Darkthrone – Astral Fortress

von am 1. November 2022 in Album

Darkthrone – Astral Fortress

Darkthrone fahren mit ihrer ikonischen Frühphase weiterhin – diesmal sogar im artworktechnischen Sinne – Schlittschuh: Fenriz und Nocturno Culto spendieren Eternal Hails… aus dem Vorjahr mit Astral Fortress einen direkten Nachfolger.

Auch wenn sich die beiden Norweger abermals alle Mühe geben zu demonstrieren, wie wenig sie sich selbst ernst nehmen: als Quereinsteiger im Proto-Metal/ Doom-Metier agieren Darkthrone weiterhin versierter, als so mancher von der Pike auf gelernt habende Genre-Vertreter.
Gleich Caravan of Broken Ghosts schleppt sich im organischen, ungeschönten Sound heavy zum mittelalterlichen Riff im getragenen Tempo, herrschaftlich abgekämpft. Zur Mitte tritt die Band jedoch auf das punkige Sabbath-Gaspedal und schraubt die Gitarren an (womit übrigens auch das Tempolimit der Platte oben wie unten abgesteckt ist), lehnt sich im Wechselspiel zurück und rührt ein heroisch nickendes Finale an: Astral Fortress unterstreicht unmittelbar, dass das Duo zähe, packende  Gitarrenfiguren und archaische Rhythmen – zumal in einen schlüssigen Fluss gebracht – einfach und dynamisch kann, selbst ein Schnellschuss hängt da das Gros der Konkurrenz scheinbar mühelos ab. Ebenso symptomatisch für das neunzehnte Studioalbum der einstigen Black Metaller ist aber, dass der Opener gefühlt zu früh für beendet erklärt wird.

Was das bedeutet, lässt sich noch besser anhand des Finales der Platte nachvollziehen. Nach dem stimmungsvollen, aber redundant aus dem Nichts kommenden und kaum Notwendigkeit im Kontext erzeugenden Suspense-Interlude Kolbotn, West of the Vast Forests galoppiert Eon 2 zwar versiert am Proto-Metal, gönnt sich mit der akustischen Gitarre auch ein paar feine klangliche Facetten, doch ist die Nummer abermals viel zu abrupt abgedreht – gerade als Closer. Durch das erst kurz zuvor platzierte ambiente Intermezzo wirkt es außerdem insofern einfach, als würde Astral Fortress hinten raus zumindest ein Song fehlen, während das Material ganz allgemein oft eher wie die Sammlung nonchalant ihre Klasse andeutender Fingerübungen erscheint, die das epische und hymnische Momentum ins Auge fasst, dabei jedoch nicht das in letzter Konsequenz nötige Gewicht erzeugt, um einen nachhaltigen Reiz zu entwickeln.

Stattdessen vermitteln Fenriz und Nocturno Culto (selten, abr doch) sogar den Eindruck, als wäre es ihnen nicht den Aufwand wert gewesen, ihre Ideen soweit zu destillieren, um sie zu tatsächlich herausragenden Momenten zu bündeln, auch in dieser Ausrichtung ikonisches anzustreben. Dabei deutet das unaufgeregte The Sea Beneath the Seas of the Sea (hm….okay?) mit einer latent majestätischen Geduld an, was dem Duo hier möglich wäre – spätestens wenn sich die Nummer kurz mit einem klar phrasierten, fast theatralisch gesungenen Melodiebogen über Celtic Frost aufbäumt, Dungeon Synth-Elemente (dezent, aber so effizient für tiefentexturierende Nuancen sorgend) in dem erhebenden UK-80er-Wogen auftauchen, und plötzlich wirklich die vorab prolongierte „epic journey of old metal“ stattfindet.

Dennoch machen Darkthrone genau genommen auch sonst ur wenig falsch, sicher jedoch nichts auch nur ansatzweise schlecht – einiges (gerade was die Arrangements und das Einarbeiten von Wurzeln ihrer Frühphase angeht) sogar besser als zuletzt.
Impeccable Caverns of Satan zelebriert mit viel Traditionsbewussten klassische Oldschool-Tugenden und besticht auch durch sein in jeder Hinsicht komplett unmodernes Auftreten, derweil die aufheulende (grandios charakterstarke) Gitarrenarbeit Black Metal-Motive (die zwischen den Zeilen diesmal ästhetisch greifbar wie lange nicht scheinen) in ein anderes, eben natürlich stark gedrosseltes Tempo übersetzen, die simplizistische Rhythmik sogar wie gediegener Hardrock marschiert. Auch Kevorkian Times fügt ein Tremolo-Flimmern als Schatten der Vergangenheit in einen soliden Standard ein. Stalagmite Necklace schraffiert seine raspelnd  wiederhallenden Nocturno-Vocals in der Schwergängigkeit, webt jedoch abermals subtile Synthies an der Grenze zur Zurückhaltung ein, und suggeriert dann eine Detailliebe im nicht stumpfen, aber doch sehr archaischen Pragmatismus, die seitens der Institution gerne öfter erahnbar hätte sein dürfen. Sie hätte aus einer sehr guten Erweiterung des Katalogs ohne großen Kraftakt womöglich eine grandiose machen können.

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