Dustin Kensrue – The Water and the Blood

von am 2. Oktober 2013 in Album

Dustin Kensrue – The Water and the Blood

Seine Kirchengemeinschaft prangert neben stilisierter religiöser Symbolik am Cover, die Songs tragen Titel wie ‚Come Lord Jesus‚, ‚God is Good‚ oder ‚O God‚: Ex-Thrice-Frontmann Dustin Kensrue lässt auf seinem (je nach Zählweise) dritten Soloalbum von vornherein keine falschen Erwartungen aufkommen.

Dass Kensrue knapp ein Jahr nach dem ausgiebig zelebrierten Ende/Pausenpfiff von Thrice endgültig zum praktizierenden Hardcore-Christen geworden ist? Seine Sache. Dass der Amerikaner seinen Glauben über seine Musik kanalisieren will? Für die Atheisten, Agnostiker und Nicht-Christen unter seinen Fans vielleicht wenig einladend, aber es wird ja niemand gezwungen einzuschalten. Dass Kensrues Gemeinde dazu einen polarisierenden Ruf mit sich schleppt und der 32 jährige mittlerweile wie ein Mittelding aus sektenvereinnahmten Aushängeschild und missionierendem Post-Hardcore-Rattenfänger für die Mars Hill Community wirkt? Macht das alles nicht unbedingt sympathischer, allerdings immer noch: alleine sein Bier.
The Water and The Blood‚ nun also alleine wegen seines streng religiösen Wesens von vornherein zu verurteilen käme alleine deswegen nicht in Frage, weil man ja auch den drölfzigsten Slayer-Song über Satan geil finden und Musik mit religiösen Hintergrund auch unaufdringlich auf einer rein spirituellen Ebene funktionieren kann, Kensrue vor allem aber dank seiner Thrice-Verdienste ohnedies mehr als nur einen Stein im Brett hat. Gerade deswegen ist es aber auch ein umso größeres Ärgernis, dass der Musiker nach dem bereits durchwachsenen The Modern Post-Einstand endgültig den Tunnelblick aufgesetzt hat und mit Scheuklappen agiert, schlicht: das eindimensionalste Album seiner Karriere aufgenommen hat.

In erster Linie liegt das natürlich an den alleine auf Gott fokussierten Texten. „Glory“ hier, „Halleluja“ da, einen uninspirierten „God is Good/ All The Time/ God is Good„-Refrain dort: wie eine Platte mit hängender Nadel gibt Kensrue sich heiliger als der Papst, geißelt sich als treuer Gottesdiener („I could walk the world forever/ Till my shoes were filled with blood/ It’s not enough, it’s not enough„) lobpreist fromm ohne eigene Worte zu finden, lässt seinen Lyrics keinerlei Interpretationsspielraum mehr (dabei hat er das all die Thrice-Jahre hindurch doch hinbekommen!) und die Texte durch den ständig geschwungenen Christen-Vorschlaghammer beinahe zur Karikatur verkommen.
The Water and the Blood‚ liefert so elf Songs, die zweckmäßig auf ausladende Predigten in Arenen zugeschnitten sind, punktgenau auch auf die gebliebene Kernzielgruppe: in Richtung pappsatter, kaum bissiger aber glattgeschliffener Thrice-Songs – plötzlich sind da im gepressten Gesang kurioserweise (?) sogar Parallelen zu Marcus Mumford (Instrumental natürlich kaum – dafür müssten er und seine Sons ihr variantenloses Waschbrettspiel doch erst einmal in derart knackigen Alternative Rock übersetzen zu lernen). Das verliert sich zudem immer wieder gerne vollkommen überzogen ins epische (können im Pathos platzierte Songs wie ‚Sufering Servant‚ oder ‚Grace Alone‚ überhaupt inszeniert werden ohne im Schlamm  kniend geballte Fäuste mit zugekniffenen Augen theatralisch in den Himmel zu recken?) – als wären Bon Jovi klerikale Dramatiker, weswegen luftige Ausflüge zum Akustikgitarrengestützten Singalong-Rock wie ‚God is Good‚ regelrecht erleichternd wirken – und doch: die typischen Melodien reihen sich großzügig aneinander, hymnisch ist das, melancholisch, manchmal auf verletzliche Weise klagend und immer enorm – eigentlich: allzu forciert – eingängig! Im Ansatz zeigt hier jeder einzelne Song immenses Potential zu einem erstklassigen Thrice-Schmuckstück entstaubt werden zu können – das mit billiger Klaviermelodie plätchernde ‚Rejoice‚ vielleicht nicht, ebensowenig am anderen Ende das poppig vom kruden Keyboard zum Chor hüpfende ‚It is Finished‚, aber dazwischen platziert sich das doch in unmittelbarer Nähe von ‚Vheissu‚, wenn auch im simpleren Popgewand.

Wobei Teppei Teranishi und die Breckenridge-Brüder Kensrue eventuell auch ausreden hätten können nach all den zum Teil großartigen Strophen gefühltermaßen jeden einzelnen (immer den direktesten, einfachsten Weg gehenden) Refrain bei plump agierenden Versuch die Dinge zu intensivieren zu wiederholen und zu wiederholen und zu wiederholen. Irgendwann führt derart zwangsläufig kein Weg mehr daran vorbei: ‚The Water and The Blood‚ überspannt den Bogen auf nahezu allen Ebenen, mag Kensrue die Platte auch alleine durch seine grandiose Stimme in Alleingang stemmen: eine regelrechte Überdosis tritt ein, die Botschaft findet keinen Weg zum Herz, sondern trieft wiedergekäut aus den Ohren. Gutes Songwriting geht am Konzept zugrunde.
Am Ende heißt es in ‚It is Finished‚ „It is finished! He has done it!Let your weary heart rejoice/ Our redemption is accomplished„, und insgeheim keimt immer noch die Hoffnung, dass Kensrue nach dieser Platte des übersteigerten religiösen Eifers seinem vor sich hergetragenen Glauben nicht mit weiteren derartigen Veröffentlichungen strapazieren wird (polemischer: dass dieses Album Kensrue einen Platz im Himmel garantieren möge und deswegen kein weiteres nötig sein müsste). Denn mag seine Hinwendung zum exzessiven Christentum auch grundsätzlich alleine Kensrues Angelegenheit sein – als Fan kommt man nicht umher zu attestieren, dass sie ihm als Musiker in keinster Weise gut tut.

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1 KommentarKommentieren

  • Klaus - 17. Oktober 2013 Antworten

    Dummkopf. So ein Quatsch! Man kann es auch übertreiben…

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