LNZNDRF – Green Roses

von am 23. August 2016 in EP

LNZNDRF – Green Roses

Ihr selbstbetiteltes Debüt hat kaum einen Hehl daraus gemacht, dass die krautrockigen Space-Songs von LNZNDRF aus endlosen Jamsessions heraus entstehen. Ausgerechnet das Kurzformat Green Roses zeigt den Zusammenschluss aus Beirut– und The National-Musikern insofern noch näher bei ihrer Basis.

Passen Ben Lanz sowie die Devendorf-Brüder Scott und Bryan doch die Ausmaße der beiden auf dieser 12″-Single/EP vereinten Songs in ihren Ausmaßen weniger an tonträgerabhängige Konventionen als, die die vergleichsweise relativ kompakt daherkommenden Ausschnitte auf LNZNDRF: Der Titeltrack (knapp 12 Minuten) und Salida (knapp 15 Minuten) nehmen sich Raum, Freiheiten – und vor allem Zeit.
Und man ahnt es bereits: In derart elaborierteren Dimensionen funktioniert der Rausch des Trios einfach stimmiger. Nicht, weil ihr Songwriting deswegen bedeutend spannender oder zwingender zur Geltung käme. Dass dies nicht der Fall ist, macht alleine die rein instrumentale B-Seite Salida klar, wenn sich die ausufernde Exkursion damit begnügt mit seiner stoisch ziehenden Ryhtmusarbeit durch ein düsteres Wave/Post Punk-Flair zu pflügen und ohne konkretes Ziel vor Augen eigentlich nichts besser macht, als unzählige andere Genrebands, die sich allerdings eben nicht derart selbstgefällig auf einem Supergroup-Polster ausruhen können.
Doch entfaltet sich die Gravidität von LNZDRF in diesem Maßstab selbst in dieser relativen Ausschussware doch besser als auf dem Debüt, indem Salida das abgesonderte atmosphärische Ambiente besser destillieren kann und genug Möglichkeiten bekommt, um seinen hypnotischen Drive durchzudeklinieren, wodurch die Band die nötige Sogwirkung beschwört, um sich nicht vollends sinnbefreit in der wenig originellen Spielerei zu verlieren.

Dass derartige Stimmungsmusik gerade an konventionelleren Strukturen und Schemen zusätzlich gewinnen kann – und LNZNDRF mit etwas mehr Griffigkeit eine absolute Bereicherung im Spannungsfeld zwischen den Secret Machines (die gerade gesanglich niemals näher waren als auf der A Seite der Single) und Disappears darstellen könnten – führt die Kombo zudem eingangs gleich selbst vor: Green Roses nimmt den Schritt zum stärksten der bisher dokumentierten LNZNDRF-Songs mühelos, indem es auch Trademarks der Stammbands natürlicher in den Sound einfließen lässt und vor allem den Spagat zwischen Soundästhetiktrip und Song zustande bekommt.
Auf einem unermüdlich moduliert dahinlaufenden Fusion aus 80er-Klangbild und bläserbasiertem, drumcomputerartig arbeitend sukzessiven Beat lassen LNZDEF den Bass nach Twin Peaks Schielen und die Gitarren relaxt treiben. Lanz mit verträumtem Blick in den Sonnenschein, während die Gitarren zu frickeln beginnen und Fanfaren immer dichter und bedrohlicher in den an sich monotonen ausgerichteten, aber vital ausgeschmückten Song kriechen. Und irgendwann frohlockt das Horn regelrecht ausgelassen über dem verselbstständigten Rhythmusgefüge, der tollen vielschichtige Produktion in all ihrer Texturiertheit, und der beschworenen anachronistischen Stimmung. Schade, dass danach eben nur noch viel müßiger Leerlauf folgt.
Eine derartige Besinnung hin zur Urform der Songs unterstreicht freilich auch den weniger konsenstauglichen Status der Band – vor allem im Gegensatz zu den gefühlten Schwesterprojekten Pfarmers und EL VY. Das ist natürlich auch dem LNZDRF’schen Trio klar – weswegen Green Roses abseits seiner digitalen Form nur als limitiertes weißes Vinyl erscheint. Ergo: Eine Veröffentlichung für bereits Angefixte.

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