Bleach Wave – East Jesus

von am 20. April 2021 in Album

Bleach Wave – East Jesus

Das erstes Album von Cameron McBride unter seiner 90er-Alternative Rock-Spielwiese Bleach Wave kann die hohen Erwartungshaltungen, die eine Reihe hochinfektiöser Kurzformate über die vergangenen Jahre etablierte, leider nicht vollends stemmen. Das macht East Jesus jedoch noch lange zu keiner wirklichen Enttäuschung.

Immerhin stehen die Chancen verdammt günstig, dass man, wenn die etablierte Bleach Wave-Gangart bereits bisher angefixt hat, auch mittels East Jesus unmittelbar abholt und über den Verlauf von (zu ausführlichen) 53 Minuten an Bord behält, bis das weitläufig angelegte Salton Sea (Paradise Fades) seine Komfortzone zwischen Shoegaze und Powerpop sehnsüchtig mit knackigem Bubblegum-Emo füllt.
Allerdings ist der Debüt-Langspieler gerade in diesem Fall dann doch ein solcher, der weniger seine Stärken in die Auslage stellt, als vielmehr die Dinge, die dann noch besser umsetzbar gewesen wäre.

Es ließ sich beispielsweise bereits erahnen, und bewahrheitet sich nun, dass, was auf die kompakte Distanz von EPs oder im Singleformat ganz wunderbar aufzeigte, auf die Summe der Albumlänge gedehnt durchaus auch gleichförmig konzipierte Ermüdungserscheinungen erzeugen kann: Die Formel, rund um wuchtige Rhythmen und breitbeinige Powerchords absolut schmissige, aber noch zurückhaltendere Strophen an auf den Verstärker tretende, sich die Dringlichkeit leidenschaftlicher hinauszuschreienden Refrains mit Instant-Mitsing-Charakter zu ketten, ist nicht nur im Alternative Rock schließlich so bewährt wie smart, so simpel wie effektiv – sondern auch irgendwann zu vorhersehbar. Gerade wenn Ohrwürmer wie das einfach noch pointierter fokussiert hätte werden könnende, eine melancholische Unaufgeregtheit packende Drain seinen mitreißenden Chorus gar zu oft bemühen.

Dabei gibt sich McBride durchaus ambitioniert, dieses Schema aufzubrechen – und trägt mit einer sich im Rahmen bewegenden Varianz paradoxerweise zu einer gewissen Ambivalenz in der Rezeption bei, weil nicht jede Rechnung aufgeht.
Problem etwa fühlt sich ungeniert als Jump the Shark-Hit („Hey you/ Got a fucking problem?/Fuck you/ You’re the fucking problem! “ – das geht so hartnäckig nicht mehr aus den Gehörgängen!) direkt neben Blink-182 wohl, während ein God os Love mit dunklem Früh-00er-Rhythmus androgyne Glam-Tendenzen zeigt, aber letztendlich absolut eklektisch in einen zu banal austauschbaren „Yeah! Yeah!“-Frontalangriff mündet. Egal: das funktioniert!

Over My Head zieht seine von den Silversun Pickups annektierten Pumpkins-Soundschleifen zu Assoziationen wie Sum 41, verpackt diese aber mit Schönheitsfehler zündend – die kontemplativere Artikulation steht der Dynamik der Platte gut und das Solo ist auch toll zurückgelehnt, doch hat die Nummer über sieben Minuten Spielzeit einfach auch einiges an unprägnanten Leerlauf. Anderswo findet ein träumender schwelgendes Titelstück mit seinen atmosphärisch-plätschernd eingestreuten Akustikgeschrammel und beschwörenden „Nana“s nicht vollends zum Punkt und Temporary hätte seine verwegene Outlaw-Gitarre sowie ein in der Bridge herrlich Feuer machendes Schlagzeug noch konsequent einsetzen können, während der fiepende Cuomo-Poppunk von Toxic und das postgrungig bratzend-ballernde Goddamn einfach nicht über die fetten Standard hinauskommen.

Selbst das hat seinen anachronistischen, eklektischen Charme, der dank eines immanenten Händchens für eingängige Melodien und catchy Hooks keineswegs nur über die Nostalgieschiene (alleine dieser Parental Advisory-Orden!) abholt.
Doch wenn man sich vor Ohren führt, dass McBride mit (dem über die Zeit gewachsenen) Gaslighter oder Peppermint Bliss (das Gitarrenbrett, das Weezer seit dem Weißen Album mal wieder nicht schreiben wollen) eigentlich auf ein noch ärgeres Kaliber von Hits abonniert ist, drosselt East Jesus im Ganzen vielleicht ein wenig die Euphorie um Bleach Wave, wird aber gerade auch mit ein wenig Abstand ohne jegliche Frustration vor allem selektiv besucht die Vorzüge dieses Projektes unterstreichen.
Oder: dieses (sehr) gute Album hätte zu einer noch stärkeren EP destilliert werden können, zwischen den Punkten liegend scheint die Aufwertung allerdings nicht nur mit Fanbrille gerechtfertigt.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen