Malevolence – The Other Side

von am 27. April 2020 in EP

Malevolence – The Other Side

Zwar haben Malevolence drei Jahre nach ihrem Zweitwerk Self Supremacy quantitativ nur genug Material für eine knappe EP zusammen bekommen, die verstrichene Zeit aber nicht nur deswegen ideal genutzt, weil das Quintett aus Sheffield mit The Other Side entlang eines adaptierbares Artworks samt prominentem Gast sowie der perfekten Titelwahl das Momentum auf seiner Seite hat.

Tatsächlich kanalisieren Malevolence vor allem aber die bisher bereits vorhandenen Qualitäten ihren Melange aus Metalcore, Groove Metal und Hardcore auf The Other Side performancetechnisch und kompositionell derart auf dem nächsten Level abzielend, dass die Gunst der Stunde der Band bei der harten Erbeit beinahe zwangsläufig zusätzlich in die Arme spielen muß.
Wer solche knüppeldicken Breakdowns und Riffwalzen für den Moshpit lostritt, der hat es auch verdient, dass gerade das kompakte, sein Tempo zwischen schleppender Wut und rasendem Tumult umschaltende, Keep Your Distance ohnedies schon kaum mehr Hymne für die aktuelle Lage der Welt sein könnte, während dazu mit Bryan Garris (mit seinem in diesem Kontext ungewohnt hohen Geschrei für manische Kontraste sorgend) eben auch noch ein Kumpel auf der Gästeliste steht, der mit der jüngsten Platte seiner eigenen Band Knocked Loose seit 2019 noch immer brutale Adrenalinschübe in der Szene provoziert.

Die gestiegene Aufmerksamkeit kommt also nicht von irgendwoher, wenn hier jeder Augenblick von der ersten Sekunde an danach schreit, dass Malecvolence die nächste Stufe ihrer Karriere und Entwicklung zünden.
The Other Side lässt über zwei Drittel der Trackliste schließlich erst gar keinen Zweifel daran aufkommen, das die Briten ihre Kompetenzen verinnerlicht und destilliert haben: Nach seinem atmosphärischen Einstieg knüppelt gleich Remain Unbeaten über martialische Kaskaden mit fetter Breitseite, hymnischer Doppel-Lead und angetäuschten Soli, skandierenden Vocals und gallopierenden Rhythmen zu einem griffigen Chorus, der zwischen den Zeilen gar das Erbe von Pantera antreten könnte: Malevolence klingen gerade im Opener der EP latent nach den 90ern, gar in Nuancen sogar nach Nu Metal, aber darüber hinaus auf eine anachronistische Weise traditionell, wie etwa Vein das auch tun. Oder: Auch aufgrund der sauberen Optik geht so Konsens.

The Other Side strotzt neben Assoziationen wichtiger aber noch vor Power und Durchschlagskraft, vor unerbittlicher Wut, Wucht sowie Aggressivität – und macht damit eben alles stets um ein Quäntchen prägnanter, intensiver, melodischer, pointierter, eingängiger und schlichtweg besser, als es die beiden Studioalben Reign of Suffering und Self Supremacy taten.
Am deutlichen wird das am abschließenden Titelsong, der als kompromisslose Fortsetzung der Motive von Turn to Stone in Sachen stilistischer Konsequenz gewissermaßen Neuland erkundet, ohne leere Meter zu vermessen: Malevolence spielen hier eine Power Ballade für breitbeinige Metal-Hochburgen präzise auf den Punkt, der mit melancholischer Schlagseite, cleanen Gitarren und pathetisch-knödelndem Gesang die Ambition zu massentauglicher Größe zeigt. Weswegen nach The Other Side auch eigentlich kein Zweifel daran herrschen sollte, dass Malevolence auch den Raum füllen könnten, den etwa Parkway Drive auf ihrem Weg in die großen Arenen hinterlassen haben.

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