Clap Your Hands Say Yeah – Only Run

von am 29. Mai 2014 in Album

Clap Your Hands Say Yeah – Only Run

Hat Alec Ounsworth Clap Your Hands Say Yeah nur deswegen mühsam wiederbelebt um seine Band nun in den Seilen hängen zu lassen? Am Ende kann sich der Indierocker in seinem zweiten Leben nicht einmal mehr selbst zwischen zwei Versionen eines Songs entscheiden – aber auch abseits davon hinterlässt ‚Only Run‚ nach anfänglicher Begeisterung vor allem ratlos.

Das vierte Studioalbum der auf dem Papier zum Duo geschrumpften Truppe tut dies als Platte, die erfreulicherweise über den Erwartungen, aber regelrecht ermüdend hinter ihren Möglichkeiten bleibt. Indem sie zahlreiche Versprechungen in den Raum wirft, aber kaum eines davon wirklich einlöst: ‚Only Run‚ strotzt vor vielversprechender Grundrisse, kündigt immer wieder  Höhepunkte an, mäandert letztendlich jedoch vor allem zwischen unausgereiften Ideen und Skizzen umher – ein wenig , als würde man die Vorzüge einer Thom Yorke-Platte anhand der Unzulänglichkeiten der letzten The Killers Alben zu rekonstruieren versuchen.

Dabei hat Ounsworth auf Albumlänge entgegen der auf der ‚Little Moments‚-EP ankündigten Aussichten (und obwohl zwei Songs beinahe nahtlos übernommen wurden bzw. ‚Once‚ gut kaschiert als modifizierte Neubearbeitung auftaucht) durchaus potente Anstriche gefunden, um Clap Your Hands Say Yeah nach dem Ausstieg dreier Gründungsmitglieder als Quasi-Soloprojekt wiederzubeleben, indem er die im letzten Jahr angeteaserte Vision den Indierock seiner Band mit mehr Synthies und Keyboards vor den Gitarren anzureichern in einen durchaus stimmigeren Kontext aufschlichtet und nicht mehr derart verbissen nach Relevanz sucht.
Doch schon die gelungene Anfangsphase von ‚Only Run‚ zeigt auch die Probleme der Platte auf: im druckvoll auf seine Rhythmik gestützten ‚As Always‚ gelingt Ounsworth ein kraftvoller Startpunkt, die hechelnde Single ‚Coming Down‚ hetzt mit The National Ausnahmestimme Tom Berninger im Schlepptau getrieben dahin. Dazwischen steht ‚Blameless‚ mit seinem 80er-Delay auf der Gesangsspur und bratenden Bässen: eine stimmige Nummer sicherlich, aber im Endeffekt nicht mehr als eine ziellose Behandlung eines Songkorpus ohne den nötigen zündenden Geistesblitz im Songwriting und schlussendlich die eindruckslos hinterlassende Startrampe für ‚Coming Down‚.

Only Run‚ bleibt auch in weiterer Folge paradox: als aneinandergereihtes Stückwerk ein vage Vorstellung eines mutmaßlich in sich greifenden Zahnwerks, dass als Ganzes am sinnvollsten funktioniert, obwohl sich die einzelnen Bausteine mit Fortdauer immer mehr Überbrückungsmaterial zwischen den konsequent zugespitzten, aber selten aufgelösten  Spannungsmomente entpuppen. Der Weg scheint für Ounsworth das Ziel gewesen zu sein, einzig: um Motive und Melodien Kreise zu ziehen, funktioniert hier zu kaum einem Zeitpunkt bedingungslos intensivierend oder mediativ. Viel eher wirken Clap Your Hands Say Yeah mit dem gebliebenen Händchen für Melodien etwas orientierungslos von den Möglichkeiten der teilweisen Neuerfindung überfordert – es fehlt an den nötigen Impulsen, den kleinen Kniffen oder den großen Ausbrüchen.
Das kristalin stampfende ‚Little Moments‚ füllt so einzig den Raum auf, die halluzinogene Soundfläche ‚Your Advice‚ weiß mit leidendem Gesang nicht so Recht wohin mit sich selbst, ‚Beyond Illusion‚ fällt nichts anderes ein als eine inspirationslose Minimalmelodie aus dem Synthesizer zu locken und ‚Cover Up‚ verglüht durchaus einnehmend ohne bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Bezeichnend, dass ausgerechnet ‚Impossible Request‚, wenn Ounsworth hinten raus der Knopf aufgeht sicherheitshalber eine zweite Version im Laptopgewand mit Damengesang nachgeschoben wird.
Letztendlich ist ‚Only Run‚ ein Potemkin’sches Dorf geworden, daneben aber tatsächlich keine schlechte Platte: Clap Your Hands Say Yeah unterhalten für die Dauer ihres Quasi-Comebacks durchaus gefällig und nahtlos, gehen dabei unmittelbar ins Ohr und entfalten auch einen nicht geringen Teil an Charme – können aber danach nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich aus dem formlos bleibenden ‚Only Run‚ nach knappen 40 Minuten außer Erkenntnissen kaum langfristig etwas mitnehmen lässt.

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