Godspeed You! Black Emperor – ‘Allelujah! Don’t Bend! Ascend!

von am 4. Oktober 2012 in Album, Heavy Rotation

Godspeed You! Black Emperor – ‘Allelujah! Don’t Bend! Ascend!

Die Rückkehr der ziemlich sicher besten Post-Rock-Band der Welt nach nahezu auf den Tag genau 10 Jahre ohne Veröffentlichung muss man nicht restlos befriedigt goutieren um sie dennoch als vielleicht schönstes Geschenk aufzufassen, dass dem Genre seit gut eine Dekade gemacht wurde.

Zu ausgebaut, um nahtlos in der Nachfolge von EP’s wie ‚Slow Riot for New Zerø Kanada‚ zu stehen, aber als vollwertiges Comeback Album will man ‚‘Allelujah! Don’t Bend! Ascend!‚ einfach nicht bedingungslos begreifen. Dann schon viel eher als Compilation in Albumform, auf der die seit 2010 wiedervereinigten Post-Rock-Götter aus Kanada einen Schlußstrich unter jene Jahre ziehen, in welchen die Institution um Efrim Menuck pausierte – ist ‚‘Allelujah! Don’t Bend! Ascend!‚ doch in erster Linie das Aufarbeiten von vor dem Hiatus erdachtem, übrig gebliebenen Material, oder nüchtern betrachtet: das als viertes Studioalbum geführte Godspeed You! Black Emperor-Werk läutet mit zwei weitestgehend bekannte Songs in Überlänge sowie zwei atmosphärische Ambient-Drone Stücken die wohl früher oder später zwangsläufig folgen werdende definitive Rückkehr mit auch tatsächlich neuem Material verhältnismäßig unspektakulär für die darbenden Fanscharen ein, welche mit über die Stränge schlagenden Vorbestellungsansuchen mal eben den Constellation-Webstore lahmgelegt hatten.

So nüchtern kann man ‚‘Allelujah! Don’t Bend! Ascend!‚ dann aber allein schon aufgrund seines spektakulären Beginns nicht betrachten: ‚Mladic‚ ist zwar „nur“ die lange herbeigesehnte Studioversion des seit gut einem Jahrzehnt – seit 2003 genauer gesagt – als wiederkehrender Bestandteil jedes Godspeed-Konzerts zum Fanfavoriten gewachsenen ‚Albania‚, allerdings in Form und Ausführung, die Erwartungshaltungen spielend übertrifft und dem Song in Tonträgerqualität auch knapp neun Jahre nach seinem Entstehen als herausragende Großtat aus dem Schaffen der Kanadier hervorhebt, gar als mitunter packendsten Rocksongs im Godspeed– Euvre adelt. Efrim Menuck und seine Musikerschar hangeln sich hier über beinahe zwanzig Minuten (in der CD-Version, die sich natürlich wieder von der Vinyl-Ausgabe unterscheidet knacken sie diese Marke sogar) über orientalische Klänge, drücken ein kraftvolles Mantra in zwingende Riff- und Rhythmusform, veredeln die Komposition mit einem ungeschliffen rohen Sound, der die Urgewalt des Songmonolithen zusätzlich unterstreicht.

We Drift Like Worried Fire‚ basiert als zweiter der beiden „richtigen“ Songs dann zu großen Stücken auf dem ebenfalls längstens bekannten ‚Gamelan‚, kann und will mit der ungestümen Unmittelbarkeit von ‚Mladic‚ nicht mithalten und sucht seine Stärke vielmehr in der facettenreichen Instrumentalvielfalt der Band und einem ausbrechenden Pink Floyd-Finale, dass sich gewaschen hat, involviert von an Explosions in the Sky erinnernde Gitarrenfiguren über orchestral-majestätische Nostalgiekonstrukte in der hoffnungsblühenden Struktur eine elegante Dringlichkeit und ebensoviel Suspence, deckt ohne große Anstrngung ein breites Spektrum der weitreichenden Brillanz von Godspeed You! Black Emperor ab.
Demgegenüber tun sich ‚Their Helicopters‘ Sing‚ als vor Dudelsäcken pulsierende Noisekakophonie im klaustrophobischen Kämmerlein und das apokalyptische Sunn O)))-Drone-Lehrstück ‚Strung Like Lights At Thee Printemps Erable‚ auch schwer damit, über den Status von verbindenden Elementen, als Fugen kittendes, schmückendes Beiwerk hinauszuwachsen, betreiben Godspeed You! Black Emperor in den beiden Stücken doch vorwiegend Atmosphärearbeit und in gewisser Weise auch Verweigerungshaltung.

Ebensowenig wie sich die Songs in einzelne Movements auffächern lassen wollen, verzichten Menuck und Co. auf jedwede Sprachsamples, lassen das zutiefst homogene ‚‘Allelujah! Don’t Bend! Ascend!‚ annähernd unfertig, nicht vollends ausformuliert  erscheinen, als hätte der gefühlte Appendix von ‚Yanqui U.X.O.‚ zumindest in dieser einen Hinsicht den leichtest möglichen Weg gehen haben dürfen, indem er Erwartungshaltungen gerade dadurch zu untertauchen versucht, dass man aktuelle Kompositionen ebenso wie weitere Revolutionen erst einmal außen vor lässt, Kapitalverwahrung setzt und angestaute Altlasten abträgt, womit der Kopf aber nun endgültig frei für die Zukunft sein sollte. Dass Godspeed You! Black Emperor als Rückmeldung damit zwei wenig überraschende Songs vorlegen, die dem ‚Lift Your Skinny Fists Like Antennas to Heaven‚-Material aber weitestgehend auf Augenhöhe begegnen, ist in seiner Erhabenheit dann abermals ein beispielloses Zeugnis für die Vormachtstellung der wiedergekehrten Genre-Könige.

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