Kermit – Autoficción

von am 1. November 2012 in Album

Kermit – Autoficción

Was als fulminanter Husarenritt durch Post- und Math-Rock Gefilde beginnt, setzt sich in Summe im überzeugenden Mittelmaß fest: Kermit aus Malaga machen auf ihrem Debütalbum nicht immer alles eigenständig, nicht immer alles herausragend – aber definitiv viel mehr richtig als falsch.

Kermit zu verorten würde entgegen der naheliegenden Vermutung nicht schnurstracks in Jim Henson’s Puppenschmiede führen, sondern mitten hinein ins pulsierende Math-Rock-Herz Japans – dorthin, wo Lite, , Toe – und wie sie alle heißen – rund um all den Grauzonen des Genres auf ihren Instrumenten rasen. ‚Autocicciòn‚ deutet als rein instrumentale (die vereinzelten Sprachsamples in ‚Manu Samhita‚ abgesehen) in eben diese Soundlandschaften, erkundet dort mit präzisem musikalischen Verständnis die Schatten der Virtuosität der überall anzutreffenden Vorbilder; man hört n den zackigen Rhythmusarbeiten die Begeisterung für die so tight spielenden asiatischen Kollegen, in den weitläufigen Arrangements der sich umgarnenden Gitarren die Liebe zu Mogwai und anderen post-rockigen Idolen und lässt die zwei großen Sozialisierungen in niemals nur auf-und abschwellenden Szenarien kulminieren. das prägnante Artwork nimmt den hier ständig wechselnden Wellengang also aufs wesentliche reduziert vorweg, tatsächlich ist es die erzeugte Atmosphäre der eigentliche Hinhörer auf ‚Autoficciòn‚.

In einer ständig grau gehaltene Aussichtslosigkeit wagen sich Kermit in die Gefilde von Slint vor, hinter jeder perlenden Melodie scheinen Abgründe zu wachsen. Am besten gelingt dies den stets so verführend groovenden Spaniern gleich im Opener ‚Origami‚, wo sich klare Strukturen mühsam aus dem Noise-Nebel hervorkämpfen und ihre Fühler gar in Richtung der Mount Fuji Doomjazz Corporation ausstrecken – zwar nicht vollends erreichen, aber trotzdem im Ansatz großes Kino versprechen. Dass dieses auf ‚Autoficciòn‚ letztendlich nicht in dieser angeklungenen Konsequenz stattfindet, verschuldet ein wenig die Tatsache, dass die vier jungen Burschen noch zu uneigenständig klingen, unzählige Referenzpunkte aufzeigen, aber letztendlich noch nicht ihre eigene Stimme gefunden haben. Wer die Gitarren aber so groß heulen lassen kann wie in ‚Mahabharata ‚, dass Godspeed You!Black Emperor und Explosions in the Sky stolz herabblicken, dem kann und will man die noch etwas durchsichtige eigene Handschrift zu keinem Zeitpunkt übel nehmen.

Schmerzhafter ist es da schon, wenn (das wie alles hier wunderbar sauber aber druckvoll, vielschichtig produzierte) ‚Anacronópete‚ nicht den etablierten Spannungsgrad halten kann und ein wenig kopflos seine Ideen abklappert, während kluge Akzentuierungen und markante Einfälle generell zu kurz kommen – wofür feine Talenproben wie das entspannte ‚Calipso/Fronterizo‚ nur umso heftiger entschädigen. Da stürzen Math-Momente elegant zusammen und rappeln sich gleich selbst wieder als Phönix aus der Asche auf – verspult darf das klingen, verkopft jedoch nie, nur der Bauch will auch nicht immer mit. In stimmungsvoller Summe positioniert ‚AutoficciònKermit mehr oder minder aus dem Stand heraus neben Vessels und Konsorten als souveräne Genrevertreter, viel mehr aber gelingt ein vielversprechender Ausblick auf potentiell jederzeit mögliche Glanztaten: dafür reicht es vielleicht schon, die Intensitätsschrauben hier und da noch etwas nachzuziehen, den einen oder anderen Geistesblitz zu haben und da wie dort schlicht mehr nach Kermit als nach anderen zu klingen. Was genau das bedeuten wird, darüber müssen sich die Spanier esrt Gedanken machen. Generell gilt hier abernatürlich: besser sich bei guten Vorbilder zu bedienen als einen schlechten Geschmack zu forcieren. Rundum sind Kermit wohl auf dem richtigen Weg.

Vinyl LP / CD via Bandcamp | Digital Download via Pretty in Noise

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