Employed to Serve – Eternal Forward Motion

von am 15. Mai 2019 in Album

Employed to Serve – Eternal Forward Motion

Die schlechte Nachricht gleich vorab: Den besten Moment 2019 hat Frontfrau Justine Kones für Employed to Serve bereits auf dem nachgereichten Unloved-Juwel The Molten Lava mit den Seelenverwandten Frontierer gemeinsam geopfert. Aber keine Sorge: Bedeutend schwächer wird Eternal Forward Motion dahinter eigentlich kaum.

Das dritte Studioalbum der Briten macht schließlich direkt weiter, wo der Vorgänger The Warmth of a Dying Sun 2017 zumindest auf der Insel bereits abgefeuert wurde, versucht sich darüber hinaus aber durchaus an einer gewissen Optimierungsarbeit, wie gleich der vorab ins Rennen geschickte, vertrackt stampfende Opener und Titelsong beweisen will.
Da fahren Employed to Serve immerhin bereits eine beachtlich substanziierte Math- und Metalcore-Masse aus nackenbrechenden Breakdown-Riffs, fett bollernder Hardcore-Produktion, brachial brutalisierter Griffigkeit, mitreißende Refrain-Tretmienen und ein episch verdichtetes Finale auf, das zwischen hyperventilierenden Dillinger Escape Plan-Gitarren und früher Converge-Wut seine Hausaufgaben in der selben Schule wie Rolo Tomassi, The Armed oder Vein gemacht hat.

Was Eternal Foward Motion bereits hier nicht kaschieren kann und will: Employed to Serve bleiben weiterhin eklektische Epigonen, die ihren Sound aus dem Fundus namhafter Vorgänger speisen und mit restlos bekannten Versatzstücken des Genre-Baukastens arbeiten. Man kennt all die bedienten Elemente; die mal drückenden, mal fiependen Stakkato-Gitarren, die wuchtigen Rhythmen aus dem Lehrbuch, das harte Gebrüll – freilich auch origineller.
Denn der Zugang von Employed to Serve ist ein pragmatischer, kein originärer: Das Songwriting erzeugt keine genialistisch überdauernden, stilprägenden Szenen, kein Augenblick ragt ikonisch hervor. Aber gerade am Stück funktioniert das Material von Eternal Forward Motion einfach ungemein effektiv und zwingend, hat als kurzweiliges Wut-Ventil ein starkes Momentum und eine verdammt geschickte Dynamik.

Dull Ache Behind My Eyes brettert etwa vom rasenden Tackern über die Planierraupe bis zum Noise-Feedback, aus dem sich Harsh Truth zurückgenommen für die Moshpit-Detonation sammelt. Die Inszenierung der Bridge ist an sich generisch, aber exemplarisch exemplarisch dringend umgesetzt.
Force Fed addiert Gangshouts, einen klaren Emocore-Part sowie ein packendes Call-and-Response-Finale, wo We Forgot You die Gitarre mit thrashigem Klassik-Zwischenspiel und flinken Gegniedel in die Auslage stellt, bevor Suspended In Emptiness dem Hang zum dissonanten Stoizismus frönt.
Es sind diese kleinen, permanent an der Intensität kübelnden Einfälle, die Eternal Forward Motion ständig frisch und hungrig halten und sogar die geradezu standardisiert übergeordnete Albumstruktur entlang des atmosphärischen Zwischenspiels Sore Tooth Twin sowie des programmatischen Schlußpunktes Bare Bones On A Blue Sky (der das Tempo traditionsbewusst herausnimmt und hymnischere Melodien forciert) keine Authentizität nimmt: Employed to Serve bleiben eine Bank, die einfach verdammt gut darin ist, was sie tut. Ganz ungeachtet dessen, dass wirklich herausragende Momente offenbar vorerst trotzdem nur durch den direkten Einfluss von Außen erzwungen werden können.

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