Hebronix – Unreal

von am 21. Juli 2013 in Album

Hebronix – Unreal

Die Frage nach dem schwierigen zweiten Album stellt sich für Daniel Blumberg offenbar grundsätzlich nicht. Denn nachdem es mit Cajun Dance Party, Oupa und natürlich Yuck jeweils für nur einen Langspieler reichte, steht mit ‚Unreal‚ bereits das nächste Debütalbum unter neuem Banner an.

Hebronix steht auf diesem und markiert nach Oupa’s ‚Forget‚ die nächste Solo-Spielwiese des Londoners. Warum Blumberg im April diesen Jahres dafür den Schlussstrich unter die so großartig gestarteten Yuck ziehen musste machen die nun versammelten (seit Oktober 2012 erarbeiteten) 6 Songs in 46 Minuten weitestgehend klar: Blumberg ist kaum mehr interessiert daran seine Dinosaur Jr.- und My Bloody Valentine-verliebten Gitarrensongs in die zugänglicheren Popschemen zu zwängen, die ‚Yuck‚ zu so einem wunderbar krachig-eingängigen Hitreigen haben werden lassen. Dass ‚Rebirth‚ ein schwächeres ‚m b v‚ ankündigt muss sich in diesem Zusammenhang erst bewahrheiten.
Unreal‚ franst einstweilen lieber an allen Ecken aus, ist bei einer Songlänge von bis zu 10 Minuten gerne impro-lastig umherstreunend, niemals energisch und in den am wenigsten zwingenden Momenten auch unfokussiert bis ziellos und gar schlampig im Umgang mit seinem Potential. Was hier durchaus Teil des Reizes ist.

Hebronix-Songs nehmen sich generell Zeit bis sie an Fahrt aufnehmen. Tun sie es wie im verspielten ‚Viral‚, lächelt auf ‚Unreal‚ schonmal die Sonne auf im Gras dösende Harmoniegesänge. Das ist selbst im stringentesten der hier versammelten, permanent zurückgelehnten Indierocksongs eher ein Tänzeln um Zugänglichkeit, das Cello am Ende klingen mehr nach Freundschaftsdienst als nach Opulenz.
Und durchaus: das zwanglose, unaufgeregte, es steht Blumberg natürlich gut. ‚Wild Whim‚ hat nicht nur eine perfekt sitzende (allgegenwärtige) Pavement-Slacker-Stimmung, sondern auch die dazupassende Malkmus-Melodie samt exaltiert bratzender, heulender Gitarre – das schunkelnde Piano klimpert dazu frei Haus um die lächelnden Hooklines. Ebenso schön: der bouncende Gurgel-Geisterhaus-Bass im psychedelisch angehauchten Titelsong, neben dem jazzigen Schlagzeug und freudig ihrem Spieltrieb fröhnenden Gitarren – hier hat Produzent Neil Hagerty neben seinen eigenen Royal Trux-Arbeiten wohl einige Platten von Neil Young und Kurt Vile in den Aufnahmepausen laufen lassen. Anders ist der friedfertige Soli-Exzess in der Schlussphase kaum zu erklären.

Blumberg destilliert mit Hebronix den konturlosen Jam-Charakter von Yuck, wandelt die Melancholie von Oupa in Nostalgie um und offenbart damit einmal mehr, dass er sich lieber als Indie-Freigeist an der Grenze zwischen Träumen und Wachen denn als kompakter Hitlieferant in Szene setzt. Deswegen dürfen in ‚Garden‚ auch ohne jeglichen Druck von Flöten angefangen über Wah Wah- und Fuzzgitarren bis hin zu käsigen Synthies und leichten Streichern alles auftauchen, was der lieblichen Melodie unangestrengt in die Hände spielt. Und selbst wenn das wie in ‚The Plan‚ (beginnt als leicht versponnene, einnehmende Pianoballade, ist dann aber eine ätherisch auslaufende, unschuldige Rock-Ahnung) oder dem überlangen Einstieg ‚Unliving‚ (fängt hier Blumberg das langsam Druck aufbauende Stück zum mäandernden 90er-Schrammel-Gitarrenstück ein – oder umgekehrt? Egal: das Solo am Ende will episches!) etwas zu vage um die vorbeitreibenden Ideen umherfliegen und der fehlende direktere Zug zum Tor ‚Unreal‚ doch klar hinter seine Vorbilder reiht, ist der Hebronix-Einstand doch ein durchwegs gelungener, eine warme aber manchmal distanzierte Umarmung. Und vor allem eine wunderbare Gelegenheit um eine knappe Dreiviertelstunde gedankenverloren in den Himmel zu starren – sei es nun um unbeschwert den Wolken beim wandern zuzusehen oder sehnsüchtig die Sterne zu zählen. Trotzdem das erste Projekt Blumbergs, dass einen zweiten Anlauf vetragen könnte, um sich voll zu entfalten.

06

Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Related Post:

Print article

1 Trackback

  • Daniel Blumberg - Minus - HeavyPop.at - […] bereits nachfolgende Veröffentlichungen unter dem Banner Oupa (Forget im Jahr 2011) oder Hebronix (Unreal) keinerlei Ungewissheit aufkommen. Insofern setzt…

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen