Kurzkritiken

von am 4. Mai 2014 in Kurzreviews

Kurzkritiken

3×3 Reviews im Kompaktformat: Avey Tare’s Slasher Flicks – ‚Enter The Slasher House‚ | Neneh Cherry – ‚Blank Project‚ | Brody Dalle – ‚Diploid Love‚ | Drowners – ‚Drowners‚ | Eels – ‚The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett‚ | Floor – ‚Oblation‚ | Nasheim – ‚Solens Vemod‚ | Off! – ‚Wasted Years‚ | Wye Oak – ‚Shriek‚ | 

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Avey Tare's Slasher Flicks - Enter The Slasher House  Avey Tare’s Slasher Flicks – ‚Enter The Slasher House

Mit keiner Platte abseits des Animal Collectives ist David Portner den durch seine Stammband rekrutierten Hörern so sehr entgegengekommen wie nun mit ‚Enter the Slasher House‚. Stimmlich sind da die Assoziationsbrücken ohnedies schnell geschlagen, doch diesmal verzichtet Avey Tare auch auf hirnwütige Ideen wie rückwärtsabgespulte Songs oder unergründliche Ambientuntiefen und kehrt ein regelrecht stringentes – oder: nicht immer manisch überladenes, aber immer noch hyperaktives – Songwriting an den Tag, baut sich drumherum einen kunterbunten Rummelplatz, den er mit verspieltem Übermut beackert: mit der ‚Centipede Hz‚-Anknüpfung ‚A Sender‚ führt er eingangs ein wenig auf die falsche Fährte, in ‚Little Fang‚ bringt er sich selbst die Discotanzfläche nahe, für ‚Catchy (Was Contagious)‚ lässt er Pop in Psychedelik versumpfen und ‚Roses On The Window‚ mutet ohnedies wie ein vollkommen zerschossener Remix von ‚Re-Hash‚ an. ‚Duplex Trip‚ geht dann im Schwindel gar als etwas ähnliches wie ein Hit durch. Wer immer schon wissen wollte wie ‚Strawberry Jam‚ ohne das Tierkollektiv klingen hätte können wird hier wohl Ansätze der Antwort finden.
Wobei: ganz ohne Kompagnons geht es für Portner auch diesmal nicht. Ex-Dirty Projectors Stimme Angel Deradoorian konterkariert mit funky Bass und Gesang, heimlicher Held der Platte ist aber der ehemalige Ponytail Drummer Jeremy Hyman, der aus ‚Blind Babe‚ eine verschwitzte Hetz macht oder ‚The Outlaw‚ Richtung The Mars Volta Exzess antreibt. Was sich Portner allerdings gefallen lassen muss sind die Vorwürfe, dass die Trennlinie zum Animal Collective hier weitestgehend genüsslich ignoriert wird, der so oft erwähnte Horror-Kontext nicht nachvollziehbar wird und der superabgedrehte und gerne auch enorm anstrengende Experimentalfreakpop von ‚Enter the Slasher House‚ vor allem in seinen jeweiligen Einzelteilen zündet, Avey Tare’s Stammformation auf Albumlänge aber die deutlich zwingenderen und stimmigeren Exkursionen anbietet. Wer grundsätzlich auf der Pro-Animal Collective Seite steht, den wird all dies natürlich nicht tangieren.06Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Neneh Cherry - Blank Project  Neneh Cherry – ‚Blank Project

Eine Platte der korrelierenden Pole. Da brütet auf der einen Seite das von RocketNumberNine gebastelte und von Kieran „Four Tet“ Hebden in Szene gesetzte Gerüst aus einem kargen, beinahe kalten instrumentalen Minimalismus mit organischen Electro-Rhythmen, bedächtig wummerndern Bässen, vereinzelten Keyboardflächen und smoothen Beats und Grooves. Auf der anderen steht Neneh Cherry’s Stimme, die mit viel Soul enorme Wärme ausstrahlt, dem aufgeräumten Pfad entlang von Trip Hop, narkotisiertem Drum and Bass, Post-Dubstep und Jazz greifbare Melodien und Gefühle entgegenstellt. In diesem Spannungsfeld verarbeit die Schwedin persönliche Verluste und menschliche Niederschläge mit jugendlicher Stimme und kleinen Altersweißheiten, liefert nach über 18 Jahren ohne Solo-Veröffentlichung ungeachtet einiger weniger Längen nicht nur eines der grandiosesten Comebackalben des Jahres, sondern vielleicht sogar den langersehnten Missing Link zwischen Tricky’s frühen Alben und den futuristischen Laptopwelten von Burial.07Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Brody Dalle - Diploid Love  Brody Dalle – ‚Diploid Love

Brody Dalle hat sich elf Jahre nach der letzten Distiller Platte und immerhin vier nach dem nicht weiter in Erinnerung gebliebenen Spinerette Debüt endgültig dem Rock zugewandt – oder wie die seriösesten Tags auf Last.fm besagen: „Musicians I Would Bang“ oder „Sweeties Kicking Your Ass„. Soviel dazu.
Macht man es sich einfach darf sogar behauptet werden: ‚Diploid Love‚ klingt wie ein ambitioniertes, aber schwaches Album der Queen of the Stone Age. Richtiger klingt aber: das Endprodukt hinkt klar seinen eigentlich Möglichkeiten hinterher. Was nichts damit zu tun hat dass Dalle durch das eröffnende ‚Rat Race‚ biedere Casino-Streicher schickt oder für das unterhaltsame Distillers-Überbleibsel ‚Underworld‚ die Marichi Abteilung von The Bronx anblasen lässt oder dem tollen ‚Meet The Foetus / Oh The Joy‚ nur eine leidlich inspirierte Explosion liefert. Denn in diesen drei Highlights funktioniert ‚Diploid Love‚ durchaus am zwingensten. Drumherum bringt dieses Debüt allerdings zu kaum einem Zeitpunkt die vorhandenen PS aus tollen Melodien und Brody’s über die Jahre sogar noch besser gewordenen Stimme (das Verletzliche haut mittlerweile regelrecht weich hin!) adäquat auf den Asphalt. ‚Don’t Mess With Me‚ ist an sich ein toller Rock’n’Roll-Swing auf der Überholspur, agiert wie vieles hier aber allzu offensichtlich. Das vielversprechende ‚Dressed In Dreams‚ zieht sich in Greifweite der Strokes leider ohne Ende, das pianounterstützte ‚Carry On‚ stolpert über seien einfallslos programmierten Drumbeat und ist doch kurzweiliger als das weit über Gebühr strapazierte, an sich so einnehmende Düsterkabinett ‚I Don’t Need You Love‚. ‚Blood In Gutters‚ trumpft mit mächtig röhrendem Refrain auf, bremst sich allerdings gleichzeitig selbst aus und ‚Parties For Prostitutes‚ klingt als hätte Dalle das Herzblut aus einem vorprogrammierten Track auf einem High End-Keyboard gepresst.
Natürlich ist das alles niemals schlecht – und bevor sich dieser vielseitige Einstand unter eigenem Namen durch seine allzu leicht auszurechende Vorgehensweise selbst die Halbwertszeit raubt, wirft ‚Diploid Love‚ auch freigiebig 9 Ohrwürmer ab. Aber ärgerlich ist das letztendlich, weil hier soviel mehr möglich gewesen wäre. Da hilft auch die imposante Gästeriege um Garbage-Frontfrau Shirley Manson, Emily Kokal von Warpaint, Michael Shuman und Nick Valensi wenig. Schade.

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The Drowners - The Drowners  Drowners – ‚Drowners

Der 25 jährige Waliser Matthew Hitt arbeitet hauptberuflich als Model, hat aber nebenher Rockstarambitionen und deswegen in seiner Wahlheimat New York drei Mitmusiker für seine nach einer/der Suede-Single benannte Band rekrutiert. Das klingt von der Ausgangslage her zugegebenermaßen weitaus schlimmer als es auf diesem Debütalbum im Endeffekt ist, denn eigentlich haben Drowners einen durchaus interessanten Ansatz für ihren Sound gewählt: sie wollen die Distanz zwischen den frühen Strokes und dem Katalog der Smiths im Fahrwasser der Vaccines und Co. möglichst kurz gestalten. Das Problem ist allerdings dass Hitt zwar die Performance und benutzen Vocaleffekte von Julian Casablancas studiert hat, sein vorhandenes Gespür für Melodien aber allzu unverbindlich in den Raum stellt und trotz ambitionierter Versuche („Undo another button on your blouse/These days, you know, I rarely leave the house.„) natürlich auch kein Morrissey ist, während die Gitarrenabteilung nicht darüber hinaus kommt das Lehrbuch von Johnny Marr mit den Gesten von The Cure im Garage-Pop zu übersetzen. Vor allem aber haben Drowners schlicht noch nicht die nachhaltigen Songs auf Lager, um sich über gefällige Vorprogrammware hinwegzuhieven. Zahlreiche paar nette Singles nach bewährtem Muster schauen am Ende von 28 angenehm kompakt gehaltenen Minuten dennoch heraus.04Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Eels - The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett  Eels – ‚The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett

Es ist ja kein großes Geheimnis dass Eels Platten immer dann am besten sind, wenn es Mark Oliver Everett nicht so gut geht. Deswegen war – gemäß der alten Regel: des einen Leid ist der Masse Freud – die Ankündigung durchaus eine erfreuliche, dass E nur knappe 14 Monate nach ‚Wonderful, Glorious‚ jedwede zuletzt so vorsichtig formulierte Fröhlichkeit auf seinem elften Studioalbum wieder durchgängig zugunsten der so verehrten Melancholie gekippt habe.
Tatsächlich treibt E auf ‚The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett‚ nun durch intime Innenansichten voller niedergeschlagenen Schönheit, lässt seine trübseligen Klavier- und Gitarrenmelodien von fein ausbalancierten Glockenspielen, Streicher- und Bläsermomenten trösten und wandelt wieder auf dem wunderbaren Grad zwischen stiller Depression und traurigem Optimismus im Kreislauf des ewigen Verlusts. Selten bricht die Standortbestimmung aus ihrem sanftmütigen Wundenlecken aus – lässt E aber doch beschwingten Countryfolk wie ‚Where I’m From‚ zu oder croont in ‚Gentlemen’s Choice‚ als wäre er aus einem alten Romantik-Movie gefallen umgeht er geschickt die gewisse Gleichförmigkeit, die dem ruhigen ‚The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett‚ in der eigenen Komfortzone auf Dauer innewohnt.
Wo dessen oft durchwachsene Vorgänger viel Durchschnittliches mit wenigen Ausfällen und einigen herausragenden Highlights aufwerteten, ist Album Nummer 11 von vornherein eine homogene Masse ohne allzu eklatante Ausbrüche nach oben oder unten: eine betörend schwelgende Eels Platte, der die wirklich magischen Momente abgehen, die ganz lieblich die Träne durchs Knopfloch drückt, aber emotional niemals derart schonungslos ausknockt, wie E das beispielsweise auf dem unsterblichen ‚Electro-Shock Blues‚ getan hat.
Gegen Ende hin lichtet E seine warnenden Geschichten dann allerdings doch noch: „Can’t say I know what will happen tomorrow/I can’t say I know if its joy or sorrow/I can’t say how long I’ll stand at the line that I’m towing/ But I’ve got a good feeling ‚bout where I’m going“ singt er, klingt dabei wie ein versöhnlicher Tom Waits auf einer Platte, die wohl deutlich öfter aufgelegt werden wird als alles, was die Eels seit ihrem letzten, auch schon bald 10 Jahre zurückliegenden Meisterwerk ‚Blinking Lights and Other Revelations‚ veröffentlicht haben.06Vinyl LP auf Amazon | CD (Deluxe Edition) auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Floor - Oblation  Floor – ‚Oblation

Floor, das ist die Band mit der Steve Brooks Anfang der 1990er erfunden hat, was er danach mit Torche perfektionieren sollte: tieftönende Gitarrenmonster im Spannungsfeld von knackigem Doomrock und supereingängigem Sludgepop für jenen Teil der Headbanger-Fraktion, denen die Melvins immer schon zu abgedreht und die Stonergemeinde zu wenig konkret waren. Seit 2013 gibt es Floor mal wieder, diesmal auch abseits vom Bühnenradau: die wirr überbordende Discographie der Band will weiter wachsen. Da durften sich jedoch selbst  hartgesottene Fans im Vorfeld die Frage stellen inwiefern dieses Comeback von Steve Brooks, Anthony Vialon und Henry Wilson vor allem im Angesicht (der immer populärer werdenden Präsenz) von Torche nun wirklich notwendig ist.
Floor haben darauf allerdings die wohl einzig passende Antwort parat: ‚Oblation‚ ist ein fetter Nachschlag von allem was man an dem Trio aus Miami immer schon lieben musste und an den frühen Torche vergöttern konnte: 14 arschtretende Brecher ohne Gnade, denen Brooks deutlich mehr Raum gönnt als auf den jüngeren Veröffentlichungen seiner anderen Band, die auch alleine durch die Triobesetzung eine gute Ecke stoischer und grimmiger wirken als Torche es aktuell tun. Mächtige Riffs dürfen da bis zu monolithischen Walzen wie ‚Sign of Aeth‚ anschwellen, im psychedelischen ‚Homegoings and Transitions‚ folgt er Wilson’s Freundin Melissa Friedman. Hier baut sich der Doom stets klar vor dem Pop auf, auch wenn Songs wie ‚Rocinante‚ schon auf arschcoole Weise im maßgeschneiderten Kurt Ballou-Sound enorm eingängig dahinbraten. Wem solche Unterscheidungsdetails unter dem Elektronenmikroskop neben der eigentlichen Qualität der Songs nicht als Existenzberechtigung ausreichen, den wird es wohl auch nicht freuen dass Floor hiermit endlich die Anerkennung bekommen die sie immer schon verdient haben und dass Brooks nun gleich mit zwei Bands an der Spitze der Zuckerwattenbrachialität steht.
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Nasheim - Solens Vemod  Nasheim – ‚Solens Vemod

Über ein Dutzend Jahre sind seit der Gründung der schwedischen Black Metaler Nasheim vergangen, immerhin knapp sieben seit der Split-Veröffentlichung mit Angantyr. Es war also ein langer Weg der zu ‚Solens Vemod‚ geführt hat, dem  Debütalbum von dieser mittlerweile zur Ein-Mann-FRaktion geschrumpften Band: bis auf wenige Streicher hat Erik Grahn alles im Alleingang eingespielt, weil sich über die Jahre alle Mitstreiter verabschiedet haben. Ansonsten ist wenig bekannt über Nasheim – nicht zuletzt die absolute mediale Verweigerungshaltung hat eine Aura des Mystischen rund um diesen dennoch vielerorts heiß erwarteten Erstling kreiert.
Die Faszination am Drumherum und das Erstaunen darüber, dass das doch noch was mit dem Album geworden überschattet die nun aufgefahrenen 49 Minuten in gewissem Maße sicherlich, schmälert aber die Qualitäten des mühelos über den Genrestandards erbauten ‚Solens Vemod‚ keinesfalls. Die lange Vorlaufzeit münded in 4 Epen, nur ein mal unter 10 Minuten gefasst, niemals ohne weite Umwege über enorm stimmungsvolle Gitarrenleinwände, ätherische Akustikpassagen oder cleane Gesangsparts gehend, also weitreichende Exkursionen in Sachen atmosphärischen Black Metal unternehmen, die bis hin zu straighten Rockmomenten und psychedelischen Dämpfen führen. Das ist gleichermaßen am Erbe von Pink Floyd geschult und söhnt nebenbei all jene aus, denen Alcest mittlerweile zu weit im Shoegaze schwelgen. Die polarisierende Anziehungskraft der Platte geht dann aber weniger von ihrer Wandelbarkeit aus, als von Grahns Gespür für melancholische Töne: ‚Solens Vemod‚ fühlt sich der schwelgenden Depression stets näher als der hämmernden Bedrohlichkeit.07CD auf Amazon |

Off! - Wasted Years  Off! – ‚Wasted Years

Viel geändert hat sich für Legende Keith Morris und seine junge Truppe nicht seit dem selbstbetitelten 2012er Werk: immer noch kotzt und spuckt Morris gewohnt schonungslos und viel zu energisch für einen 58 jährigen gegen alles was ihm gegen den Strich geht (was grundsätzlich nahezu alles ist) und immer noch spielen Off! Ihren 80er-Hardcore so herrlich angepisst, dreckig, schnell, räudig und schnörkellos als wäre ‚Nervous Breakdown‚ erst gestern explodiert. Derart markante Ausbrüche nach oben wie auf dem Vorgänger gelingen Off! diesmal allerdings nicht, obwohl Dimitri Coats ‚Legion of Evil‚ ziemlich direkt bei Black Sabbath wüten lässt oder ‚Red White and Black‚ schon recht vernünftig mit heftigen Prügeln argumentiert, weswegen der Song als Single herhält.
Man merkt ‚Wasted Years‚ allerdings im positiven wie negativen an, dass sie ohne große Überlegungen in Windeseile eingeprügelt wurde: Intuition und Explosivität kommen hier im Zweifelsfall vor Inspiration und Ausgefeiltheit. Längen hat das dann alleine wegen der durchschnittlichen Songlänge von unter 2 Minuten ohnedies keine. Und wie man das Genre bedient weiß diese Kombo wie kaum eine andere. Abseits der kanalisierten rohen Energie bleibt diesmal allerdings auch deutlich weniger hängen als bisher. Da ist es beinahe ein amüsanter Gedanke Off! zu unterstellen dass dieser impulsive Schnellschuss nur dazu dient um Morris alten Weggefährten Greg Ginn und dessen Lachnummer namens Black Flag quasi im Vorbeigehen zu düpieren.06Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Wye Oak - Shriek  Wye Oak – ‚Shriek

Jenn Wasner und Andy Stack sind beileibe nicht die ersten die ihrem Sound durch die exzessive Hinzunahme von Synthesizerflächen einen neuen Anstrich verpassen. Der Clou im Falle von ‚Shriek‚ ist allerdings, dass dieser beliebte Umbruch im Sound nur wenigen Bands derart in die Hände spielt wie Wye Oak. Das vierte Album der Band ist überzogen von kristallinen, schimmernden 80er-Keyboardmeeren, mit denen Wasner’s verwunschene Stimme aufs dankbarste eine anmutige Symbiose eingeht: genau genommen klang die Amerikanerin sogar noch nie derart erfüllt und anmutig blühend in der abgründigen Aura, die Wye Oak seit jeher umgibt.
So blinken die Melodien in schmutzigen Neonfarben, das Duo übersetzt sein Songwriting kompromisslos entlang der neuen Gegebenheiten in Richtung Synthiepop, hin zu Beach House, verruchten Chvrches und frühen The Knife. Was früher die diesmal (bis auf den angetäuschten Feedbackrückstau in ‚Paradise‚) entledigten Gitarren geleistet haben, dafür ist nun der federführende Bass zuständig, den Wasner als wendig groovenden Leitkegel in jeden Song vorausschicken. Ihr Zelt bauen Wye Oak derart in bester Aussicht auf die Sollbruchstelle aus sphärischem Dreampop und funky verspieltem Rock auf, ohne dabei den Eindruck zu hinterlassen Trends zu folgen – den Vorwurf Kontern Wye Oak ohnedies alleine damit nahtlos, dass sie es sich (und den ihren Hörern) mit einem weiteren Album wie ‚Civilian‚ deutlich einfacher hätten machen können. Die Experiment-Grimasse gegenüber den Erwartungshaltungen geht damit auf, vor allem im homogenen Albumkontext – und ungeachtet dessen, dass man der Gitarrenband Wye Oak trotzdem mehr abgewinnen kann.07Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

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