Animal Collective – Painting With

von am 2. März 2016 in Album

Animal Collective – Painting With

Animal Collective sind auf ihrem zehnten Studioalbum mal wieder als Trio unterwegs und entschlacken bei dieser Gelegenheit auch gleich ihren ansonsten aus allen Kanonen schießenden Experimental-Pop. Ohne das gewohnt synapsensprengende Soundspektakel rund um ihr hibbeliges Songwriting aufzufahren hat die Band aus Baltimore dann zwar selten mehr unmittelbare Ohrwürmer hofiert, verliert sich auf ‚Painting With‚ jedoch auch in einer ernüchternd reizlosen Eindimensionalität.

Während sich der abermals abwesende Deakin auf sein unmittelbar bevorstehen sollendes Solodebüt vorbereitet, nutzen Avey Tare (David Portner), Panda Bear (Noah Lennox) und Geologist (Brian Weitz) die gemeinsame Spielwiese Animal Collective auf ‚Paintting With‚ dafür, um sich vom Ballast jüngerer, verhalten aufgenommener Alleingänge wie ‚Enter the Slasher House‚ oder ‚Panda Bear Meets the Grim Reaper‚ freizuspielen: „Wenn wir zusammen Musik machen, geht es immer um die Energie dabei. Ruhig sein können wir alleine. Zusammen feiern wir.
Genau diese Form der Direktheit transportiert ‚Painting With‚ nun: Die ineinander verzahnt geloopten Gesangsspuren von Avey Tare und Panda Bear sind weit in den Vordergrund gemischt und müssen sich nur mit der präsent treibenden Rhythmusarbeit um das Rampenlicht streiten, all die verquer jonglierenden Synthie-Explosionen treten dafür zurück, die Melodien tanzen darüber ohne Vorlaufzeit in die Gehörgänge.

Schon das angenehm unkompliziert an der Aufdringlichkeit kratzende shuffelnde ‚FloriDada‚ steht in seiner entwaffnenden Direktheit, mit simplen  Refrain und netter Meta-Bridge als infektiöseste all der hier aufgefahrenen potentiellen Singles insofern stellvertretend für die Platte. Griffige Repetition kommt vor schillernder Verspultheit, die Elektro-Hyperaktivität wirkt an zahlreichen Fronten zurückgefahren oder zumindest bis zur Skelletierung fokussiert agierend, was ‚With Painting‚ in weiterer Folge an der Grenze zur nervigen Penetranz auch immer wieder das Flair einer dünn ausstaffierten, nicht restlos fertiggestellten Demosession geben kann.
Sicher: Songs wie etwa das in famoser Schieflage taumelnde ‚Bagels in Kiev‚ oder das stacksende ‚Summing the Wretch‚ gehören damit ohne Umstände zum eingängigsten, was die Band seit dem unterbewerteten ‚Strawberry Jam‚ produziert hat. Aber selbst nette Ideen wie der (wahrscheinlich eher nicht) aus dem Linkin ParkFundus entlehnte Beat von ‚Vertikal‚ oder die eigenwillige Schmissigkeit des von jazzigen Bläsern flankierten ‚Lying in the Grass‚ können verhindern, dass ‚Painting With‚ in dieser weniger dick auftragenden Gangart relativ schnell als kurzweilig unterhaltender, aber auch ermüdender AC-Party-Soundtrack auf ausgelassenem Autopilot anmutet, der ohne das spektakulär arrangierte Klang-Feuerwerk und das beschworene systematische Chaos der bisherigen Animal Collective-Alben seltsam flach, irritierend bis unerfüllend simpel gestrickt und letztendlich kaum fesselnd zündet. Als wäre aus dem neongrellen Wahnsinn eine ausgewaschene Easy Listening-Sammlung mit strammer Zugänglichkeit geworden, auf der es zwar Bespaßung en masse, aber nur wenig zu erforschen gibt.

The Burglars‚ kann so zwar mit einem durchaus catchy auftrumpfenden Chorus aufwarten, wirkt aber gleichzeitig, als hätte der Song zu viele Narkoleptika konsumiert. ‚Natural Selection‚ hämmert danach stur vor sich her, die lose baumelnden Effekte um den wenig inspirierten Stampfer wirken aber bloß wie wahllos aufgefahrenes Beiwerk und unterstreichen damit ein Grundproblem der Platte. Der angetrebte Unterhaltungswert funktioniert nur bedingt. Weil er auf Kosten der Tiefe geht, die Animal Collective unter ihrem zelebrierten Genialitätswahnsinn ansonsten erschaffen und auch, weil ‚Painting With‚ über zu weite Strecken wie ein ausgemergeltes Schaulaufen auf einem Nährboden wirkt, den die Band über die Jahre eben schon deutlich spannender, aufregender und auch fordernder bewirtschaftet hat.
Dass das Trio es erstaunlich gefällig in die Wege leitet, ohne gravierende Umwege oder Herausforderungen zu den jeweiligen Songkernen vordringen zu können, ist dabei aber nicht der größte Schwachpunkt einer dynamisch nicht besonders breit aufgestellten Platte – viel eher ist es seine gleichgeschaltene Eindimensionalität hinsichtlich Leidenschaft und Empfindlichkeit.

Man vergleiche beispielsweise nur ein ‚For Reverend Green‚ mit der niemals ausbrechenden Egalität, mit der ‚Painting With‚ regelrecht eindruckslos hinter- und entlässt.
Ein Song braucht auch Emotionen, um nicht nur ein haufen lustiger Ideen zu sein“ erklärt Panda Bear nun zwar – übersieht dabei aber, dass ‚Painting With‚ genau in dieser Hinsicht scheitert. Die kaum zu bremsende Dringlichkeit, das unbedingt pulsierende Herzblut, die übermannende Energie – dies alles fehlt den gerade hinten raus bestenfalls dienstbefließen und überraschungsarm abliefernden 43 Minuten Spielzeit.
Painting With‚ mutet so gleichzeitig hintergrundlos erfrischend wie enervierend auf Nummer Sicher gehend an, ist eine paradoxe Platte, die über die volle Distanz eine angenehm zu konsumierende Schlichtheit im Kosmos der Band findet und richtigen Moment herrlich unumständlichen Spaß machen kann (und damit wie jedes Album der Band das Potential zum polarisierenden Fanliebling hat) – es abseits davon aber sowohl sich selbst wie auch dem Hörer  nicht ohne oberflächlich bleibende Langeweile (ausgerechnet!) schlichtweg zu einfach macht. Abseits des feiernden Momentums stellt ‚Painting With‚ damit eine enttäuschend geringe Halbwertszeit und Nachwirkung in Aussicht.

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