Die Alben des Jahres 2025: 40 – 31

von am 30. Dezember 2025 in Jahrescharts 2025

Die Alben des Jahres 2025: 40 – 31

Die stille Zeit des Jahres ist praktisch vorbei – also gilt es nun, nochmal ganz objektiv auf die 50 besten Alben von 2025 zurückzublicken, während schon die ersten vielversprechenden Platten von 2026 auf dem Radar aufgetaucht sind. Den Anfang machen die Plätze 40 bis 31.


| HM | EPs | 50 – 41 | 40 – 31 | 30 – 21 | 20 – 11 | 10 – 01 | Playlisten |

40. Faetooth – Labyrinthine

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Faetooth haben nach Remnants of the Vessel personell abgespeckt und ihren Sound aufgeräumt, sich vom Cello, einer zusätzlichen Gitarre und den besonders harschen Vocals verabschiedet. Das sind Aderlässe, die subjektiv weh tun.
Gleichzeitig ermöglichen diese Wachstumsschmerzen es dem (seinen Sound aus dem Andenken an SubRosa und dem Schwärmen für Ethel Cain, Messa oder Chelsea Wolfe speisenden) Fairy Doom der kalifornischen Band bis zu seinen bisher glanzvollsten Momenten zu gazen: Wenn Ari May, Jenna Garcia und Rah Kanan selbst realisieren, dass sie mit October einen außergewöhnlichen Moment betörender Heaviness erschaffen haben und ihre weitere Karriere an diesem Leitstern ausrichten, könnte der Nachfolger von Labyrinthine zu einem überwältigenden Ausgang finden.

Nekrodeus - Ruaß39. Nekrodeus – Ruaß

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Mein Herz ist eine Wunde/ Aus der die Scheisse rinnt/ Doch bleibt der Mund geschlossen/ Merkt keiner wie es stinkt“. So beginnt das Album, mit dem sich Nekrodeus endgültig zum heimischen Prüfstein in Sachen Blackened Death Grind Crust (…oder so) mit internationalem Niveau aufschwingen, und sich danach mit Haltung und dem Herz am rechten Fleck Positionen – sowie Zeilen, die man in dieser Ausgangslage nicht mehr vergisst.
Faschismus faschieren/ Wenn nicht jetzt gleich/ Sag mir wann dann/ Wenn nicht mit Blastbeats/ Dann mit der Pumpgun/ Volkscancer therapieren“ heißt es etwa. Und  wenn „Zweite Kassa bitte/ Wir reihen uns nicht ein/ In die Warteschlange/ Vom Vierten-Reichs-Verein/ Tinnitus für alle/ Die es nicht kapieren/ Was is eurem Leben falsch läuft/ Kann der Hass nicht korrigieren“ von „Gedanken sind wie Bananen/ Niemand mag die Braunen!“ gekrönt wird, sind die Steirer sowieso im nächsten Level ihrer Karriere angekommen.

38. Margo Price – Hard Headed Woman

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Für ausgerufene Rückkehr zu ihren Country-Wurzeln lässt (die weiterhin keine Angst vor einer im aktuellen politischen Klima der USA Haltung bewahrende) Margo zwar notgedrungen ihre Pricetags zurück. Dafür bringt die Rückkehr nach dem Strays-Doppel zu Produzent Matt Ross-Spang einen Karriere-Zenit mit sich, der (wenn überhaupt) nur von Midwest Farmer’s Daughter überstrahlt wird.
Die schwierigste Arbeit für das federführende Duo könnte dabei gewesen sein, das bei den Sessions entstandene Material in einen kompakten Kontext von rund 40 Minuten Spielzeit zu bringen. Das legen zumindest die nachgereichten vier Songs (oder 16 Minuten) der Deluxe Edition nahe, die das Album-Niveau mindestens halten – und die mit Logan Ledger, Tyler Childers, Billy Strings und Jesse Welles auftrumpfende Gästeliste der Platte noch imposanter gestaltet.

Anna von Hausswolff - Iconoclasts37. Anna von Hausswolff – Iconoclasts

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An Kendrick Lamar müssen wohl die wenigstens denken, wenn sie in die Welt von Iconoclasts abtauchen – dem fünf Jahre nach All Thoughts Fly erschienenen spirituellen Nachfolger von Dead Magic (2018). Wie die Schwedin erzählt, ist der amerikanische Rapper jedoch der prägendste Einfluss auf ihr sechsten Studioalbum, „even if you can’t hear it in the music“. Es geht für Anna von Hausswolff auch hier schließlich darum, sich aus der Dunkelheit zu erheben und Licht auf Missstände (auf persönlicher Ebene und darüber hinausgehend) zu werfen.
Was wie eine Ouvertüre für ein Musical über das Leben und Schaffen von Colin Stetson beginnt, wird – mit Instagram-Bekanntschaft Ethel Cain und einem in Schieflage um die Ballade torkelnden Iggy Pop auf der Gästeliste – bald geduldig pulsierend zum dramatischen Space Pop und zur (bisweilen etwas überkandidelten) Andacht für das Album, das Kate Bush wohl nicht mehr machen wird.
Eine adelnde Assoziation, die angesichts dieser mächtigen 73 Minuten nachvollziehbar sein dürfte.

BRUIT ≤ - The Age Of Ephemerality36. BRUIT ≤ – The Age Of Ephemerality

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Das französische Quartett Bruit ≤  wächst auf seinem Zweitwerk vielleicht nicht drauf über sich hinaus, wie es das überragende Debütalbum The Machine Is Burning and Now Everyone Knows It Could Happen Again 2021 implizit versprochen hat, zementiert hinter seiner sozial/politisch motivieren Haltung aber den Status Quo als eine der faszinierendsten Bands im Post Rock ein. Als würden 65daysofstatic ihre Schaltkreise dahin programmiert haben, die Melodiebögen von Godspeed You! Black Emperor mit der feierlichen Sinfonie filmischer Opulenz elektronisch zersprengen, hibbelig frickeln lassen, und das Experiment durch einen wahnsinnig dichten Soround Sound in den Himmel heben.
Wenn die Platte bis zum wahrlich überlebensgroßen Schlusspunkt The Intoxication of Power immer weiter wächst, ist da auch die Gewissheit, dass Bruit ≤ das Versprechen eines Meisterwerks keineswegs gebrochen haben, sondern hiermit nur über rund 40 Minuten ein klein wenig hinausgeschoben haben.

Hexecutioner - Tornit35. Hexecutioner – Tornit

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Während junge Bands wie Teleost aus Glasgow in den Startlöchern drängen, aber die alten Hasen von Conan noch mitunter das Doom-Nonplusultra auf der Insel darstellen, wächst in der Hauptstadt des Grunge heimlich still und leise das Lieblingskind von OM, Electric Wizard und Windhand heran.
Für ihr nur wenige Monate nach dem Debüt erscheinendes Zweitwerk Tornit haben Hexecutioner die vom psychedelischen Sludge und Stoner genährte Essenz von Pagan Gound destilliert und transzendieren die Macht des repetitiven Riffs über vier Songs in 36 Minuten durch eine so zwingend groovende Heaviness, dass selbst durch den Tonträger-Konsum ein Muskelkater im Kater unumgänglich scheint.

Nyx Division - Midnight Lights34. Nyx Division – Midnight Lights

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Home Front haben mit ihrem Zweitwerk Watch it Die auf den letzten Metern des Jahres in Sachen Aufmerksamkeit ja so ziemlich allem noch den Rang abgelaufen, was sich im 80er affinen Post Punkt herumtreibt – ein bisschen zu Recht, aber eben nicht ausschließlich.
Aus Portland kam beispielsweise eine noch konstantere Zeitreise als aus Edmonton. Auf dieser wurde der Goth Rock hochgehalten, als hätten sich The Last Dinner Party die Schminke von Siouxsie and the Banshees geborgt, um zu einer Prise Interpol, Unto Others, Sprints und Sonja ein Date mit Timmy Cappello zu zelebrieren.
Tatsächlich haben Domino Monet (Vocals & Lyrics), Alex Rivas (Bass & Synth), Justin Cory (Guitar & Synth) und Mason Wilkinson (Drums & Pad) für Black Glass ihren Kumpel Evil Eddie eingeladen. Auch wenn Midnight Lights keine auf einzelnen Hits ausgelegte Platte ist – ohne herausragende Highlights muss das Debütalbum von Nyx Division keinesfalls auskommen.

Mclusky - The World Is Still Here and So Are We33. Mclusky – The World Is Still Here and So Are We

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The World Is Still Here and So Are We ist exakt das Album geworden, das die gedoppelte Vorabsingle Unpopular Parts of a Pig / The Digger You Deep im 2023 angekündigt hat.
Dass das Comeback der Waliser – zwanzig Jahre nach dem Split bzw. rund zehn nach einer ersten Reunion – insofern weniger wie das viertbeste Mclusky-Album auftritt, als dass es das Tandem hinter den Top 3 von Future of the Left zu den schmissigsten Szenen von Christian Fitness lenkt, muss zwar trotz aller „Vorwarnung“ nicht das Ergebnis sein, auf das man gehofft hat. Es ist aber eines, mit dem man (gerade mit etwas Abstand) verdammt gut leben kann – es gibt schließlich schlimmeres als ein gutes Dutzend an sardonischen Spaß machenden Noiserock-Ohrwürmern, die den Gutteil des restlichen Genre-Jahrgangs in die Tasche stecken.
Daher The World Is Still Here and So Are We auf einen kohärent ausgerichteten Spannungsbogen verzichtet und eine sprunghafte Songsammlung darstellt, hätten die nominellen B-Seiten Fan Learning Difficulties und That Was My Brain on Elves übrigens auch gut in den Kontext gepasst. Und den Comeback-Kreis ein wenig runder geschlossen.

Shalowater - God's Gonna Give You a Million Dollars32. Shallowater – God’s Gonna Give You a Million Dollars

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Hayden Pedigo ist zu Gast für den Albumcloser von God’s Gonna Give You A Million Dollars, indirekt aber auch für die Namensgebung von Shallowater, wie die Band erzählt: „We changed the name every performance (…) because it didn’t really matter. We were just playing our friends’ living rooms, or our own living room. And then our really good friend, Hayden Pedigo, got signed to Mexican Summerwhile he was living in Lubbock, and he had some money for a music video. We were invited to just be on set, hang out, and we ended up being in the music video for “Letting Go.” It was all shot in Shallowater, Texas“. Wieder was gelernt!
Ganz egal, welchem Namen die junge Band nun ohne Pedigo gefunden hätte: Der ideelle Wert, den Shallowater mit ihrem Dirtgaze all jenen bescheren, die sich immer schon gefragt haben, wie es wohl klingen könnte, wenn John K. Samson nach dem Ende der Weakerthans Vorstand eines Hybriden aus Duster, Slint und Codeine geworden wäre, ist praktisch nicht mit schnödem Mammon aufzuwiegen. All My Love zieht jedoch eine besonders schöne Schleife um die eindrucksvolle Evolution der Band..

Sanguisugabogg - Hideous Aftermath31. Sanguisugabogg – Hideous Aftermath

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He looked at me and said, ‘I think we made a pretty cool record’”. Mit diesen Worten hat Kurt Ballou Sanguisugabogg nach den Aufnahmen zu ihrem dritten Studio aus den Godcity Studios entlassen, wie Sänger Devin Swank nicht ohne Stolz über die neuerliche Zusammenarbeit mit dem Converge-Gitarristen (der diesmal nach dem Engineer-Job am Vorgängeralbum Homicidal Ecstasy gleich die Rolle des Produzenten übernommen hat) und insofern einen elementaren Anteil daran trägt, dass die (ihr Free Luigi-Shirt übrigens nicht in den offiziellen Merch-Kanon aufgenommen habende) Band aus Ohio mit ihrem Drittwerk endgültig vom Gimmick zur ernstzunehmenden Macht im modern slammenden Death Metal hochgearbeitet haben.
Inklusive Godflesh-Industrial-Ausflügen und einer von Nails-Mann Todd Jones bis zu Full of Hell-Brüllwürfel Dylan Walker reichenden, eindrucksvollen Gästeliste, die an keinen individuellen Schwerpunkten interessiert ist, sondern einfach zusätzliches Kerosin in den moshenden Pit kloppen soll, ist Hideous Aftermath mehr als alles andere aber der Gym-Rage-Soundtrack 2025.

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