Black Rebel Motorcycle Club – Specter at the Feast

von am 17. März 2013 in Reviews

Black Rebel Motorcycle Club – Specter at the Feast

Der Rahmen aus intensiven Start und überragendem Finale hievt das siebte Black Rebel Motorcycle Club-Album locker darüber hinweg, das erste schwache Werk der Lederjacken-Gang zu sein. Die Stagnation zwischen alter Stärke und einer bisher ungekannten Inspirationslosigkeit geht auf der Berg-und-Talfahrt ‚Spector at The Feast‚ dennoch ein wenig auf den Magen.

Wieviel besser ‚Spector at the Feast‚ mit einer ausgewogeneren Tracklist-Zusammenstellung sein hätte können. So aber durchläuft  die Platte im Mittelteil eine Durststrecke, die derart ausgeprägt noch kein Black Rebel Motorcycle Club-Werk überstehen musste. Der Einbruch passiert vor allem augrund von ‚Hate the Taste‚, ‚Rival‚ und ‚Teenage Disease‚. Bei dem beinahe kopflosen Versuch die Hitmaschine in Richtung ‚Six Barrel Shotgun‚ und Co. anzuwerfen verfängt sich das Trio um die Konstanten Peter Hayes und Robert Levon Been drei unbedacht aneinandergereihten Stangen-Rockern, die weniger aufgrund ihrer schwächelnden Songwriting-Performance Ermüdungserscheinungen aufweisen, als durch die hintereinander folgende Anordnung den Fokus auf vorhandene Mängel legen: Wo ‚Teenage Deisease‚ als simpler Rocker nach Schema F die eigene Vergangenheit ohne gravierende Ideen zitiert, mutieren vor allem dessen beide Vorläufer zu einem einzigen Ärgernis. ‚Hate the Taste‚ zeigt Potential, erschöpft dieses jedoch in einem penetrant ideenlosen Hans-Dampf-Refrain („I wanna ride with you/ I wanna ride with you„). Und ‚Rival‚? Fängt vielversprechend kräftig am Effektpedal kickend an – und recycelt dann einfach denn ‚Haste the Taste‚-Chorus absolut dreist: „I need a rival/ I need a rival„.

Besonders irritierend gerät dieser flotte Dreier aufgrund der nachfolgenden ‚Some Kind of Ghost‚ und ‚Sometimes the Light‚: zwei ätherisch treibende Klangmeere zwischen atmosphärisch dichtem Ambient, verhaltendem Country-Gospel und mäandernden Soul-Anleihen. Grundsätzlich wunderbar stimmungsvolle Kleinode aus der Windrichtung von ‚Howl‚ – hier als theoretische Ruhe nach dem Sturm aber praktisch etwas ziellos im Raum stehend. Gemeinsam mit ‚Lullaby‚, dem letzten Rest an ausdrücklicher Country-Entspannung, der acht Jahre nach dem stilbrechenden Drittwerk aktuell vorhanden ist, dennoch eine gelungene Fingerübungen für den Black Rebel Motorcycle Club. Vor allem auch Ausdruck der geleisteten Trauerarbeit auf ‚Specter at the Feast‚: Michael Been, Vater von Robert Levon und Mentor, Produzent (des 2010er Albums ‚Beat the Devil’s Tattoo‚) und Sound-Techniker der Band, erlag 2010 während des Black Rebel Motorcycle Club-Auftritts auf dem Pukkelpop einem Herzinfarkt.

Ihm zu Ehren assimiliert das Trio auch ‚Let the Day Begin‚, eine Single von Michael Beens Band The Call aus dem Jahr 1989. Abgewaschen wurde jeglicher 80er-Look, dafür klebt nun der Staub der Straße an dem treibenden Hit. Ein klein wenig prallt der rhythmuslastige Song allerdings zwischen zwei Ruhepole, vor allem auf den fantastischen Opener ‚Fire Walker‚. Der lässt sich erst zwei Minuten Zeit, ehe er als verhaltener, psychedelisch hypnotisierender Stampfer eine unheimlich dichte Atmosphäre vor jegliche vordergründige Eingängigkeit stülpt. Noch majestätischeres liefern Been, Hayes und Shapiro dahinter jedoch mit ‚Returning‚ ab: an epischen Noisepop-Großtaten geschult röhrt der tiefe Bass hier zu einer elegischen Schönheit mit schwerem Herzen und berührendem Text – eine beinahe unscheinbarer Geniestreich.

Wären da nicht ‚Funny Games‚ (packende Refrains inmitten malender Rocker sind ihnen also durchaus möglich!) und vor allem der drückend schwere, beinahe sieben Minuten lang ausgewalzte Brocken ‚Sell It‚ – die Stärke der siebten Black Rebel Motorcycle-Platte läge klar in den ruhigsten Momenten. So aber kriegt das Trio die Kurve auch im verschwitzten Modus mit aufgedrehten Verstärkern letztendlich doch noch. ‚Specter at the Feast‚ fehlen sicherlich die überragenden Singles der Vorgänger und unter dem Mikroskop ist es neben ‚Beat the Devil’s Tattoo‚ wohl eventuell das schwächste Album der Band – aber eben immer noch kein schwaches. Selbst ein Werk, dass nur souveräne Stagnation auf solidem Niveau liefert, verspricht im Falle des Black Rebel Motorcycle Club eben Qualität. Auch, weil überlebensgroße Szenarien wie das zwischen U2 und Coldplay aneckende, melancholisch betörende Feuerwerk  ‚Lose Yourself‚ erst einmal derart bodenständig und zurückgenommen geschrieben werden wollen. Spätestens nach diesen verabschiedenden 9 Minuten ist jegliches Straucheln auf ‚Specter at the Feast‚ beinahe vergessen.

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3 KommentareKommentieren

  • Frittenbuddhist - 17. März 2013 Antworten

    Ich kann hier nahezu komplett zustimmen… besonders was die Tracklist-Zusammenstellung angeht. Es ist mir vollkommen unbegreiflich, was sich der Club dabei gedacht hat. Wenn eins, zwei Lieder im Mittelpart gestrichen, oder gleich ausgetauscht worden wären, sowie noch ein „Brückenlied“ den sehr abrupten Übergang von ‚Fire Walker‘ zu ‚Let the day begin‘ ein wenig erträglicher gemacht hätte, hätte Specter at the Feast ein richtig schönes Album werden können. So bleibt es zwar im Vergleich zu diversen anderen Bands immernoch gut, teilweise sehr gut… aber insgesamt war und ist es eine mittelprächtige Enttäuschung für mich.

  • SPOX - 17. März 2013 Antworten

    Verfasste Zeilen treffen den Nagel via direktestem Weg auf den Kopf. Buchstäblich spricht es mir aus der Seele. Treffender hätte man es nicht formulieren können…

    Hut ab Schreiberlinge!
    Trotzdem tue ich mir die Kapelle natürlich auch ein drittel mal live an…

    Beste Grüße,
    beatspox

  • Frittenbuddhist - 17. März 2013 Antworten

    Hihi… schöne Grüße aus dem PT-Forum, (beat)spox. 🙂

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