Album
Zugegeben, die Erwartungshaltungen an das 36ste Studioalbum von Neil Young waren nicht unbedingt hoch. Wegen des mediokren Telefonzellenalbums 'A Letter Home', mehr aber noch wegen der sich im aktuellen Liveprogramm als Rohrkrepierer erweisenden Fremdschämplattitüde 'Who's Gonna Stand Up?'. Im Endeffekt überrascht der 68 jährige mit 'Storytone' allerdings zumindest im doppelten Sinne absolut positiv.
Toby Driver hat im Vorfeld der sechsten Studioplatte von Kayo Dot die Geister von The Sisters of Mercy, Scritti Politti, Peter Gabriel und Genesis als aktuelle Leitfiguren seiner so gerne überfordernden Experimental-Avantgarde-Großmacht beschworen. 50 Minuten später machen die zuerst irritierenden Referenzen durchaus Sinn: 'Coffins on Io' ist das mit Abstand zugänglichste Werk der Band bisher geworden, eine verträumt-eingängige Prog-Pop-Skizze für den Weltraum der 1980er.
Und sie erwischen einen schon wieder am falschen Fuß: Von Spar erfinden unter Zuhilfenahme von schwerelosem Softrock, elektronischem Pop und nostalgischem Captain Future-Soundgewand auf 'Streetlife' den unaufgeregt-tanzbaren Krautrock für die Disco.
Wien als Nabel der Welt und der gar nicht so nostalgische Blick zurück auf alte Säulenheilige als stets zeitgemäßes Leitbild: Wanda bringen dem Austropop schrammelnden Indierock bei und betrachten dabei die Liebe elfmal durch den Boden leerer Schnapsflaschen.
Sechs Jahre nach dem mit seinen Vorzügen hinter dem Berg haltenden 'Let The Dominoes Fall' stellen die Kalifornier unter Beweis, dass sie den unkomplizierten Zug zum Hit immer noch so mühelos aus dem Ärmel schütteln, wie sonst keine andere Band im Punkrock. Was ihnen bei aller Back to the Roots- Leichtigkeit aber etwas abhanden gekommen ist, sind Maß, Ziel und Gewicht.
Über Watter zu schreiben, heißt natürlich auch das S-Wort zwangsläufig benutzen zu müssen - und das nicht zu Unrecht. Denn die Reputation, die die beteiligten Musiker durch ihre zahlreichen namhaften Arbeitgeber mitbringen gibt vielleicht die Ausrichtung von 'This World' vor, steht einem der besten Instrumental/Postrock-Alben des Jahres aber nicht im Weg.
Botanist Roberto Martinelli ist mittlerweile auf The Flenser angekommen, wahrt aber auf dem an Außenseiter-Veröffentlichungen reichen Kalifornischen Label nicht nur seine eigenwillige Ausnahmestellung als unverwechselbarer Fakelträger des originären Hackbrett-Black Metal, sondern verfeinert sein Schaffen sogar abermals zunehmend.
Conrad Keely und Jason Reece geben sich weniger frontal als zuletzt und ziehen sich von melancholischen Verlustgedanken geprägt in einen Rausch aus großen Melodien, klug arrangierten Riffs und kraftvoller Sehnsucht zurück: ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead sind (endgültig wieder) eine todsichere Bank.
Der große, stets gut gelaunte Blonde von Die Ärzte ist nach sechs Jahren mit seinem Racing Team zurück. 'Faszination Weltraum' heißt Farin Urlaubs viertes Soloalbum und verspricht Lieder, die „mit der Kraft einer mittelgroßen Büffelherde um die Ecke kommen, die hakenschlagend durch die gepflegten Blumenbeete der zeitgenössischen Popmusik trampelt“. Eine imposante Umschreibung für – kurz gesagt – etwas zu glatten Rock.
Über die Dauer von 'The Last Dawn' könnte man Mono guten Gewissens daran messen, wie erhaben die Japaner in ihrem Metier abermals agieren - und nicht, wie wertkonservativ sie ihren Postrock hier ausbreiten. 'Rays of Dawn' führt danach allerdings ohnedies vor, dass die Band künstlerischen Stillstand weiterhin aus ihrem Vokabular zu streichen versucht.










