Machine Head – Do or Die

von am 15. Oktober 2019 in Single

Machine Head – Do or Die

Wenn Is There Anybody Out There? der Prolog zum pubertären Stumpfsinn von Catharsis war, ist die neue Standalone-Single Do or Die ja eventuell der unnötige Epilog. Realistischer aber erscheint, dass der Zug aus qualitativer Sicht für Robb Flynn und Machine Head abgefahren sein könnte.

Der prolongiert „heaviest song yet“ (Ansichtssache!) hat dann aber rein musikalisch betrachtet auch wirklich Wumms, ist fetter Groove Metal, aggressiv und eigentlich ordentlich knüppelnd, findet über straighte Konsequenz zu harten Breakdowns und rasenden Rhythmen, zu hyperventilierenden Gitarren und einem gesangstechnisch solide performenden Flynn. Auch wenn wenig hängen bleibt: Do or Die macht auf dieser Ebene zumindest mehr Laune als ein Gros von Catharsis und zeigt eine verdammt solide Leistung einer Band, die ihr Metal-Handwerk dringlich und infektiös beherrscht.

Die gravierende Achillesferse bleibt derweil die selbe: Die Texte von Flynn sind eine peinliche Trotzreaktion eines beleidigten 50 jährigen, dessen poetische Tiefe einem lobotomierten Teenager alle Ehre macht und mittlerweile endgültig an der Grenze zur Selbstparodie angekommen sind.
I don’t give a fuck about you haters and your hate/ You assholes better duck, I’m coming swinging out the gate/ There’s not a metal band I ain’t influenced, now I’m calling out the judas/ Every band’s the fucking same/ …/ We’re not Chimaira or Strapping Young Lad/ You wanna hate it but you need it so bad/ …/ I don’t give a fuck about your stupid little scene/ Reaction videos and all your pussy little memes/ How many fucking bands I gotta bury, say a prayer to Mother Mary/ …/ I’m fucked up in the head/ Pitch black, everything’s dead/ I’m fucked up in the head/ Don’t fucking push me, all I see is blood red/ I tried to warn you, my demons will eat you alive/ Shred you to pieces, one hundred thousand fucking knives/ My soul is septic, dripping lead/ That’s why I’m fucked up in the head“.

Hiergegen ist selbst die aktuelle Slipknot-Platte pure, philosophische Lyrik. Ob die ausgewiesene Copycat Flynn sich überhaupt bewusst ist, wie erbärmlich er den Inhalt von Do or Die alleine mit der Veröffentlichung von Do or Die auf einer persiflierenden Ebene konterkariert, bleibt zu bezweifeln. Immerhin ist er aktuell ja damit beschäftigt auch auf die Kritiken zu dieser Single absolut keinen Fuck zu geben. Wirklich schade ist jedoch, dass er mit seinem Fremdscham-Rant der tatsächlich vorhandenen Qualität der Musik jedwedes Wasser abzugraben droht und selbst mit Fanbrille aktuell nur einen bemitleidenswerten Blick auf Machine Head zulässt.

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