Barrie – Happy To Be Here

von am 5. Mai 2019 in Album

Barrie – Happy To Be Here

Originalitätspreise werden sich Barrie wohl keine abholen. Dafür aber könnten sie den kommenden Sommer mit dem entwaffnenden Dreampop von Happy To Be Here schon vorab im Alleingang retten.

Nach einer vorangegangenen Stafette an wunderbaren Singles assoziieren die Genre-Spezialisten Barrie in einer wohligen Kommunikation aus Gitarren, Synthies und catchy Melodien praktisch von der ersten Sekunde an existierendes, zeitloses, wenn gleich Darjeeling kurz an Baba O’Riley im Indie-Kontext erinnert und sich dann einem Wechselspiel aus latent-fukiger Hibbeligkeit in der Strophe samt entspannter Elegie im Chorus verschreibt.
Später klimpert das überragende Clovers wie eine Erinnerung an Two Weeks, bevor sich die Nummer zu einem veritabel stacksenden Hit entwickelt, bis die Knie weich werden. Dass die Gitarren hinter den Keyboardschwaden beinahe Danger Mouse‚esk bratzen dürfen, erkennt man erst irgendwann – doch das perfekt betitelte Happy To Be Here lebt auch von solchen unscheinbaren Details.

Habits hat etwas von frühen Yeasayer und ent-digitalisierten Dirty Projectors, ist verspielt und lässig aufgeweckt, hat sogar ein verspult-maschinelles Gitarrenmodul für seine dängelnde Entspannung. Saturated zeichnet Days Are Gone als R&B-Möglichkeiten für Yacht- und Lounge-Szenarien, während Geology als Update von California Analog Dream aus der Perspektive von Real Estate sein könnte, bevor die Bridge das Herz von The National erobert und Casino Run mit einer solch märchenhaften Patina loopt, wie zahlreiche Szenen vor 7.
Also ja, Happy To Be Here klingt als hätten Haim eine Session mit Beach House und Vondelpark gestartet, zu der sich Grizzly Bear und Crush an Fleetwood Mac kuscheln. Insgeheimer Trumpf der Platte ist insofern wohl der Clou, dasss Barrie trotzdem nie wie uninspirierte Kopisten anmuten, sondern über ein grandioses Songwriting und eine nonchalant-fesselnde Atmosphäre sofort alle Sympathien für sich gewinnen.

Mastermind Barrie Lindsay hat ihrer aus allen Teilen des Erdballes in New York zusammengewürfelten Band ein liebenswürdiges Profil verpasst, eher charismatisch als nur nett, so locker und leicht, dass das Debüt gerade für sonnigen Tage ein unheimlich angenehmer Begleiter wird. Happy To Be Here speist sich aus dem Sommer, dem Optimismus, der Nostalgie und der Melancholie, produziert leise schwellende Endorphine und sondert wahlweise keine sengende Hitze ab, sondern angenehme Wärme, während es anderswo die betörend kühle Brise und das Momentum ist.
Barrie servieren dabei so viele nonchalante Ohrwürmer, die auf den ersten egal wirken können und auf den fünften wie unaufdringliche alte Bekannte, wo selbst die Momente, die sich weniger herausstellen, kaum abfallen. Die Dynamik der Platte wechselt subtil, die interessanten rhythmischen Ideen halten die Dinge spannend und heben die latente Gleichförmigkeit weitestgehend aus, die im meist ähnlichen Klangbild über kurzweilige 34 Minuten ohnedies kaum relevant ist.

Stattdessen drängen sich die Playlist-Kandidaten im homogenen Ganzen auf. Dark Tropical baut etwa auf ein simples Piano und dreht sein Kaleidospkop unter dem entschleunigten Sternenmeer, Chinatown muss neben seinen nuanciert gackernden Orgel-Synthies einen tollen Refrain und muss eigentlich ein alter Klassiker sein.
Teenager plätschert im bestmöglichen Sinne auf eine Tanzfläche, in der sich die Glücksgefühle in Zeitlupe lächelnd bewegen. Und das zu schnell beendete Hutch schukelt so versöhnlich und wundervoll, wie es am Ende einer so entgegenkommenden Platte vielleicht gar nicht nötig wäre. Es lässt einen das Herz trotzdem noch weiter aufgehen und eine spektakulär-unspektakuläre Wohlfühlzone von einem Album zumindest ein Abonnement als Begleiter der kommenden Monate abschließen. (Danach wird sich mit etwas Abstand womöglich wertungstechnisch ein Punkt verabschieden, als was kümmert das aktuell?)

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