Bambara – Stray

von am 24. Februar 2020 in Album

Bambara – Stray

Bambara nennen es mittlerweile Deathrock oder Cowpunk, meinen damit aber auch auf Stray eine absolut assoziativ verankerte Melange aus Postpunk samt Gothic-Flair und bluesigem Westernrock mit immanenter Todessehnsucht im Storytelling, das seine vor Schuld-und-Sühne schwellende Geschichten in der Mitternachts-Prärie von Brooklyn ausbreitet.

Auch wenn der für das Wesen, die Ästhetik und den Sound des Trios – die Zwillingsbrüder Reid and Blaze Bate an Gesang/Gitarre und Schlagzeug sowie William Brookshire am Bass – so absolut stimmige Titel des direkten Vorgängers Shadow on Everything anderes behauptet, treten Bambara mit jeder neuen Platte weiter in die öffentliche Wahrnehmung, auch dank bürgender Fürsprecher. Stray steht insofern als bisher stärkste Platte der Band durchaus verdient im bisher breitesten Rampenlicht.
Auch, weil sich die direkten Referenzen nicht verschoben haben, als mit offenen Karten spielendes Nachtschattengewächs Freunde dunklerer Prominenz praktisch unmittelbar anziehen, wie die Motte vom Licht verführt wird.

Alleine aufgrund Reids düsterem Timbre und sonorem Unheil im Organ bewahren Bambara Erinnerungen an eine frühere Inkarnation von Nick Cave, die gerade in den rockigen Songs wie dem arachisch-punkigen, eigentlich ziemlich spaßig (in der Nähe von Elias Bender Rønnenfelt) nach vorne gehenden Heat Lightning oder dem besonders kraftvoll und saftig auftretenden Roadmovie-Hit Serafina so flott und simpel angetrieben, als stampfendes Energie-Ventil wie Verneigungen vor orgelschwangeren Schweißtreibern a la Dead Man in My Bed auftreten – während Nummern wie die ätherische Elegie Sing Me to the Street oder das gallopierende Death Croons mit ihren weiblichen Backingvocals Leonard Cohen ein süffisantes Schmunzeln abgerungen hätten.
Der Rest des Todesdramas verankert sich um diese Gravitationspunkte einmal mehr um das Kreuz aus Disappears und dem Gun Club mit King Dude und Murder by Death, in  dessen Achse der Geist von Madrugade dräut.

Der stets so dominanten Bass sorgt dabei über den archaischen Drums für ein massives Körpergefühl und eine unverrückbare Grundierung, wo offen hallende Akkorde den Horizont in der staubigen Patina weit aufziehen und die Gäste – Adam Markiewicz von The Dreebs an der Violine, Sean Smith von Klavenauts an der Trompete sowie Drew Citron (Public Practice) und Anina Ivry-Block (Palberta) als Chor – es sich gemütlich machen.
Dass es dabei aktuell genau genommen nur zwei Gangarten für Bambara gibt – entweder schnell und straight, oder bedächtiger und ausladender – die sich meistens auch noch wechselweise aneinanderreihen, und zudem (mit Ausnamhme des mit flehender Leidenschaft treibenden Sweat, das sich doch ein wenig ausbremst, nur um dann wieder zackiger zuzuschlagen) jeder Song in der Gangart endet, in der er auch begonnen hat, ergibt auf Stray eine vorhersehbare Dynamik, die auch keinen wirklich eleganten übergeordneten Spannungsbogen zulässt.

In diesem Kontrast gewinnen die ruhigeren, langsameren Stücke nicht nur deswegen, weil die rasanteren (wie etwa das polternde Ben & Lily) zu abrupt beendet werden, ohne aber eine tatsächliche Evolution zu zeigen, sondern weil es in der uneiligen Geduld mehr zu entdecken gibt, es sich besser in die fesselnde Atmosphäre und Stimmung eintauchen lässt.
Dann verlagert das gefährlich und lasziv groovende Miracle die Mystik von Twin Peaks in den wilden Westen, bevor die beinahe jazzig blasenden Arrangements in den Texturen am Ende intensiv aufbegehren, wiegt das beschwörende Stay Cruel wie im Wellengan aus Beichte und Abbitte. Das somnabule Made for Me ist ein grummelnder Schwofer mit Synthie-Anstrich und der militärisch marschierende Closer Machete schimmert funkelnd und stacksend, hat einen Sänger im Sattel, der als versifft-manischer Prediger von seinem Gaul unerbittlich zur Kanzel geschliffen wird und dafür auch noch applaudiert.
Hier ist auch die Entwicklung zu einem subtileren Songwriting am deutlichsten und beeindruckendsten, die Bambara seit ihren noisigeren Anfängen hingelegt haben, in dem die Sehnsucht und der Nihilismus und mehr als alles andere der allgegenwärtige Tod als Antrieb dient, dabei aber stets weiß: „Death is what you make it.

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