Make Do And Mend – Everything You Ever Loved

von am 28. Juni 2012 in Album

Make Do And Mend – Everything You Ever Loved

Seit dem Debütalbum ‚End Measured Mile‚ waren Make Do And Mend praktisch pausenlos auf Tour, Auszeiten davon gab es für das unermüdliche Quartett höchstens, um sich im Studio Luft zu verschaffen. Irgendwo dazwischen haben die Jungs aus Connecticut trotzdem die Ruhe gefunden, ihr aufbrausendes Wesen in noch melodischere Bahnen zu lenken.

Man könnte sagen, dass die Akustik EP ‚Part and Parcel‚ gleichzeitig Symptom und Diagnose im begonnen habenden Prozess der gesteigerten Umgänglichkeit – weil es doch zu putzig klingt, der Band zu attestieren softer geworden zu sein, und das den Kern zudem auch nur halb treffen würde – bei Make Do And Mend gewesen zu sein; allerdings sollte man der Vollständigkeit halber dann eben auch erwähnen, dass die ruhige, zurückgenommene Exkursion gleichsam Therapie genug war, um sich den Kopf wieder für die folgende härtere Gangart freizublasen. Und wenn man schon bei hinkenden Vergleichen ist, dann haben Make Do And Mend nun einfach nur zwei Jahre gebraucht, wofür sich Hot Water Music zumindest sechs Zeit genommen haben: die melodiöse, freundliche Seite in ihrem emotionalen, ruppigen wie kumpelhaften, durch und durch bodenständigen Punkrock herauszukehren, ohne sich dadurch automatisch angreifbar zu machen.

Make Do And Mend hatten freilich nicht den selben Startpunkt wie die Gainesville-Legende und vermutlich noch nicht einmal jetzt das selbe Ziel, der eingeschlagene Weg für die jungen Touchè Amorè und La Dispute Buddies lässt den ewigen Schatten Hot Water Music jedoch über ‚Everything You Ever Loved‚ noch deutlicher hängen, ‚A Flight And A Crash‚ oder ‚Caution‚ würden sich jedenfalls prächtig mit den 41 Minuten hier verstehen. Aber abgesehen davon, dass Hot Water Music inzwischen tatsächlich auch einen Narren an Make Do And Mend gefressen haben und die gemeinsame Achse die bessere Konstellation für aktuelle Konzerte gewesen wäre, gelingt ‚Everything You Ever Loved‚ der Spagat, der den Labelaufstieg zu Rise Records rechtfertigt und alte Fans doch nicht verbrämen sollte – natürlich ist das noch Punkrock, aber mit der Betonung auf die zweite Silbe, mit dem Fokus auf mitreißende, catchy Hooklines, die Melodien werden stärker hofiert: eine so gefühlvolle, verletzliche und auch zärtliche Ballade wie ‚St. Anne‚ wäre bisher jedenfalls aus dem Kontext gepurzelt -hier ist es logische und ergreifende Konsequenz: mit Streichern. Also darf und kann sich ‚Drown In It‚ gleich noch weiter aus dem Fenster lehnen. Dass auch das funktioniert, dafür sollte man nicht zuletzt Matt Bayles die Hand schütteln.

Darum herum balancieren Make Do And Mend mal mehr, mal weniger offensichtliche Hits, Ohrwürmer allesamt, die nach Kumpelhaftigkeit schreien, aber damit nicht bierselig meinen: ‚Blur‚ lässt sich noch etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen, packt aber letztendlich doch die immer wieder aufgegriffene Hymnenhaftigkeit aus, ‚Disassemble‚ hat dann auch gleich den ersten von vielen Refrains in peto, der wohl auch im Stadion funktionieren würde, aber erst im dreckigen Club seine wahre Magie entfaltet. Schon da unterstreichen Make Do And Mend, dass mit den selben Mitteln von ‚End Measured Mile‚ diesmal doch deutlich anders umgegangen wird. ‚Count‚ steht die Melancholie ins Gesicht geschrieben, hat aber auch genug Feuer unterm Hintern, um sich nicht unterkriegen zu lassen, während ‚Stay in the Sun‚ ist aus dem Holz geschnitztist, das Hot Water Music-Vergleiche auch in Zukunft provozieren wird. Nicht nur ‚Royal‚ lehnt sich dann aber eher an späten Thrice an, ‚Hide Away‚ verehrt Small Brown Bike. Dass die melodiöse Hitdichte mit den hochgekrämpelten Ärmeln auch hinten raus kein bisschen abfällt, festigt das Bild einer nicht zuletzt an sich selbst hart arbeitenden, emotional bekümmerten aber befreit aufspielende Band. Die älter klingt, als sie tatsächlich ist; mehr Kanten behalten hat, als abgeschliffen; und immer noch weitaus stärker austeilen kann, als das den Anschein hat. ‚Everything You Ever Loved‚ ist damit ein Paradebeispiel für jene Art von schwierigen zweiten Alben geworden, die sich neuen Möglichkeiten und Hörerschichten öffnen wollen, ohne Türen hinter sich schließen zu müssen, die alles größer machen wollen als der Vorgänger, sich deswegen aber nicht aufblasen müssen. Eine geglückte Gratwanderung, die eigene Fans beglücken und Hot Water Music Anhänger überzeugen dürfte. Und darüber hinaus für ordentlich Rummel sorgen sollte.

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