Keeper – The Space Between Your Teeth

von am 5. Juni 2015 in EP, Heavy Rotation

Keeper – The Space Between Your Teeth

Sind Jacob Lee und Penny Keats tatsächlich auf dem Durchmarsch zur sludgeverkrusteten Doom-Krone? Keeper beginnen jedenfalls zumindest schon einmal damit, die Versprechen des bereits so hervorragenden ‚MMXIV‚ einzulösen.

Auch wenn bis zu den Sphären von Thou noch Luft nach oben ist – Keeper entfalten ihr immenses Potential mit jeder neuen Veröffentlichung eindrucksvoller. Das konnte man dieses Jahr bereits auf der großartigen Split mit Sea Bastard feststellen, die generell deutliche Spuren bei dem Duo aus Kalifornien hinterlassen hat, nun auch Gangart und Ausdrucksform der in drei Farben auf Vinyl vorgelegten (und wie immer ab gratis via Bandcamp downzuloadenden) ‚The Space Between Your Teeth‚-Ep vordeklinierte: die Kräfte von Keeper wirken auch diesmal in überlanger Kompositionsform – gerade einmal zwei Songmonolithen finden hier über die Spielzeit von 33 Minuten Platz und begnügen sich nicht nur damit den eingeschlagenen Weg fortzuführen, sondern reizen das Spektrum abermals weiter aus.
Warum also stets explizit darauf beharrt wurde, dass das vielversprechende ‚MMIXIVnur eine Demo sei, zeigt sich insofern alleine anhand der verbesserten Produktion: der Sound ist aufgeräumt, aber brutal und massiv, die Drums klingen wuchtig und dennoch erstaunlich sauber, progressiv gar. ‚The Space Between Your Teeth‚ strahlt ähnlich hell wie sein Artwork, hinterrücks psychotisch, evoziert dabei aber stets die genrenötige Dunkelheit und ist schlichtweg so verdammt heavy, so verdammt böse, so verdammt langsam, so verdammt archaisch und so verdammt gnadenlos.

In ‚The King‚ walzt das Riff schwerfällig, die schlauen Drums klettert mit einer bisher ungekannten Klarheit und Kraft, der Hintergrund ist sphärisch mit wärmenden Dronespuren ausgefüllt, das Gesamtprodukt ein malmender Gang Richtung Funeral Doom-Krypta. Keeper arbeiten dabei stärker mit Melodien, schlängeln sich wie ein Leviathan durch eine Vielzahl an Motiven, schaffen es sogar die stets so garstig am Höllenschlund greinenden Vocals variabel und abwechslungsreich zu halten.
Die beiden Jungspunde sind mittlerweile eben erschreckend versiert im Spiel mit der Dynamik, ziehen Tempo und Intensität nach Belieben enger und geben dem aufgebauten Sog immer wieder die nötige Luft zu atmen, ziehen die aufgefahrene Härte gegebenenfalls hinter eine versöhnlich ausgebreitete Atmosphäre. Versatzstücken aus Post- und Black-Metal  verschmelzen da nahtlos mit Shoegaze-Momenten und einer herrlich finsteren Blackened Crust Ästhetik, die sich über die gesamte Platte legt. Dass ‚The Space Between Your Teeth‚ dabei in zwei Songs  unterteilt wurde ist eher theoretischer Natur, die beiden Parts fügen sich auf homogen ergänzende Art und Weise zusammen.

In den letzten Minuten schleifen KeeperThe King‚ so immer dichter gestaffelt weiter zu einem Schlachtmahl von epischer Bandbreite, bevor die Szenarie nahtlos in das eingangs noch trügerische Ambientmeer von ‚The Fool‚ überfließt: freilich bald ebenfalls bald ein unbarmherziger Lavastrom, ein hämmerndes schwarzes Loch aus Hass und Wut, das einem das Blut aus dem Rachen würgt und einen steten Wellengang aus traditioneller veranlagten, beinahe an Pallbearer erinnernden Riffs hereinbrechen lässt. Keeper spielen diesen Khanate‚esken Kraftakt in erbarmungsloser Manier nach Hause, bis das Kerngebiss klingelt und der Schädel dröhnt. Wie zum Hohn legt sich der friedfertige, aus dem Nichts kommende Postrock-Appendix von ‚The Fool‚ deswegen als verstörendes Schmirgelpapier in die Gehörgänge, bevor Keeper den Vorhang fallen lassen. Kaum zu glauben, wie kurzweilig zwei jeweils knapp 17 Minuten dauernde Brocken verfliegen können.
Und ganz im Ernst: es ist trotz aller auslaugenden, malträtierenden Unbarmherzigkeit eine einzige Freude dieser Ausnahmeband beim Wachsen zuzuhören. Auch, weil es nur eine Frage der zeit zu sein scheint, bis Keats und Lee die Grenzen nach oben dabei einreißen dürften.

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Download via Bandcamp| Vinyl via Crown and Throne

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