch deswegen um den Funken dynamischer, prägnanter und ausgewogener, weil Ped Valianis Outlier Sound-Produktion das Chaos hier weniger über die Stränge schlagend ausholen lässt. Doch genug der Haarspalterei: Mehr als alles andere sind die beiden Platten schließlich vor allem Dokument zweier nicht eineiiger Zwillings-Ausnahmebands, die – mal mit ihrem nominellen Debüt, mal mit dem bestätigenden Zweitwerk nach dem Hype – wie die ideale Schocktherapie in gegenseitigem Austausch bestens koexistieren.

Turnstile - Time & Space19. Turnstile – Time & Space

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The Shape of Punk to Come, mal wieder also. Wo der selige NME die obligatorische Headline schnell gezückt hatte und sicher nicht gänzlich falsch prognostizierte, ist im Grunde genau das Gegenteil der Fall: Time & Space speist sich ohne Tunnelblick alleine aus die Vergangenheit. Turnstile bedienen sich für ihr kaladoskopartiges zweites Studioalbum schließlich absolut hemmungslos bei unzähligen Vorbilder des Hardcore, dividieren Refused, Bad Brains oder Snapcase allerdings nicht notgedrungen auseinander und haben so ohne visionäre Ergänzungen ein vor Referenzen überquellendes Tollhaus geschaffen, dessen Drehkreuz am Eingangsbereich wild rotiert und die Jungspunde aus Baltimore wie übermütige Rabauken im Süßwarenladen agieren lässt. Marke: „Every time I slow down/ Fear comes moving in again/ Knocking on my door/ Looking for a way to keep me on the floor/ …/ Running since the day I lost control/ Never gonna find me anymore„.
Also geben Turnstile Gas ohne Ende, bedienen den Pit ebenso schweißtreibend wie sie das Pop-Herz mit unfassbar infektiösen Hooks höher schlagen lassen, knallen einen Hit nach dem anderen hinaus, lenken massive Breakdowns in Karambolagen mit schunkelnden Fahrstuhl-Interludes und versöhnen dann wieder mit souligen Facetten. Irgendwo hat man das dann auch alles tatsächlich schon mal gehört, klar – hier wird dezitiert nichts neu erfunden. Aber Turnstile nutzen das Momentum so entwaffnend zwingend wie kaum eine andere Hardcorepunkband 2018, leben vom offenbar unerschöpflichen Songwriter-Händchen des in drölfzig Kombos aktiven Brendan Yates und einer so frischen, dringlichen Energie, das selbst die letzten Minuten der Platte keine Abnutzungserscheinungen zeigen. Wo andere über die Nostalgie-Ebene kämen, tun Turnstile einfach so, als wären sie mitten drinnen in den Heydays der Klassiker – und gewinnen damit auf ganzer Linie, definitiv zukunftstauglich. Verdammt, was macht diese Platte Spaß!

Noname – Room 2518. Noname – Room 25

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Kein Noname, den man so leicht vergessen sollte – auch wenn Fatimah Warner sich alle Mühe gibt, abseits ihrer Musik in der digitalen Welt rar zu bleiben, kaum Interviews gibt und ihre Aktivitäten in sozialen Medien sowieso auf ein Minimum reduziert. Mit ihrem ersten Studioalbum Room 25 hat die 26 Jährige jedweden anonymisierenden Ambitionen freilich einen Bärendienst erwiesen: Im schmeichelweich entspannt und geschmeidig inszenierten Ambiente einer versierten Lounge serviert Noname mit unaufgeregt-sinnierenden Flow verdammt smarte, selbstbewusste und philosophische Rezitationen, streift zwischen Jazz Rap und Conscious Hip Hop, schweift mit märchenhaften Streichern wie in Window oder den meditativ groovenden Melodien des zarten Klassikers Don’t Forget About Me sowie dem betörenden Montego Bae in betörende Neo-Soul-Gefilde. Wie nebensächlich und doch präzise kann formvollendete Klasse eigentlich einnehmen?
Trotzdem muss Room 25 zu preisen auch automatisch bedeuten, der fantastisch organischen, so intim nahbaren Produktion (von Noname selbst) sowie vor allem der grandiosen instrumentalen Seite der Platte Rosen zu streuen. Phoelix (an Keyboard und Bass) arbeitet ebenso subtil und smooth, wie Brian Sanbor an der nuancierten Gitarre, während das vertrackt frickelnde Schlagzeugspiel von Luke Titus ohnedies der gar nicht so heimliche Held der Platte ist und bis auf den Auftritt von Saba (der ja unlängst mit seinem Zweitwerk Care for Me ebenso begeistern konnte) auch die gekonnte Akzente setzende Gästeliste übertrumpft. Ein Debüt mit mehr Gefühl im kleinen Finger, als andere in ihrem ganzen Arm spazieren tragen.
Dass Noname ihrem Kumpel Chance the Rapper folgend zudem auch weiterhin eine autarke DIY-Schiene fährt, bedeutet zwar, dass physische Veröffentlichungen des Albums wohl Wunschdenken bleiben wird, aber eben auch, dass Room 25 wie schon das Vorgänger-Mixtape Telefone ungeachtet der jeweiligen Finanzkraft keinen potentiellen Hörer vergisst.

Inkasso Moskau - Die Sünde17. Inkasso Moskau – Die Sünde

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Es gehört viel mehr auf Deutsch gesludged. Das basslose Trio Inkasso Moskau aus Osnabrück legt Anfang des Jahres mit Die Sünde seinen anderthalbtes Album vor, und irgendwie hat uns die in unseren Breitengraden recht einzigartig geile Mixtur aus Doom, Grind und Hardcore so weggefönt, dass wir ganz auf die Rezension vergessen haben. Entschuldigung dafür! Genug Zeit allerdings, um zu überlegen, ob denn nun wirklich jemand so klingt wie Inkasso Moskau, und obwohl einem da so selbstverständliche Fixposten wie Misery Signals, Killing the Dream oder Mantar einfallen, nein, so wirklich haut nichts davon hin.
Zunächst versteht man natürlich mal, was einem da entgegengebrüllt wird. In einer sehr konkreten Sprache kotzt sich Torben Breiwe über alles aus, was die Wohlstandsgesellschaft so an Themen hergibt, und irgendwie fühlt man sich dunkel an Alpinist erinnert, als Metalcore auch mal etwas fassbarer wurde. Musikalisch fährt Die Sünde – genauso wie auch schon die tolle Motorsäge zuvor schon – aber diverse andere Schienen. Mit einem Groove, den man anscheinend von Eyehategod mit plattentellergroßen Löffeln gefüttert bekommen hat, rappeln sich die Inkassos ab Tafelsilber schon ihre eigene Schneise durch alle Post-Spielarten im Metal-Karton und eine phänomenal satte Produktion, von der man 2018 tatsächlich behaupten kann, dass sie ganz oben mitspielt. Das famose Duo aus Beach Club und Fluch der Akribik spielt mit progressiven Heavy-Elementen, wunderbar rhythmisch-dissonant haut Wir haben es nicht anders verdient am Ende passend den Deckel drauf. Den (relativ) unwiderstehlichen Sog an Negativität, in dem man sich im Laufe von Die Sünde verfängt, spürt man sonst vielleicht eher bei tosenden Profi-Asis wie Nails oder Friendship. Unbedingte Empfehlung an alle, die es hart, schmutzig und drückend mögen.

Emma Ruth Rundle – On Dark Horses16. Emma Ruth Rundle – On Dark Horses

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Paradox, wenn man das Wesen der Frau aus Kentucky bedenkt, aber: Die immer schon auf eine breite Basis bauen könnende Emma Ruth Rundle ist mittlerweile zu einer wahren Allzweckwaffe geworden. Einem Ass aus der Hinterhand, das ungeachtet stilistischer Vorgaben von Thrice (Palms) ebenso dankbar gezogen wurde, wie von Dylan Carlson (Conqistador). Das Jaye Jayle-Zweitwerk No Trail and Other Paths von ihrem Lebenspartner Evan Patterson geht dann ohnedies als heimliches Kooperationswerk durch – als dessen offener aus der Dunkelheit wachsende Fortsetzung (und vielleicht sogar versöhnliche Auflösung) On Dark Horses verstanden werden darf.
Rundle zelebriert ein eindringliches, dunkles Outlaw-Manifest aus anderen Zeiten, vor allem aber jedoch auch eine Wende hin zu positiveren Perspektiven in ihrem Schaffen, sogar die Entdeckung des Prinzip Hoffnung. Womit  die Individualistin gewissermaßen erst umzugehen lernen muss, wie sie sagt: „Nun, ich würde sagen, dass ganz egal, wie glücklich ich bin, die Gitarre immer mein einziger Freund ist, da ich eine ziemliche Einsiedlerin bin. Was die Frage angeht, ob düstere Musik leichter zu schreiben ist – ich glaube schon, dass es eine ziemliche Herausforderung für mich sein wird, Musik zu machen, die dem Hörer emotional nahegeht, aber auf die pessimistische Attitüde verzichtet. Wenn du Lieder schreibst, die am Ende keine wie auch immer geartete Katharsis haben, die dich auf positive Weise berührt, kann das für dich als Performerin schnell zu einer inkrementellen Erfahrung werden.

Vein - Errorzone15. Vein – Errorzone

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Artikel zu Bostons heißestem Hardcore-Scheiß des Jahres mutieren nicht selten aus den Stand heraus zu munteren Namedropping-Karussellen, weil das Quartett die Grenzen ihres Genres auf Konfrontationskurs mit Etiketten schickt, die bis in den Nu Metal zu reichen scheinen. „We didn’t listen to nu metal bands and say “Let’s try and sound like this.” We tend to not do that when we write music in generalfasst Sänger Anthony DiDio die Entwicklung der Band zusammen, versteht auch die Reaktionen darauf: „I kind of just don’t really pay attention to it. That’s just somebody’s way of understanding something by comparing it to something else. It’s whatever to me. I’m not psyched about it, but I’m not mad about it either. It’s neither a good or a bad thing.
Zwei Dinge sollte man dabei jedoch nicht übersehen. Erstens, dass Errorzone, das seit knapp fünf Jahren sukzessive vorbereitete Debütalbum der Band aus der (um ihren damaligen unrühmlichen Sänger entledigten) Konkursmasse von East Beast, zwar zutiefst eklektisch seine zahlreichen Einflüsse stolz vor sich her trägt („It kinda happened on its own, naturally, I guess. Just incorporating all our influence and our ideas into a real thing, like a real project.“) dabei aber nie zur Zitateschleuder wird, sondern über erstklassiges Songwriting ein brutal unterhaltsamer Derwisch der Extraklasse geworden ist.
Und zweitens, dass es für nachkommende Generationen sicher nicht die schlechteste Geschichtsstunde ist, wenn DiDio Berichte über Vein auch immer wieder selbst nützt, um mit seiner Liebe zu ein bisschen in Vergessenheit geratenen (Screamo)Kulturgütern wie Jeromes Dream zu infizieren (die 2019 passenderweise ihr Comeback mit Kurt Ballou und Jack Shirley aufnehmen werden).

The Breeders - All Nerve14. The Breeders – All Nerve

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Man soll Feste ja feiern, wie sie fallen. Und wenn jemand weiß, wie man es auf Parties ordentlich krachen lässt, dann sind das offenbar die Deal-Schwestern. Schließlich trommeln Kim und Kelley 2013 mit den Rückkehrern Josephine Wiggs und Jim Macpherson nicht nur das klassische Line-Up der Breeders zusammen, sondern schauen fünf Jahre später pünktlich zum Vierteljahrhundert-Jubiläum ihres Instant Klassikers Last Splash erst kongenial bei ihren alten Kumpels von Protomartyr (Consolation) und der mittlerweile allgegenwärtigen, letztlich auch auf All Nerve zu findenden, Courtney Barnett (Tell Me How You Really Feel) vorbei, bevor sie als fünftes Studiolbum der Alternative Rock-Ikone kurzerhand mit unendlich viel Understatement ein neues Schmuckstück einspielen.
All Nerve schüttelt seine ungemütlichen Hits und schrägen Ohrwürmer, seine gegen den Strich gebürsteten straighten Singles lauernden Schönheiten so frisch, unangestrengt und selbstverständlich aus dem Handgelenk, das man gar nicht von einer Comeback-Platte sprechen will: Diese 34 Minuten fühlen sich so vertraut an, als wäre man immer schon in die Platte verschossen gewesen, während nicht nur der zum ambienten Slowcore funkelnde Minimalismus von Dawn: Making an Effort einen unmittelbaren Platz in der Riege der unsterblichen Breeders-Lieblingssongs ever reklamiert.
Unnötiger Seitenhieb hin oder her, doch Frank Black und Co. hätte All Nerves nicht nur nach Head Carrier einen solchen Arschtritt mit Schmackes, dass sich die Deals praktisch bereits jetzt für die Partystimmung im Jahr 2043 rüßten können, weil „Tough kids love sad songs/ They sing along„.

Arctic Monkeys - Tranquility Base Hotel + Casino13. Arctic Monkeys – Tranquility Base Hotel + Casino

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Als die Arctic Monkeys ankündigten, dass ihr neuestes Album Tranquillity Base Hotel & Casino von keinen Pre-Release-Singles begleitet werden würde, konnte noch kein sich am Kopf kratzender Fan des rasanten 2013er-Millionensellers AM ahnen, um was für eine kalkuliert sinnvolle Entscheidung es sich dabei handelt: Das sechste Album der Band – die noch nie wirklich vor stilistischen Weiterentwicklung zurückgeschreckt ist – ist zweifellos ihre seltsamste und verführerischste Platte. Keiner dieser elf bekifft im Raum schwebenden Songs klingt auch nur ansatzweise wie eine richtige Single. Schrammelnde Gitarren (früher ein Grundnahrungsmittel der Arctic Monkeys) rücken hinter perlende Keyboards und schwerelose Atmosphäre, und Schlagzeuger Matt Helders – einer der akkuratesten Zeitmesser der modernen Rockwelt – verdutzt mit schlurfenden Grooves anstelle bekannter Rhythmuseskapaden.
Alex Turner und Co. mögen in der Vergangenheit mit der Psychedelik geflirtet haben, aber sie haben noch nie so trippig geklungen. Und das mag zugegebenermaßen trotz aller Vorbereitung für einen schwierigen ersten Hördurchgang sorgen: Ja, das geht so weiter wie in Star Treatment, diesem unverschämten Lounge-Schunkler mit seinem funkelnden Refrain und Falsetto-Backing-Chor. Der Mitt-Dreißiger Alex Turner singt, dass er eigentlich gerne zu den Strokes gehören würde und wie sehr er es doch in den 70ern übertrieben hat. Was für ein herrlich smoother Blödsinn, den Turner hier – ja, sehr wahrscheinlich zum Selbstzweck – inszeniert. Die Fuzz-Gitarren auf Gold Trunks und das rockistische Einzählen vor She Looks Like Fun wirken da fast wie zynische Überreste einer Zeit, in der fleischfressende Riffs mit Westcoast-Hip-Hop Körperflüssigkeiten ausgetauscht haben. Es sind nicht die Arctic Monkeys, die man erwartet, und so ganz ist noch nicht klar, ob Alex Turner nicht einfach ein unglaublich talentierter Scharlatan mit kompetentem Gefolge und Identitätskrise ist, gibt man ihm aber etwas Zeit, offenbart sich Tranquility Base Hotel + Casino als das vielleicht beste Album, dass die Band 2018 hätte veröffentlichen können.

Paul Weller - True Meanings12. Paul Weller – True Meanings

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Die altgediente Legendenriege hat vergangenes Jahr durchaus abgeliefert, keine Frage. Am höchsten hat sich noch weit vor den ebenfalls herausragenden Elvis Costello (Look Now) und Marianne Faithfull (Negative Capability) trotzdem der derzeit seinen zweiten Frühling erlebende Modfather Paul Weller platziert – und das ausgerechnet mit dem gefühlten Eintritt in sein Spätwerk, kurz nach seinem 60. Geburtstag.
Bei einer derart klassischen, durch und durch zeitlos wirkenden Platte eigentlich auch kein Wunder. True Meanings ist eine ruhige, minimalistisch mit romantisch-einfühlsamen Orchestral-Parts flirtende Singer-Songwriter/Folk-Mediation Richtung Wild Wood: melancholisch, nostalgisch und trotz einer gemütlichen Gefälligkeit so frisch und leichtgängig, wie man sich das selbst nach dem fantastischen, deutlich variabler aufgestellten Vorgänger A Kind Revolution von 2017 kaum erträumen hätte können. Eine gewisse Unvorhersehbarkeit gehört da nämlich durchaus zum Konzept: „Ich will mein Publikum viel lieber jedes Mal überraschen – und mich selbst auch. Das Ganze muss für mich interessant bleiben, jedoch eben auch für meine Fans.“ Weswegen das mit dem Alterswerk freilich ganz grundlegend so eine Sache ist, wahrscheinlich nur eine intuitive Momentaufnahme des niemals langweilenden Ruhelosen. Durchaus möglich, dass Weller demnächst noch die Energie von The Jam zu übersteuern versuchen könnte.

Pig Destroyer - Head Cage11. Pig Destroyer – Head Cage

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Die gute Nachricht: Im Nachhinein betrachtet war Book Burner (2012) wohl doch etwas wild für die auch nicht jünger werdenden Jungs von Pig Destroyer, jegliche Nackenkrämpfe werden von nun an also einen Gang zurückgeschalten ausgelöst.
Die schlechte Nachricht: Head Cage groovt, verdammt noch mal. Übrigens nur eine schlechte Nachricht, wenn man sich schon darauf gefreut hat, dass PxDx Explosions in Ward 6 neu aufnehmen.
Nach dem gewohnten Soundbite-Einstieg zum Aufwämen – es ist hat immer noch Pig Destroyer – veranschaulicht Head Cage schon von Anfang an hervorragend die Groove-/Blast-Dichotomie mit der die Grind-Götter aus Virginia auf Album Nummer 6 zu Werke gehen. Head Cage klingt deutlich heavier, fülliger und muskulöser als seine Vorgänger, weniger rasend als wuchtig, lässt J.R. Hayes zudem endgültig auf reißerisch verzerrte Effekte über seinem attackierenden Gebrüll verzichten und reduziert mit gedrosselten Tempo die Blastbeats zu Gunsten eines groovenderen Rhythmus eklatant. Das krasse Circle River knattert ansatzlos durch die smoothesten Darbietungen von Nasum bis Napalm Death, und hämmert den Hardcore-Einfluss der Band besser ins Gedächtnis, als die komplette EP an Punk-Coverversionen, die als Bonus zu Book Burner veröffentlicht wurde. Im verkohlten Herzen sind Pig Destroyer natürlich immer noch das gleiche verheerende Kollektiv wie immer (auch wenn ihr Sound dank gewonnenem Tieftöner nun vielleicht gelegentlich droht, in die Austauschbarkeit zu rutschen). Head Cage macht wieder einmal ihr Talent offensichtlich, ihre Aggression auf einzigartige, kohärente Weise zu verpacken – trotz vergangener 6 Jahre seit Book Burner mit einer suggerierten Mühelosigkeit, die andere Brüllwürfel gesamte Diskographien überdenken lässt. Pig Destroyer sind die Propheten des Grindcore, die ihr Gefolge Album für Album aus dieser schmerzhaften Welt der Widersprüche, Verluste und humanitären Krisen in das immer schwieriger fassbare gelobte Land führt. Dort macht einfach alles mehr Spaß, auch, wenn es nur das Land des Grind ’n‘ Rolls ist.

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