Blues Pills – Blues Pills

von am 30. Juli 2014 in Album

Blues Pills – Blues Pills

Viele werden raunzen: „Schon wieder eine Retro-Rock-Formation, als gebe es nicht bereits genug!“ Dabei wäre es lohnenswert sich das Debütalbum ‚Blues Pills‚ der gleichnamigen jungen, internationalen Soulrockband zumindest einmal anzuhören, bevor gemeckert wird. Die Blues Pills schafften (nur mit zwei EP’s im Gepäck) durch ihre vielgelobten Konzerte schnell einen Hype wie er im Buche steht auszulösen und gleichzeitig die Erwartungen an ihr erstes Album extrem hoch anzusetzen. Ggerade das ist gefährlich.

Würde man nicht mit Vergleichen sparen, da diese schließlich suggerieren, dass die darin genannten Bands kopiert werden, könnte man sie mit einer Mischung aus Janis Joplin, Cream, Fleetwood Mac, Jimi Hendrix’sche Gitarre, Led Zeppelin, der stetig wachsenden Nuclear Blast-Retro-Abteilung [Graveyard, Vintage Caravan, Kadavar …] und Aretha Franklin beschreiben. Aber da man davon ausgeht, dass jede Band Vorbilder und Einflüsse hat, die mal mehr mal weniger offensichtlich zitiert werden, lässt man diesen Vergleich lieber sein. Die erste Singleauskopplung des Albums ‚High Class Woman‚ ist – Vorlage hin oder her – definitiv mitreißend. Der Song geht sofort ins Ohr und durch die starke, rockige Soulstimme der schwedischen Sängerin Elin Larsson ist er nur schwer ausblendbar. Aber das ist nicht die einzige Nummer, die eine solche Wirkung entfaltet. ‚Devil Man‚ beispielsweise überzeugt und überrascht (die schwedische Rockröhre ist schließlich erst 20 Jahre alt) mit der stimmlichen Leistung der Sängerin der Blues Pills. Aber auch musikalisch hat die Band einiges zu bieten. Es handelt sich nicht um pures Abkupfern; die Songs sind inspiriert von den Größen der 60’s und 70’s, haben aber trotz allem eine gewisse Frische und ihren eigenen Sound. Aber es sind nicht nur die druckmachenden, treibenden Nummern wie ‚Ain’t no Change‚ ,‘Jupiter‚ oder das Chuck Berry-Cover ‚Gypsy‚, sondern auch die Balladen (‚River‚“, ‚No Hope Left For Me‚ oder die bluesy Soulnummer ‚Astralplane‚), die überzeugen können.

Ein Manko für viele, die die EP’s bereits gehört haben, könnte sein, dass zu den sieben veröffentlichten Songs sich auf dem Debütalbum nur mehr drei „unbekannte“ dazugesellen. Was natürlich den Neuigkeitsfaktor des Albums herunterschraubt. Unbestreitbar ist aber, dass der Reifeprozess den die Songs vor der Aufnahme auf den Konzertbühnen durchlaufen haben, durchaus förderlich war und der Band die Möglichkeit gab, die bereits bekannten Nummern verändert (man könnte auch optimiert meinen) für das Debüt einzuspielen. Ein starkes Debüt, dessen Reiz definitiv auch mit dem musikalischen Niveau und der Fähigkeit des blutjungen Quartetts, dem Genre einer Verjüngungskur zu unterziehen, zu erklären ist.

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1 KommentarKommentieren

  • Oliver - 30. Juli 2014 Antworten

    Klingen wegen des (tollen, fiebrigen, organischen) Don Alsterberg-Retrosounds meiner Meinung nach zu sehr „nur“ nach „Graveyard mit Frauengesang“, haben dazu die weniger starken Songs auf Lager. Trotzdem ein gutes Debüt, tighte [Radio Moscow-]Rhythmusgruppe, Top-Gitarrenarbeit. 06/10 😉

1 Trackback

  • Blues Pills - Lady in Gold - […] Crux am bisweilen etwas unausgegoren ausgerichteten, 2014 jedoch auf einer nicht unberechtigten Welle des Enthusiasmus daherkommenden Debütalbum der Blues…

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