Element Of Crime – Lieblingsfarben und Tiere

von am 16. Oktober 2014 in Album

Element Of Crime – Lieblingsfarben und Tiere

Wiederholungen sind besser als du denkst“ heißt es in ‚Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen‚ beinahe rechtfertigend. Dabei ist Sven Regeners absolut wertkonservativ auf den Tugenden seiner Band beharrende Entwicklungsverweigerung erstmals kein heimliches Trumpfass einer Element of Crime-Platte.

Auch das dreizehnte Studioalbum der Band wächst, später als früher. Zumindest auf die ersten Durchgänge hin ist das mit ‚Lieblingsfarben und Tiere‚ aber so eine Sache. Wo zwar auch die meisten Vorgänger sich ebenfalls erst aus einer gewissen Unscheinbarkeit heraus mausern musste (und auch stets konnten), fällt die bedingungslose Ablehnung von Element of Crime sich im Jahr 2014 auch nur einen Millimeter aus der eigenen Komfortzone zu bewegen, geradezu ärgerlich auf, hemmt die Freude über die Palette an neuen Songs, allesamt den Kanon der zweiten Discography-Phase nahtlos erweiternd,  bisweilen gar auf unsympathisch Weise. Element of Crime suhlen sich souverän in den Dingen, die man an ihnen mögen muss und im Kern wirkt der Nachfolger von ‚Immer da wo du bist bin ich nie‚ damit wie eine rein pflichtbewusste Routinearbeit nach bekanntem Muster: hier und da lässt Gitarrist Jakob Ilja Countrysprengsel in die Songs tröpfeln, da und dort streicheln versöhnlich tröstende Bläser, (Mund)Harmonika und Co.; die Band spielt nach typischen Strukturen so geduldig, wie sie am Cover auf den Schnappschuss wartet. Man kennt das, man mag das – mit jedem Mal mehr. Wirklich erfüllend wird das diesmal allerdings dennoch nicht.

Was der geschmeidigen, aber auch langweilenden Ideen- und Melodienwiederverwertung ‚Lieblingsfarben und Tiere‚ am markantesten die Kniescheiben zu brechen droht, sind dabei ausgerechnet die Texte Regeners (also das eigentlich so nötige Herzstück von Element of Crime), die sich an leidlich bekannten lyrischen Motiven abarbeiten, dabei aber die wirklich berührenden, ergreifenden, tiefgreifend schmunzelnden Momente vermissen lassen.
Am nähesten ran an die magisch-melancholische Augenblicke, auf die die Band eigentlich abonniert ist, kommen Element of Crime, wenn Regener ganz unkompliziert von der Liebe dichtet. Dann ist da von ‚Dieselben Sterne‚ die Rede, von „Hautptsache Liebe/ Und Hauptsache Du“ oder der Erkenntnis ‚Liebe ist kälter als der Tod‚ – dann ist die deutsche Kombo wieder eine Bank, als tröstende Schulter im Alter agierend.
Wenn Element of Crime dazu über den wunderbar entspannt fließenden Opener ‚Am Morgen Danach‚, das flott amüsante ‚Schade Dass Ich Das Nicht War‚ samt Classic Rock-Solo, das romantisch zurückgenommen jubilierende ‚Schwert, Schild Und Fahrrad‚ kurzweilig das Repertoire variieren, und sich vor allem von dem bemühten Herr Lehmann‚esken Kauzigkeit des enervierend plätschernden Titelsongs erheben, dann wärmt einem ‚Lieblingsfarben und Tiere‚ als Liebe mit Abstrichen auf den zehnten Blick doch wieder das Herz – ein tatsächlich schlechtes Album bringt diese Band eben natürlich nicht zustande. Trotzdem ist durchaus etwas dran, wenn Regener irgendwann „Rette mich/ Vor mir selber“ fordert. Denn Element of Crime haben es sich in ihrer Nische längst allzu heimelig gemacht. Genau dort läuft ‚Lieblingsfarben und Tiere‚ letztendlich auch wieder so entspannt, wo man die Linientreue der Band diesmal aber eben allzu leicht mit selbstgefälliger Ambitionslosigkeit verwechseln kann. Oder sollte es den Ansprüchen dieser Band mittlerweile tatsächlich genügen, die vielleicht angenehmste Hintergrundmusik der Welt zu liefern?

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