Oliver
Auch wenn '4 ½' in einer eigenen Liga anzusiedeln ist und sich als Interimsplatte nur mit den vorangegangenen Studioalben des Engländers selbst messen muss: Das Aufarbeiten von bisher unter den Tisch gefallenem Outtake-Material bedeutet selbst für einen Ausnahmekünstler wie Steven Wilson das Qualitätsniveau merklich zurückzuschrauben.
Brandon Paak Anderson weiß nur zu gut, wie schnell es gehen kann: Vor kurzem noch obdachlos, liegt die Musikwelt ihm und seinem souligen Hip Hop-Ausläufern seit den nachwirkenden Gastauftritten auf Dr. Dre's Comebackwerk 'Compton' zu Füßen. Grund genug für den Kalifornier, die Gunst der Stunde zu nutzen - ohne die Dinge dabei zu überstürzen.
Kaum einer Band hat man in jüngerer Vergangenheit einen Labelwechsel derart eklatant angehört, wie den Witchcraft-Umstieg von Rise Above Records zu Nuclear Blast. Vor dem Hintergrund eines diesmal wieder stärker an die Frühphase der Band erinnernden Songwritings ist es insofern jedoch ein noch zweischneidigeres Schwert, dass 'Nucleus' soundtechnisch - wenn auch etwas aufgeweicht - dort weitermacht, wo 'Legend' vor 4 Jahren aufgehört hat.
Kele Okereke ist für 'Hymns' nicht nur die halbe Stammbelegschaft abhanden gekommen, sondern weitestgehend auch das Gespür für zwingenden Melodien und treibende Songs, die Bloc Party einst auszeichneten. Insofern war es keine schlechte Entscheidung, äußerst durchwachsene Vorabsingles zu entsenden und die schlimmere davon nun auch an den Beginn eines zweifelhaften Albums zu stellen.
'Wait & See' liefert den endgültigen Beweis: Majical Cloudz haben ordentlich selektiert, welche Songs es auf ihre 2016er-Schönheit 'Are You Alone?' schaffen sollten - und welche nicht. Weil das bei diesem Prozess ausgemusterte Material aber nicht aufgrund qualitativer Gründe außen vor gelassen wurde, gibt es nun den Appendix in Form einer sehr feinen 5-Song-EP.
Mit der Vergangenheit hat er auf dem nostalgischen Comeback 'The Next Day' seinen Frieden geschlossen und damit die Freiheiten geschaffen, um sich auf 'Blackstar' ein letztes Mal neu zu erfinden - oder mehr noch, endgültig alle Grenzen zu überschreiten: Während der Welt die Genies ausgehen, zelebriert David Bowie sein finales Kunststück, wahrscheinlich sogar ein überragendes Konzeptalbum über seinen eigenen Tod.
Auch wenn sich der theoretische Mehrwert dieser Revue an sich in Grenzen halten mag, wiegen die nuancierten Feinjustierungen durchaus lohnend: Conor O'Brien nutzt einen Tag in den RAK Studios in London um vorzuführen, wie Songs aller drei Villagers-Alben mit dem einkehrenden Gestus von 'Darling Arithmetic' und der perfekt darum herum eingespielten Liveband klingen hätten können.
Während Pogo McCartney bei der Gruppe Messer vor allem durch seinen monströsen Bassgroove in Erscheinung tritt, verschwimmen die Konturen auf der Kollaborationsserie mit seinem Kumpel Raune.
Es scheint fast so, als hätte der verheerende Busunfall den Blick für das wesentliche geschärft: Die personell runderneuerten Baroness destillieren auf dem gefühlten Comeback 'Purple' die Absichten des Vorgängers 'Yellow & Green', lassen sich dann aber von den gefürchteten Produzentenskills des Dave Fridman einen Gutteil der Butter vom Brot klauen.
Es stand zu befürchten: Das zwar belanglos aber durchaus nett in die Melancholie plätschernde 'Ghost Stories' war nur ein kurzes Zucken in eine willkommene Richtung, denn gerade die dort aus dem Rahmen fallende Avici-Produktion 'A Head Full of Stars' hat die Perspektiven für Chris Martin und Co. und ihr vielleicht letztes Studioalbum offenbar wieder gerade gerückt. Coldplay wollen als seelenlose Popband mit immanenter Chartabhängigkeit in Erinnerung behalten werden.










