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Balthazar – Sand

Balthazar - Sand

Das eigentliche Highlight von Sand ist natürlich das brillante Humunculus Loxodontus-Artwork. Die Musik dahinter lohnt sich als tanzbare Indie-Entspannung aber auch.

Balthazar nehmen den unaufgeregten Schwung des Vorgängers Fever mit, mussten sich angesichts der Pandemie aber dann doch ein klein wenig neu ausrichten: Die einzelnen Elemente von Sand wurden separat von den Bandmitgliedern eingespielt und via Datenaustausch zusammengebastelt, dazu kommen diesmal Schlagzeug-Samples zum Einsatz.
Nachzuhören beispielsweise prominent in On a Roll, das sich von der Drummachine und dem gurgelnden Synth-Bass näher zum R&B leiten lässt, sich im den Spannungsbogen exemplarisch nonchalant auflösenden Refrain mit der diesmal allgegenwärtigen Kopfstimme aber natürlich doch fistelnd dem umarmenden Pop verschreibt. Auch You Won’t Come Around  sammelt über einen generierten Beat als Leitfigur alle andere Teile des Songs ein, erinnert an Timber Timbre, bevor sich verträumte Melodien in orchestrale Arrangements verlagern und Harmonie-Gesänge dort schwelgen, wo sonst nur Everything Everything einen aufs Thom Yorke machen.

Obwohl Sand in seiner absoluten Leichtigkeit vor allem eine enorm charmant und sympathisch in die Geschmeidigkeit zurückgelehnte Angelegenheit geworden ist, die zutiefst angenehm zu hören keine Dynamiken außerhalb der gediegenen Wohlfühlzone forciert, ist da in der DNA so vom Opener Moment weg im Subtext diesmal doch mehr Funk der relaxtesten Sorte zu spüren, wenn rund um die wie immer fabelhaften Basslinien Percussion, Bläser und Background Soul flanieren.
Im entspannten Losers sieht man die Yacht vor den belgischen Tropen im imaginativen Meer schippern, die offene Akkorde haben etwas von Real Estate aus der Phoenix-Perspektive, das Falsett wird einmal mehr von Portugal. The Man geborgt. Assoziativ stampft und schnipst I Want You dagegen etwas mehr in die smoothe Lounge der Arctic Monkeys, hallt und kontrastiert durch die skandierende Behutsamkeit der verspielten Zuckrigkeit.

Gerade in der ersten Hälfte zelebrieren die beiden Bandköpfe Maarten Devoldere und Jinte Deprez also schon ein erfrischend zuverlässiges Schaulaufen an Ohrwürmern. Das mag emotional kaum zwar packen, begleitet aber absolut versiert und auf beste Art beiläufig, bieten die Eingängigkeit mit den Hintergrund bequem ausfüllenden Reizen an. Selbst die einzelnen Passagen schnell vergessend kann man sich da ohne Aufwand sehr wohl fühlen, wenn ausnahmslos gute Songs keine brillanten Ideen brauchen, um anhand der transportierten Stimmung und gut aufgelegten Selbstverständlichkeit vage hängen zu bleiben.
Dass Sand in seiner zweiten Hälfte gefühlt jeden Song ein klein wenig über Gebühr dehnt, ist beinahe vernachlässigbar, dass die allgemeine Unverbindlichkeit hier aber auch zur Potenzial liegen lassenden Egalität zu werden droht, lässt irgendwo doch latent auf latenten Durchzug schalten. Die Bossanova-Tendenzen am Anfang von Hourglass bleiben zudem ohne tragende Konsequenz, auch (das jazzig-weiche) Leaving Antwerp oder das leidenschaftlichere Halfway berieseln eher, anstatt zu begeistern. Etwaige starke Impulse (wenn in Passing Through hinten raus die orientalischen Streicher übernehmen oder das Piano-lastige Powerless kuschelig mit Eruptionen flirtet) sind zu spärlich gesät, um das Momentum zu intensivieren, weswegen man sich während der 43 Minuten der Platte dann doch stets ein wenig wie die freudig gespannte, aber auch unschlüssige Gestalt am (noch einmal: herausragenden!) Cover vorkommt.

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