Hot Water Music – 20th Anniversary Collection

von am 5. Mai 2015 in Best of, Compilation

Hot Water Music – 20th Anniversary Collection

20 Jahre Gainesville’s Finest, das will gefeiert werden. Zudem hat Chuck Ragan im Interview ja auch Großes angekündigt. Geworden ist es letztendlich nur eine umfangreiche Werkschau mit 4 verschiedenfärbigen 180g Vinylplatten und stimmungsvoller Aufmachung. Gleichermaßen also ein ausgerechnet für Langzeitfans doch etwas ernüchterndes Sammlerstück, wie der nahezu perfekt selektierte Einstiegspunkt für Entdecker der Punkrock-Legende Hot Water Music.

Um es gleich vorweg zu unterstreichen: als Neuling im Hot Water Music-Kosmos könnte man sich wahrscheinlich keine bessere Einstiegshilfe vorstellen als die ‚20th Anniversary Collection‚: Abseits einiger fehlender persönlicher Favoriten ist hier im Grunde wirklich alles Essentielle vertreten, das man von den vier Helden aus Gainesville unbedingt kennen sollte muss; praktisch jeder Klassiker  ist anwesend, vom eröffnenden ‚Turnstile‚ über unsterbliche Gänsehaut-Evergreens wie ‚It’s Hard To Know‚ und ‚A Flight And A Crash‚ bis hin zu den zwingenden Hits ala ‚Trusty Chords‚ oder ‚Drag My Body‚ – Wünsche bleiben bei der Auswahl kaum offen.
Die Frage dabei ist natürlich: ist man bereit annähernd 75 Euro für die auf 5000 Stück limitierte Vinylsammlung [es existieren 1000 Kopien der Starburst Version sowie 4000 Stück der Solid Color Version]  auf den Tisch zu knallen, wenn man Hot Water Music bisher verpasst haben sollte? Mutmaßlich eher nicht. Insofern rekrutiert das äußerlich schön gestaltete ‚20th Anniversary Collection‚ seine Kundschaft als Liebhaberprodukt wohl auch eher bei der längst treu ergebenen Kernfangemeinschaft – und hinterlässt insofern gerade bei all jenen, die Hot Water Music in den letzten 2 Jahrzehnten begleitet haben wohl einen nur bedingt befriedigenden Nachgeschmack.

Denn einerseits sind alle hier vertretenen Songs längst bekannt, neues oder bisher unbekanntes Material hat die ‚20th Anniversary Collection‚ leider nicht zu bieten. Andererseits ist auch das stellenweise angewandte Remaster der frühen Originalbänder eher nur für Detailfreunde wirklich bis zum ultimativen Kaufanreiz spannend. Die eingestreuten Live at the Glasshouse-Versionen von ‚Manual‚ und ‚Rooftops‚ sind zudem soundtechnisch wenig zufriedenstellend ausgefallen und wirken vor allem im Kontext der Sammlung dezent willkürlich ausgewählt nicht unbedingt stimmig eingestreut.
Dass man sich zudem dazu entschlossen hat sich strickt chronologisch durch die Discographie zu arbeiten – beginnend aber erst mit drei Vertretern vom 1997er Werk ‚Fuel For The Hate Game‚ (die von der Band nicht besonders geliebte Compilation ‚Finding the Rhythms‚, welche das nun zelebrierte 20 jährige Jubiläum der 1993 gegründeten Band im Grunde rein zeitlich erst rechtfertigen würde, wird ohnedies außen vor gelassen) sowie einem ‚Forever And Counting‚-Trio – und sich dabei sklavisch an vier Songs pro Studioplatte hält (Ausnahme: Schallplattenseite 8 widmet sich den „Missing Pieces“ – jeweils zwei Nummern von den Raritätensammlungen ‚Never Ender‚ bzw. ‚Till The Wheels Fall Off‚) kann dem Ganzen zudem einen etwas lieblosen Anstrich verleihen.

Am Ende stehen freilich dennoch 30, eineinhalb Stunden an der Perfektion des Punkrock arbeitende Songs, die – nocheinmal – als reine Best of/Werkschau betrachtet keinen besseren Einstiegpunkt in das Schaffen von Chuck Ragan und Co. bieten könnten: hiernach nicht von Hot Water Music angefixt zu sein, ist mutmaßlich zumindest als Genrefan kaum  möglich.
Weil aber alles eine Frage der Perspektive auf die suboptimale Veröffentlichungsweise ist, werden Langzeitfans, die nicht unbedingt das schön Scott Sinclair-Artwork in der lückenlosen Sammlung  stehen haben müssen, dies wohl eher zum Anlass nehmen mal ohnedies wieder die komplette Discographie des Quartetts aus Florida rauszukramen und sich dabei ausmalen, wie viel feiner im Zuge dieser feierlichen Gelegenheit etwa eine neuerliche Raritätensammlung oder Liveplatte gewesen wäre, vielleicht sogar eine umfassende Vinyl-Komplettbox aller Alben.
So oder so: auch ohne das theoretisch ideale Wirkungpotential (eine spontan interessierte Laufkundschaft als Zielpublikum) in praktischer Sicht auch nur annähernd ideal einzufangen ist die ‚20th Anniversary Collection‚ ein durchwegs schöner Blick zurück geworden; eine sehr gelungene Rekapitulation der bisherigen Bandgeschichte, mit der sich die Geburtstagskinder von Hot Water Music vielleicht selbst das schönste Geschenk gemacht haben.

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