Coheed And Cambria – The Afterman: Descension

von am 21. Februar 2013 in Album

Coheed And Cambria – The Afterman: Descension

Coheed and Cambria schicken Sirius Amory im abschließenden Teil ihres Odysse-Zweiteilers ‚The Afterman‚ wieder nach Hause. Und bestätigen nebenbei den vor knapp fünf Monaten prolongierten Qualitätsanstieg ihres umtriebigen Progrock-Gemischs.

Die Quintessenz der Erkenntnisse aus ‚The Afterman: Ascension‚: Coheed and Cambria hören darf endlich wieder Spaß machen. Restlos vom konzeptuellen Ballast befreit gehen die New Yorker um Zampano Claudio Sanchez zwar nach wie vor nicht zu Werke – auch ‚The Afterman: Descencion‚ gönnt dem einen oder anderen Song hinten raus einen die Handlung weiterspinnenden Appendix, erzählt mit lang gezogenen Vokalen dazu erklärterweise die Space-Odyssee vom zentralen Charakter Sirius Amory zu Ende – letztendlich ist das überbordende Drumherum aber bei Nichtbeachtung der Handlung wieder erstmals zur Nebensache geworden, bei Interesse zu einem fesselndem Überbau, in keinem Fall aber mehr als erdrückendes Konstrukt oder Damoklesschwert über dem Songwriting hängend.

The Afterman: Descension‚ spinnt den von ‚The Afterman: Ascension‚ so geschickt in Position gebrachten Faden weiter, zeigt Coheed and Cambria also weniger als überambitionierte Barden der Science-Fiction-Progrock-Oper, sondern als zielorientierte Band, die allen unnötigen Ballast über Bord geworfen hat und von Song zu Song ziehend wieder mit eingängigen Kompositionen und viel unkomplizierten Spielwitz in meistens gar nicht so unkomkomplizierten Kompositionen um sich wirft. Genug Gimmicks und petto haben Sanchez und Co. dabei freilich trotzdem immer noch im rappelvollen Jetpack. So überrennen das Ende der funky Gitarrenlick-Disco ‚Number City‚ beinahe lächerlich pompöse Musical-Bläser, der groovende Rock von ‚The Hard Sell‚ verlangt hingegen praktisch nach einer Film Noir Umsetzung mit Cheerleadern, hackt im Refrain sogar noch dezent seine Stakkato-Vision von Mathcore raus. ‚Gravity’s Union‚ gönnt sich seine ganz eigenen Billy Talent-Momente und ‚Away We Go‚ flächige Synthies. Peinlich ist dem Quartett ja seit jeher kein noch so kitschiges Mittel, und endlich ist das auch wieder gut so.

Iron Fist‚ wäre eine besinnliche Lagerfeuerballade mit einem romantischen Banjo-Sanchez und dem militärische drillenden Drumcomputer Josh Eppard in den Hauptrollen – aber eben nur so lange bis die Pferde mit dem Gitarrero durchgehen und ein wunderbar schmalziges Powergitarrensolo das Szenario Richtung 80er und Actionfilm-Porno verschiebt. Drumherum lassen Coheed and Cambria ihre dramatischen Szenarien mit wilden Metalpirouetten wellenförmig walzen (‚Pretelethal‚) oder das permanent untrügliche Gespür für unheimlich catchy Hooklines vor nimmermüdem Instrumentenhandwerk in schon lange nicht mehr gehörten Höhen aufleben (‚Key Entity Extraction V: Sentry the Defiant‚). ‚The Afterman: Descension‚ setzt sich mit all seinen Facetten also mindestens ebenso spielerisch und abwechslungsreich auseinander wie sein zweieiiges Zwillingsalbum, schließt den Rahmen in ähnlich kompakten Rahmen aber sogar noch ein quäntchen stimmungsvoller, bis zum euphorischen Pianorocker ‚2’s My Favorite 1‚ hin durchwegs ausfallfrei.

Der kurzweilige Doppelpass aus dem Amory Wars-Universum muß sich dennoch ein klein wenig die obligatorische Frage gefallen lassen, ob ein einzelnes Album  mit den herausragendsten Stücken die wiedergefundene Stärke der Band nicht effektiver konzentriert hätte. Hätte es ziemlich sicher – aber damit eben auch einige der knackigsten Nummern der Band bis dato unter den Tisch gekehrt. Dass mit ‚In Keeping Secrets of Silent Earth: 3‚ der herausragendste Punkt der Bandgechichte längst in unerreichbaren Sphären und der Vergangenheit liegt ist da absolut nebensächlich, weil eben nicht mehr nur blasse Erinnerung, sondern wieder Orientierungspunkt. Der Spagat zwischen Ambition, Geschmack und Unmittelbarkeit des Rock gelingt Coheed and Cambria wieder durchwegs. Außerdem straft ‚The Afterman: Descension‚ das Konklusio der Rezension zum Vorgänger Lügen: selbst in Summe ergeben die beiden Alben kein „erschlagendes Gesamtwerk“ – sondern die bisher vielleicht sogar kurzweiligste Hitsammlung der Band. So macht Coheed und Cambria-hören tatsächlich wieder Spaß.

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