Beak> – >>

von am 5. Juli 2012 in Album

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Wer denkt, dass der Mann, der für drei Portishead-Alben vierzehn Jahre benötigt hat, für das erste, in zwölf Tagen entstandenen Beak> Debüt zielstrebig an zielloser Musik gearbeitet hat, wird mit ‚>>‚ eines besseres belehrt – denn der Nachfolger zu ‚>‚ entstand an nur einem Nachmittag. Das Ergebnis ist jedoch ein ähnliches.

Wieder sind das also lose gehaltene und karg inszenierte Geflechte aus schüchterner Elektronik, dronegeschwängerten, massiv in den Hintergrund gedrückten Gitarrenarbeiten, die sich in dumpfer Monotonie ergehen, sich hypnotisch vom maschinell arbeitenden Beats und dem stoischen Grooves dirigieren lassen. Melodien werden entlang apokalyptisch gefärbter Szenarien ausgeklammert, unseelige Experimente mit Wiederholungen finden an Songaufbauten statt, die sich am Jamcharakter festnagen, die die Simplizität in der modernen Musikauffassung herausfordern. Dramatik findet mehr noch als durch Intensitätssteigerungen durch die atmosphärisch unheimlich abgründige Dichte statt. Hier und da schleichen sich gespenstisch verhallende, tief im Mix begrabene Gesänge in die imaginativ geschmeidig pulsierenden Klötze, die Instrumente schleppen sich schwermütig durch Klanglandschaften, die sich an verstörenden Score-Elementen aufhängen.

Tatsächlich ist das in erster Linie aber wieder Tribut und Orientierungsversuch an den 60ern und 70ern, astreiner Krautrock par excellence.  Songs we ‚Spinning Top‚ schreien förmlich nach Faust, nach Neu! und Can, mehr noch nach Silver Apples, nach psychedelischer Bestätigung in der inszenatorischen Ziellosigkeit: Auch im zweiten Anlauf lassen sich Beak> natürlich ausschließlich treiben, werden nie konkret und lassen das Kopfkino lieber am abstrakten Trackapparat rattern. Geoff Barrows (Portishead, Quakers) Gruppenarbeit mit Matt Williams (Team Brick) und Billy Fuller (Fuzz Against Junk) wirkt damit immer noch wie der Gegenpol zu den sonst so ausformulierten Charakteren der restlichen Projekten der Bristol-Legende. Gefällt ein Moment, eine Idee, verharrt man dort, ergeht sich in ihm ohne ihn dadurch näher zu ergründen. Was bleibt ist der Drang zum Album, dessen Bestandteile im Kontext ihre Wirkung besser entfalten können, als für sich genommen.

>>‚ denkt seinem Vorgänger nur formell weiter, hadert ebenfalls mit Längen und kümmert sich nicht um Nachvollziehbarkeiten, weil das bei dieser Art von Musik gar nicht funktionieren kann. Es ist als Entwicklung vermutlich eher im stummen Verständnis der Musiker untereinander zu deuten, beschwört Feinheiten im Detail. Die gruftigen Orgelnebel in ‚Eggdog‚ sind so beinahe ein subtiler Fingerzeig Richtung Garage-Rock, wie der superbe Sound hinterrücks generell, die hektischen Synthesizer in ‚Liar‚ bleiben eine Ausnahme, ebenso wie die sich am unnachgiebigen Riff festkrallende Gitarre im stampfenden ‚Wulfstan II‚. Besser ist da nur noch das unwirklich gleitende Sonic Youth Anästhitikum ‚Deserts‚. Selbst hier werden dem Rezepienten jedoch keine klaren Emotionen diktiert, Beak>-Musik funktioniert in jeder Wahrnehmung für sich, mit all ihren Vorzügen wie Nachteilen. Am besten also als musikalische Untermalung  für den ganz eigenen, tiefdunklen, klaustrophobisch getriebenen Alptraum in undurchdringlich verrauchten Kunstkellerabteilen.

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