Dusted – III

von am 20. September 2021 in Album

Dusted – III

Brian Borcherdt ist Vater geworden und mit seiner kleinen Familie von Toronto zurück nach Nova Scotia gezogen. Dies führt auch auf Dusted-Album Nummer III zu einer in sich gehenden Wurzelsuche.

Als Initialzündung für III macht Borcherdt das Wiederfinden alter, vergessener Demos auf einer kaputten Festplatte und die Auseinandersetzung mit diesen auf den langen Siedel-Wegstrecken zwischen den wechselnden Wohnsitzen aus – und meinte das wiederkehrende Motiv des Loslassens als übergeordnetes und bis heute aktuelles Muster in seinem Material zu erkennen.
In dieser Ausgangslage ist Dusted III dann als Rückbesinnung auf die Solo-Anfänge und weg vom Bandsound auf Blackout Summer gehend eine wunderbare Kleinod-Sammlung an wie skizzierten Miniaturen des Singer Songwriter-Slowcore und Indie Folk geworden, deren Atmosphäre in bittersüßer Melancholie aus der zarten, leicht im Lofi-Hall entfremdeten Stimme Borcherdts sowie einer Gitarre, manchmal auch einem souligen E-Piano entsteht.

Verträumt unwirkliche Schönheiten, schon auch ein bisschen ohne individuell markante Expressivität in kompositioneller Hinwicht, sind das, irgendwo in der Nähe der niedlichen Shins oder jenseits der Cigarettes After Sex-Plattitüden. Noch öfter darf man an die filigransten Szenen von Low, Fleet Foxes, Wintersleep oder Mount Eerie denken, wenn der Sound so ruhig und intim eine weichen Wärme entwickelt.
Die gleichzeitig minimalistisch und sparsam inszenierten, aber tiefenwirksam – imaginativ – funktionierenden Nummern bewegen sich entschlackt und spontan, unkompliziert und instinktiv, roh und intim, in vorsichtiger Zartheit geträumt, aber sachlich in den Äther gehaucht. Sie haben eine zeitlose Eleganz und erweisen sich als kaum griffig, beinahe flüchtig, am besten in den einsamen Nachtstunden wirkend.

Dafür, dass dabei keine zu gravierende Gleichförmigkeit im homogenen, wie ein Ambientwerk betörenden Ganzen entsteht, sorgen kleine Facetten wie etwa, dass im liebenswürdig schunkelnden Baseball irgendwann eine Rhythmussektion samt Bläsern und angedeutet tröstendem Chor einssteigt, während Cedar Tree wie eine sedative Erinnerung an Polly das Tempo behände anhebt. So wechseln die eher angenehm begleitenden, denn unbedingt ergreifenden Lieblingssongs praktisch bei jedem Durchgang, denn sie alle transportieren etwas herzerwärmend sanftes, das Geborgenheit vermittelt.
Weswegen auch Borcherdt irgendwann die Erkenntnis ereilt haben dürfte, dass III eigentlich keine Platte des Loslassens geworden ist, sondern eine, die weiß, was es im Leben festzuhalten gilt.

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